25.01.2021 - 15:33 Uhr
NabburgOberpfalz

"Nur Füttern hilft zu wenig"

Naturerlebnisse machen glücklich. Dazu gehört auch das Füttern von Vögeln. Oskar Deichner, Biologe beim Bund Naturschutz und Leiter des BN-Büros in Nabburg, sieht diese Fürsorge aber auch kritisch.

Skeptisch beäugen diese Spatzen das Futterangebot.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Wenn im Dezember die ersten dicken Schneeflocken fallen, besinnen sich viele Menschen auf die heimische Vogelwelt. "Spätestens zu dieser Zeit, meistens jedoch früher, werden in Kaufhäusern und auch in Zoohandlungen scheinbar unerschöpfliche Mengen an Vogelfutter angeboten. Mehr als 20 Millionen Euro geben Vogelfreunde jährlich dafür aus", so der Bund Naturschutz in einer Pressemitteilung. Mit Artenschutz habe das aber wenig zu tun. "Wirklich hilfreich für die Vogelwelt ist mehr Wildwuchs im Garten und die Erhaltung naturnaher, vielfältiger Lebensräume."

Dennoch sind auch die Naturschützer überzeugt: "Vögel füttern macht Spaß und steigert nachweislich das Wohlbefinden von uns Menschen." Während Spatzen, Meisen und Amseln am Futterhäuschen wie im Paradies leben, hätten allerdings andere Vogelarten kaum etwas davon. Die Arten, die ans Futterhaus kommen, sind nämlich bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht gefährdet. Seltene und bedrohte Arten, wie Rebhuhn oder Grauammer, kommen dagegen kaum an die Futterstelle. „Eine Winterfütterung leistet nur einen sehr geringen Artenschutzbeitrag. Viel wichtiger für den Schutz unserer Gartenvögel sind dichte Hecken, Streuobst, naturnahe Stauden und Kräuter“, erklärt Oskar Deichner, Biologe beim Bund Naturschutz und Leiter des BN-Büros der Kreisgruppe in Nabburg.

Die Fütterung verschaffe häufigen und an den Menschen angepassten Arten einen Konkurrenzvorteil, der sich auf Größe und Verteilung der saisonalen Tierpopulationen und Vogelgemeinschaften auswirken kann. Laut einer britischen Studie habe sich zwar die Artenanzahl durch die zunehmende Futtervielfalt der Futtermittelindustrie in den Gärten erhöht, aber national betrachtet, sei sie gleichgeblieben. „Nur Füttern hilft zu wenig. Man fördert damit lokale Tierpopulationen, aber nicht unsere überlebenswichtige Biodiversität“, begründet Oskar Deichner. "Echter Vogelschutz ist der Erhalt strukturreicher Landschaften und der Schutz natürlicher Lebensräume."

Verkehrt sei die Vogelfütterung trotzdem nicht. "Futterstellen bieten eine gute Gelegenheit, Vögel aus der Nähe zu beobachten und spannende Naturerlebnisse zu erfahren", das wissen auch die Fachleute. Daten aus einer Untersuchung der katholischen Universität Eichstätt würden zeigen, dass Vogelbeobachtungen glücklich machen. Deshalb sei gegen ein sachgemäßes Füttern im Winter nichts einzuwenden. Der BN bittet alle begeisterten Vogelfreunde die Futterstellen im Garten sauber zu halten und verschmutztes Futter zu entsorgen. Frisches Wasser sollte das ganze Jahr angeboten werden. Wer zum Beobachten, Wildtiere lieber ohne Köder in seinen Garten locken möchte, findet auf den Seiten des BN (bund-naturschutz.de) viele Tipps.

Blickt man in die Einkaufskörbe der Gartenbesitzer, scheint es den Menschen ein großes Anliegen zu sein, die Vögel gut durch den Winter zu bringen. Mehr als 20 Millionen Euro geben wir jährlich für Vogelfutter aus. Doch häufig bleiben die Nüsse und Samen unberührt. Den BUND Naturschutz erreichen in den letzten Tagen viele Meldungen zu verschmähten Meisenknödeln. „Vögel sind wählerisch, solange sie durch das Wetter nicht gezwungen sind auf minderwertige Kost umzusteigen“, erklärt Klaus Pöhler, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Schwandorf. Bei Billig-Vogelfutter aus dem Discounter oder dem Baumarkt leidet häufig die Qualität. Sehr günstige Meisenknödel enthalten Abfallfette, Backbrösel und andere unverdauliche Füllstoffe.

Wer in seinem Garten viele Vögel beobachten will, muss auf eine gute Futterqualität setzen. Dabei gilt: Je vielfältiger das Futterangebot ist, desto mehr Vogelarten finden etwas Passendes. Besonders beliebt sind Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, Mohn, Distelsamen, Fett-Kleie-Gemische, Haferflocken, frisches Obst, Rosinen und getrocknete Mehlwürmer.

Pöhler appelliert für eine Alternative: „Der Kauf von regionalen und biologisch angebauten Produkten hilft, strukturreiche Landschaften als Lebensraum für viele verschiedene Vogelarten zu erhalten. Das ist sinnvoller als übermäßig Winterfutter zu erwerben.“

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Hintergrund:

Bei Vogelfutter auf Qualität achten

Den Bund Naturschutz erreichten in den vergangenen Tagen viele Meldungen zu verschmähten Meisenknödeln. „Vögel sind wählerisch, solange sie durch das Wetter nicht gezwungen sind auf minderwertige Kost umzusteigen“, erklärt Klaus Pöhler, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Schwandorf. Bei Billig-Vogelfutter aus dem Discounter oder dem Baumarkt leidet häufig die Qualität. Sehr günstige Meisenknödel würden Abfallfette, Backbrösel und andere unverdauliche Füllstoffe enthalten.

  • Vielfalt: Wer in seinem Garten viele Vögel beobachten will, muss auf eine gute Futterqualität setzen. Je vielfältiger das Futterangebot ist, desto mehr Vogelarten finden etwas Passendes. Besonders beliebt sind Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, Mohn, Distelsamen, Fett-Kleie-Gemische, Haferflocken, frisches Obst, Rosinen und getrocknete Mehlwürmer.
  • Regionalität: Laut Klaus Pöhler vom BN hilft der Kauf von regionalen und biologisch angebauten Produkten, strukturreiche Landschaften als Lebensraum für viele verschiedene Vogelarten zu erhalten. "Das ist sinnvoller als übermäßig Winterfutter zu erwerben", so sein Tipp

"Echter Vogelschutz ist der Erhalt strukturreicher Landschaften und der Schutz natürlicher Lebensräume."

Oskar Deichner

Oskar Deichner

 

 

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