09.08.2018 - 15:12 Uhr
NabburgOberpfalz

Lärmschutz im Maßanzug schneidern

Nabburg braucht beim Lärmschutz eine maßgeschneiderte Lösung. Doch wie soll sie aussehen? Diese Frage bleibt bei einer Versammlung der "BI Bahnlärm" mit MdB Karl Holmeier (CSU) noch offen.

Der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier (rechts) zeigte sich zuversichtlich, dass für Nabburg gute Lärmschutz-Lösungen gefunden werden. Mit im Bild (von links) die BI-Sprecher Anton Schopper und Herbert Zweck sowie Bürgermeister Armin Schärtl.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Die "BI Bahnlärm" sieht sich grundsätzlich auf einem guten Weg. Sie hat es erreicht, dass der Verkehrsminister einen Rechtsanspruch auf Lärmvorsorge zusagte und dass die Bahn eine Planungsanweisung und eine Finanzierungszusage erhielt. BI-Sprecher Anton Schopper gehört mittlerweile auch dem neu gegründeten Koordinierungsrat für den Bahnausbau zwischen Hof und Regensburg an. In einer BI-Veranstaltung beim "Kräuterbeck" betonte Schopper am Mittwochabend: Ziel der Bürgerinitiative bleibt es, einen vollwirksamen Lärm- und Erschütterungsschutz an der Bahnlinie in Nabburg zu erreichen - unter besonderer Berücksichtigung der topografischen und städtebaulichen Aspekte. Dazu sollen auch alle drei Bahnübergänge innerhalb des Stadtgebietes beseitigt werden.

Ein Thema und viele Aspekte

"Das Geld ist dafür da", sah MdB Karl Holmeier keine Hinderungsgründe mehr für vollen Lärmschutz. Ihm geht die Elektrifizierung allerdings viel zu langsam. Es dürfe nicht sein, dass es noch bis zu 20 Jahre dauern kann, wie die Deutsche Bahn AG kürzlich im Koordinierungsrat anklingen ließ. "Das ist doch Wahnsinn", sagte der Bundestagsabgeordnete und verlangte den Abschluss der Maßnahme bis zum Jahr 2025. Zu seinen zentralen Forderungen gehört es auch, dass der Bahnhof Schwandorf zur Drehscheibe des Schienenverkehrs für die Region wird. Eine konkrete Zugzahlen-Prognose, die Aufschluss über die Frequentierung der Strecke durch das Naabtal gibt, erwartet er spätestens im September.

"Die Menschen bekommen den höchstmöglichen Schutz. Das haben wir geschafft", zeigte sich Holmeier vor etwa 30 Zuhörern zuversichtlich. Die Politik habe Wort gehalten, jetzt gehe es konkret um die Umsetzung. "Im Endeffekt ist doch niemand gegen die Elektrifizierung, aber es darf auch niemand ein Leidtragender davon sein", meinte er.

Bürgermeister Armin Schärtl (SPD) verdeutlichte, dass Nabburg vor einer einmaligen Situation stehe, die es zwischen Hof und Regensburg kein zweites Mal gibt. Nabburg brauche ein integriertes Konzept, in dem es um Lärmschutz, Hochwasserprävention, Ökologie, Bahnübergangsbeseitigung und Städtebau geht. Das sei die große Aufgabe für die nächsten 15 Jahre. Er werde sich bemühen, in den nächsten Monaten übergreifende Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. Es gelte, alle genannten Belange unter einen Hut zu bringen und eine passgenaue Lösung für das Gebiet östlich der Altstadt zu finden. Zuversichtlich, dass es diese Lösung geben wird und die Probleme in den Griff zu bekommen sind, gab sich BI-Sprecher Anton Schopper.

"Besondere Lösung"

Zu Beginn der Diskussion sprach Stadtrat Josef Pürner (CSU) ein Problem an, das einer Quadratur des Kreises gleich komme. Wenn der Gleiskörper wie bisher beibehalten bleibt, gebe es nur eine Lösung durch das Aufstellen von Schallschutzwänden. Der Lärm könne sich folglich nur noch nach oben ausbreiten, was bedeutet, dass er besonders in den nicht flachen Stadtteilen ankommt. "Die Altstadt wird ihn volles Rohr abkriegen", befürchtete er und zeigte sich gespannt, wie der Konflikt zwischen Topografie und Physik zu lösen sein wird. "Das ist alles technisch und finanziell machbar", meinte MdB Karl Holmeier. Für besondere Fälle müsse man eben auch besondere Lösungen suchen.

Ferner ging es vor allem um den weiteren Planungsverlauf. Wenn das Geld schon keine Rolle spielt, wie angeklungen war, so müsse es doch möglich sein, die besondere Topografie Nabburgs und den Schutz der Altstadt-Silhouette zu ermöglichen. Außerdem, darauf verwies Stadtrat Helmut Ertl (CSU), sollten die Zug-Prognosen unbedingt vorliegen, bevor in Nabburg die Beseitigung des Bahnübergangs beginnt. Denn es müsse bekannt sein, welche Maßnahmen notwendig sind, um alle Kriterien der Lärmvorsorge zu erfüllen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Stefan Kreuzeck

Mich würde mal interessieren ob den Lärm von der A 93 keinen stört, da gibt es ja auch Lücken und die ist nicht gerade leise wenn der Wind schlecht steht sowieso nicht, eigentlich Dauerlärm.

Wundert mich ja, dass diesmal ein Büro nicht erwähnt wurde, das nicht gerade mit erfolgreichen Projekten glänzt, aber "die Lösung aller Nabburger Probleme" verspricht, wahrscheinlich inkl. Absaufen bei Hochwasser.

Wie wäre es also jetzt die Bahnlinie direkt an die A 93 zu verlegen? Dann würde der Autobahndauerlärm doch jeden anderen Lärm verschlucken und das wäre der perfekte Lärmschutz.
Nabburg könnte dann einen Halt da draußen bekommen. Man muss sich aber im klaren sein, dass das dann richtig lange dauert und man bis dahin mit Provisorien leben müsste.

Teuer? Vielleicht, aber billiger als irgendwelche Tunnelträumereien oder eine Tieferlegung in die Hochwasserzone. Außerdem würden die überregionalen Verkehre so gebündelt.

10.08.2018

Nachrichten per WhatsApp