25.06.2020 - 17:08 Uhr
NabburgOberpfalz

Des Oberpfälzers liebste Beilage ist reif

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In der Erde verbirgt sich das Gold der Oberpfalz: Kartoffeln. Die kommen jetzt im Kreis Schwandorf in die Dorfläden oder werden zu Knödelteig und Chips. Die Ausbeute ist heuer groß. Aber auch die Landwirte spüren das Coronavirus.

Die Freude pur: Anton Dobler präsentiert die ersten zwei Hände voll seiner Frühkartoffeln auf seinem Acker bei Pfreimd.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Was die klimatischen Bedingungen angeht, steht es in diesem Jahr sehr gut um des Oberpfälzers liebste Beilage. Die Frühkartoffel-Saison ist eröffnet. Anton und Maria Dobler, Direktvermarkter für Kartoffeln in Perschen, sind zufrieden. Sie haben andere Landwirte und den Bayerischen Bayernverband dazu eingeladen, die ersten Kartoffeln auszugraben. Auf 6, 8 Hektar Acker baut das Paar zehn verschiedene Sorten an. Die bislang kühleren Temperaturen und der Niederschlag in diesem Jahr haben den Erdäpfeln gutgetan, sagt Sebastian Betz vom Erzeugerring Oberpfalz. Doch so gut es den Knollen auch gehen mag, das alles nützt nur, wenn sie schlussendlich auch auf den Tellern landen.

Keine Knödel während Corona

Die Corona-Krise hat auch das Kartoffelgewerbe aufgemischt. Die beiden Großabnehmer im Kreis Schwandorf sind der Knödelteig-Hersteller Burgis aus Neumarkt und die Chips- und Snackfabrik Lorenz in Neunburg vorm Wald. Ersterer musste sogar seine Produkte verschenken während die Gastronomie-Betriebe und Kantinen geschlossen waren, weil sie ihm keiner abgenommen hat. Einen Großteil seines Knödelteigs wird er zudem sonst am Oktoberfest los, das in diesem Jahr ins Wasser fällt. Ebensolche Probleme haben Firmen, die aus den Kartoffeln Pommes machen. Allerdings haben Landwirte wie Dobler Verträge mit den Firmen. Sie werden ihre Ernte also so oder so los.

Chips und Hofläden sind Gewinner

Gewinner der Krise ist der Chipshersteller Lorenz, sagt Landwirt Josef Reitinger, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln in Neunburg und Nabburg. "Die Leute sitzen seit Corona viel daheim. Was die Chips angeht, kann man das mit solchen Jahres-Highlights vergleichen wie mit einer WM. Da wird auch immer ziemlich viel geknabbert." Noch einen weiteren Vorteil hat die Corona-Krise offenbart: Die Menschen legen wieder mehr Wert auf regionale Produkte. Davon ist Mathias Hösl aus Perschen überzeugt. "Ich muss da auch mal eine Lanze für die jungen Leute brechen. Von ihnen kommen immer mehr zu mir auf den Hof und kaufen frische Kartoffeln." Sein Hofladen brummt. Ebenso der der Doblers. "Wir haben Selbstbedienung", sagt Anton Dobler. Wenn es Fragen gebe, stünden er und seine Frau selbstverständlich zur Verfügung. Den Laden mit einer normalen Verkaufstheke zu betreiben, war aber wegen der Nachfrage zeitlich nicht mehr drin. "Wir haben zwar Überwachungskameras, aber ich muss sagen, dass die Kunden bislang immer ehrlich waren. Ohne Ehrlichkeit wäre das gar nicht möglich." Auch Hösl sagt, der Laden werde immer zeitintensiver. "Es gibt da den Trend, dass die Kartoffel mittlerweile in der Mitte vom Teller liegt und das Fleisch außen rum. Früher war es eher anderes herum."

Die Menschen haben aber scheinbar während der Corona-Krise nicht nur Klopapier und Nudeln gehortet. Betz erinnert sich an eine Hamsterkäuferin. "Da war mal eine Frau da, die auf einmal zwei Zentner Kartoffeln kaufen wollte", sagt er. Als sie fahren wollte, habe sie gefragt, was man denn nun eigentlich aus Kartoffeln machen könne.

Mehr als nur eine Knolle: Die Kartoffel ist das oberpfälzer Superfood

Nabburg

Krautfäule bereitet Sorgen

So groß die Freude beim Bauernverband und bei den Landwirten auch sein mag, dass die Erdäpfel in diesem Jahr gut gedeihen. Eine Sache könnte heuer dennoch zum Problem werden: die Krautfäule. Betz erzählt, dass er mittlerweile fast täglich Anrufe bekommt, in denen ihm besorgte Erzeuger von der Kartoffel-Krankheit berichten. "Da sind am Anfang nur ganz kleine Stellen betroffen. Die Fäule breitet sich dann aber rasend schnell aus", sagt er. Das könne sowohl in biologischen als auch im konventionellen Anbau zu Verlusten führen.

Rezept:

Wie wäre es mit Kartoffelpuffer?

Der Bayerische Bauernverband liefert auch gleich ein leckeres Kartoffel-Rezept obendrauf: New Yorker Kartoffelpuffer. Was man für vier Portionen braucht: ein Kilo festkochende Kartoffeln, eine Zwiebel, zwei Eier, drei Esslöffel Mehl, einen halben Teelöffel Backpulver, sechs Esslöffel Butterschmalz sowie Salz und Pfeffer. Zunächst schält und reibt man die Kartoffeln und lässt sie dann 30 Minuten stehen. Währenddessen die Zwiebel reiben, dann die Kartoffelraspel in einem Sieb unter fließendem Wasser abspülen. Diese anschließend auspressen und mit der Zwiebel, den Eiern, dem Mehl und dem Backpulver vermischen. Die Masse kann nach Belieben mit Salz und Pfeffer gewürzt werden. Schließlich das Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen, jeweils einen großen Esslöffel von der Kartoffelmasse hineingeben und flach drücken. Die Puffer sollten von beiden Seiten goldbraun gebraten, vor dem Servieren mit Küchenpapier abgetupft werden.

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