29.06.2021 - 14:47 Uhr
NabburgOberpfalz

Millionen für neue Wasserleitungen im Raum Nabburg/Schmidgaden

In der Brudersdorfer Gruppe läuft das größte Projekt aller Zeiten: die nahezu komplette Erneuerung des Wasserleitungsnetzes. Beim aktuellen, zweiten Bauabschnitt hatte der Zweckverband mit Blick auf die Kosten noch Glück.

Im Spülbohrverfahren, das größere Erdarbeiten und dadurch auch Kosten spart, wird ein Großteil der neuen Wasserleitungen verlegt. Zweckverbandsvorsitzender Frank Zeitler (rechts) und Geschäftsführer Hans Werner (links daneben) besichtigten mit der Bauleitung die aktuelle Baustelle bei Ragenhof.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Der Geschäftsführer ist froh. Noch vor Ostern gelang es, den zweiten Bauabschnitt zur Sanierung der Leitungen in der Brudersdorfer Gruppe auszuschreiben. Hans Werner ist sich mit dem Verbandsvorsitzenden Frank Zeitler einig: Durch das rasche Handeln gelang es, einen günstigen Preis zu erzielen. Denn inzwischen sind die Materialkosten, hauptsächlich für die Kunststoffrohre, massiv angestiegen. Für 1,7 Millionen Euro erledigt die Baufirma Lorenz aus Miltach (Landkreis Cham) die notwendigen Arbeiten innerhalb der beiden Kommunen Nabburg und Schmidgaden. Der teuerste Anbieter hätte in etwa das Doppelte verlangt.

Sie setzt auf das sogenannte Spülbohrverfahren: Trotz des teilweise recht steinigen Untergrunds ist es mit zwei eingesetzten Hochdruckanlagen möglich, die benötigten Stränge ins Erdreich zu bohren und anschließend die Leitungen einzuziehen. Start- und Zielgrube liegen immer etwa 250 Meter auseinander; das wöchentlich zu bewältigende Pensum liegt bei 500 bis 600 Metern.

Teil 2 im August fertig

"Wir haben eine sehr gute Firma bekommen", stellt der Nabburger Bürgermeister und zugleich Verbandschef, Frank Zeitler, bei einem Besichtigungstermin in Obersteinbach und am sogenannten "Oklahoma-Pass" bei Ragenhof fest. Es sei immer wieder zu hören, dass die Arbeiter auf ein gutes Klima zu den Bewohnern der tangierten Dörfer achten. "Es läuft reibungslos", berichtet Zeitler, auch im Beisein der Bauleitung und des zuständigen Wasserwarts.

Am 7. Juni fiel der Startschuss in Gösselsdorf. Im August sollen die Maßnahmen im aktuell laufenden, zweiten Bauabschnitt in den Bereichen von Inzendorf, Windpaissing, Obersteinbach, Ragenhof und Passelsdorf abgeschlossen sein. Der erste, bereits ausgeführte Bauabschnitt konzentrierte sich auf Diepoltshof und Brudersdorf und endete in Obersteinbach, das in der Vergangenheit einen Schwerpunkt bei den Rohrbrüchen dargestellt hatte. Zum Leitungsbau zählt auch die Erneuerung der rund 50 Jahre alten Hausanschlüsse, die kostenmäßig bis zur jeweiligen Grundstücksgrenze aus dem Budget des Zweckverbands zu finanzieren ist.

Zahlungen zeitlich entzerrt

Die teilweise doch sehr hohen Kosten, die auf die wenigen Haus- und Grundbesitzer innerhalb des Verbandsgebiets zukommen, hatten in den zurückliegenden Jahren zu teils heftigen Konflikten geführt. Umso mehr freute sich die Verbandsführung, dass es gelungen ist, die ersten beiden Bauabschnitte im staatlichen Förderprogramm der "Richtlinien zur Förderung von wasserwirtschaftlichen Vorhaben 2018" (RzWas2018) unterzubringen. Das bedeutet: Für den ersten Bauabschnitt, der insgesamt bei rund 5,0 Millionen Euro liegt, darf mit einem Zuschuss des Freistaats Bayern in Höhe von 1,8 Millionen Euro gerechnet werden (Förderbescheid liegt erst für einen Teil vor). Beim zweiten Bauabschnitt (Kosten 1,7 Millionen Euro) geht man von 1,0 Million Euro Zuwendung aus; die Abrechnung muss noch heuer eingereicht werden, um die Härtefallregelung (Erstattung der förderfähigen Kosten zu 80 Prozent) beanspruchen zu können, weshalb das Projekt unter Zeitdruck steht. Einen Großteil der Kosten muss der Zweckverband aber vorfinanzieren.

Erst wenn die Förderbescheide vorliegen, kann die Geschäftsleitung daran gehen, die anfallenden Verbesserungsbeiträge exakt zu berechnen und zu erheben. Für Abschnitt 1 sind bereits zwei Raten im Voraus (2015 und 2018) erhoben worden, die Schlussrechnung soll noch heuer folgen. Für Abschnitt 2 kündigten Zeitler und Werner die Fälligkeit der Beiträge für die zweite Jahreshälfte 2022 an.

Teil 3 steht noch aus

Noch offen ist augenblicklich, wie es baulich weitergeht. Es stehen nämlich noch weitere, dringend notwendige Arbeiten an, die in erster Linie die Leitungen zwischen den Hochbehältern an der Pfandelstraße in Nabburg und in Diepoltshof sowie viele technische Details betreffen. Sie würden in der Summe nochmals einen Kostenaufwand von ungefähr 2,5 Millionen Euro auslösen. Ob dieser dritte Bauabschnitt gleich angegliedert wird, muss der Zweckverband beschließen. Die entscheidende Versammlung kündigte der Vorsitzende für Herbst 2021 an. Zu einer Veränderung wird es allerdings kommen: Es gilt dann die neue RzWas2021, die eine Reduzierung des Fördersatzes auf 70 Prozent mit sich bringt.

Zweckverband konstituiert sich für Wahlperiode 2020/26

Nabburg
Im Moment sehr begehrt: Kunststoffrohre für den Wasserleitungsbau. Der Zweckverband konnte sich das Material noch rechtzeitig sichern.
Hintergrund:

Zweckverband Brudersdorfer Gruppe

  • Einzugsgebiet: Teile der Stadt Nabburg, der Gemeinde Schmidgaden und der Stadt Schnaittenbach (Landkreis Amberg-Sulzbach)
  • Leitung: Vorsitzender ist der Nabburger Bürgermeister Frank Zeitler, Geschäftsführer Hans Werner (Kämmerer der Gemeinde Schmidgaden)
  • Leitungsnetz: rund 35 Kilometer
  • Versorgung: 400 Anschließer mit rund 1000 wohnhaften Personen
  • Gesamtkosten der Sanierung: rund 9,2 Millionen Euro, falls dritter Bauabschnitt auch noch beschlossen wird

 

 

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