17.04.2020 - 17:50 Uhr
NabburgOberpfalz

Die Kartoffel – das heimische Superfood

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Unter dem vielen Gemüse in den Schütten und Auslagen wird die Kartoffel leicht übersehen. Sie gibt es einfach, gefühlt schon immer. Die unauffällige Knolle ist nicht in, hip schon gar nicht. Johann Graf ist dabei, das zu ändern.

Aus Kartoffeln lassen sich zig verschiedene Gerichte zaubern, von Klassikern bis hin zu neuen Kreationen. Wer auch noch das Klima schützen will, ist mit der heimischen Frucht besser beraten als mit Chia, Quinoa oder Couscous.
von Irma Held Kontakt Profil

Der studierte Landwirt bewirtschaftet im Nabburger Ortsteil Lissenthan mit Unterstützung seines Vaters einen Hof und steuert von München aus als Geschäftsführer der Bayerischen Kartoffel GmbH die Imagekampagne für die heimische Feldfrucht - nicht aggressiv, nicht marktschreierisch. Der 39-Jährige ist ein Mann der leisen Töne, kein Selbstdarsteller. Er kann aber Stunden lang ohne missionarischen Eifer über die Kartoffel reden, ohne dass sich das Gegenüber langweilt. Üblicherweise kocht Johann Graf bei Gesprächen Kartoffeln, um zu beweisen, wie gut diese schmecken. Das macht er bei sich daheim. Beim Termin in der Nabburger Redaktion von Oberpfalz-Medien muss dieses Geschmackserlebnis leider ausfallen.

Rezepte und Videos

Angefangen hat die Bayerische Kartoffel GmbH, ein Verbund von Landwirten und Händlern, im Jahr 2013. Seitdem ist Johann Graf Geschäftsführer und oberster PR-Manager in Personalunion. Auf Messen wird regelmäßig für die Frucht geworben. Den Besuchern an den Ständen werden zum Probieren in der Schale gekochte Kartoffeln in die Hand gegeben - als Nahrung auch für den Geschmackssinn. Inzwischen läuft die Imagekampagne mit Rezepten auf der Homepage seit Herbst 2019 und mit unterhaltsamen Videos über Youtube. Sportler, Köche, aber auch die bayerische Kartoffelkönigin Stephanie Brüderle sind eingebunden.

"Zitrone des Nordens"

"Heimisches Superfood" nennt der Fachmann die Frucht, die seinen Worten nach überall gedeiht, wenn sie genug Wasser hat, zum Beispiel im rauen Oberpfälzer Klima und in schlechten Böden. Beim Eiweiß komme sie fast an tierisches heran. Wegen ihres Vitamin C-Gehaltes werde sie "Zitrone des Nordens" genannt, zählt Graf die Stärken der Kartoffel auf. Im Falle von Gluten-Unverträglichkeit biete sich Kartoffelmehl als beste Alternative an. "Kartoffelstärke ist eine der hochwertigsten Stärken überhaupt." Und die Knollen können extrem variantenreich und raffiniert verarbeitet. Nur eines geht gar nicht: Das Gemüse roh zu essen.

Die Lust wecken

Schmankerln in feiner Schale. Kartoffeln wachsen, wenn sie genug Wasser haben, fast überall.

Johann Graf ist keiner der den Verbraucher auffordert, weniger Nudeln zu essen, weil die Hälfte davon importiert wird. Er will die Lust auf Kartoffelgerichte wecken und seine Zielgruppe sind die Verbraucher. Der Erdapfel wie er früher hieß, soll wieder in Mode kommen. Ein Comeback feiern Grafs Erfahrung nach bereits Klassiker wie Reiberdatschi. Doch Pellkartoffeln mit pfiffigen Dips hätten das Zeug dazu der biederen Kartoffel eine trendige Schale zu verpassen und den Kartoffelbauern einen größeren Absatzmarkt. "Wenn ihr Kartoffeln kauft, schaut, wo sie herkommen", wirbt er für regionale Produkte. Wobei er einräumen muss, dass die Direktvermarktung zurück geht.

"Nach Kriegsende wurden 180 Kilogramm pro Kopf in der Bundesrepublik verzehrt", weiß Graf. "In den vergangenen zehn bis 20 Jahren haben wir jedes Jahr ein bis zwei Kilo verloren." Der Pro-Kopf-Verbrauch sei schon auf 55 Kilogramm gesunken. Jetzt liege er bei etwa 60 Kilo. Ob die Aktion "Die Bayerische Kartoffel" dazu beigetragen hat? Johann Graf zuckt mit den Schultern. "Ich glaube schon, dass es was bringt." Sonst wären seine ganze Arbeit und sein Engagement umsonst.

"Krasses Knödelland"

"Vor fünf Jahren", nennt er weitere Zahlen, "ist auch das Verhältnis frische Kartoffel - Veredelungsprodukt gekippt. 32 bis 33 Kilo verzehrt inzwischen jeder Bürger veredelt und 27 Kilogramm frisch." Zu den Veredelungsprodukten zählen Knödelteig, Salate, Fritten und Snacks. Und Burgis verkaufe seit kurzem mehr geformte Knödel als Knödelteig. "Bayern ist ein krasses Knödelland. In Niedersachsen ist das anders." Der bayerische Verbraucher mag lieber kleine Knollen, die Osteuropäer lieben große.

In Zeiten der Klimadiskussion und des -wandels zieht der Kartoffel-Promoter ein weiteres Ass aus dem Ärmel. Der ökologische Fußabdruck fällt mit der heimischen Kartoffel gut aus. "Die Kartoffel wächst in ganz Bayern und es gibt sie nahezu das ganze Jahr über. Die bayerische Frühkartoffel wird immer besser." Es seien mal ein paar Wochen, in denen die regionale Kartoffel nicht zu haben sei. Da springe die Pfalz in die Bresche, besonders in der Spargelzeit.

Bei Johann Graf muss zum Spargel nicht die Frühkartoffel serviert werden. "Der zarte, feine Geschmack des jungen Spargels harmoniert gut zum intensiveren eingelagerter Kartoffeln." Da gerät der zurückhaltende Fachmann glatt ins Schwärmen. Weitere Informationen www.bayerische-kartoffel.de

Reiberdatschi ist ein Klassiker unter den Kartoffelgerichten.
Kartoffelrezepte:

Kartoffelkönigin Stephanies Reiberdatschi

Das Rezept ist leicht nachzukochen.Zutatenfür vier Portionen:

12 große Kartoffeln

3 Zwiebeln

8 EL Mehl

2 Eier

Salz und PfefferZubereitung: Die geschälten Kartoffeln auf der großen Reibe reiben. Mit Salz und wenig Pfeffer würzen. Eier und die gewürfelten Zwiebeln dazu geben. Mit soviel Mehl bestäuben, dass die Kartoffelmasse bedeckt ist, kann mehr oder weniger als 8 Esslöffel sein. Alles ordentlich miteinander verrühren. Portionsweise Reibekuchen in der Pfanne ausbacken. Sie müssen in heißem Öl schwimmen, danach die Datschi auf Küchenkrepp abtropfen lassen. Dazu passt unter anderem Sauerkraut, Apfelmus oder Preiselbeeren. Knusprige Kartoffelnester mit Cheddar und Speck

Die Kartoffel kann auch modern. Das Rezept ist leicht nachzukochen. Die Vorbereitungszeit dauert zehn, die Zubereitungszeit 30 Minuten.

Zutaten:

450 g Kartoffeln

120 g Cheddar

1 EL Olivenöl

8 Eier

2 Scheiben Speck

Petersilie, Salz und Pfeffer

Muffinbackform für 8 oder 12 MuffinsZubereitung:

Backofen auf 220 Grad vorheizen. Muffinform einfetten.

Kartoffeln schälen und reiben. Geriebene Kartoffeln auf ein dünnes Geschirrtuch legen und so viel Flüssigkeit wie möglich ausdrücken.

Cheddar reiben und 100 g mit Kartoffeln mischen. Kartoffel-Cheddar-Mischung in die Muffinform füllen und und mit den Fingern an den Rand drücken, sodass kleine Schälchen entstehen. Im heißen Ofen etwa 15 Minuten backen, bis sie anfangen braun zu werden und der Käse geschmolzen ist. Beiseite stellen. Backofen auf 175 Grad herunterschalten.

Speck knusprig braten, auf Küchenpapier abtropfen lassen und zerkrümeln. Petersilienblätter von den Stängeln zupfen und fein hacken. Eier aufschlagen und vorsichtig in die Mitte der Kartoffelnester gleiten lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Speck, Petersilie und restlichen Cheddar auf den Eiern verteilen und erneut 15 Minuten backen. Kartoffelnester aus dem Backofen nehmen, auskühlen lassen und mit einem Messer vorsichtig aus der Form lösen.

Die Kartoffelnester können auch zum Frühstück gegessen werden
Kartoffelrezept:

Knusprige Kartoffelnester mit Cheddar und Speck

Das Rezept ist leicht nachzukochen. Die Vorbereitungszeit dauert zehn, die Zubereitungszeit 30 Minuten.

Zutaten:

450 g Kartoffeln

120 g Cheddar

•1 EL Olivenöl

•8 Eier

2 Scheiben Speck

Petersilie, Salz und Pfeffer

Muffinbackform für 8oder 12 Muffins

Zubereitung:

Backofen auf 220 Grad vorheizen. Muffinform einfetten.

Kartoffeln schälen und reiben. Geriebene Kartoffeln auf ein dünnes Geschirrtuch legen und so viel Flüssigkeit wie möglich ausdrücken.

Cheddar reiben und 100 g mit Kartoffeln mischen. Kartoffel-Cheddar-Mischung in die Muffinform füllen und und mit den Fingern an den Rand drücken, sodass kleine Schälchen entstehen. Im heißen Ofen etwa 15 Minuten backen, bis sie anfangen braun zu werden und der Käse geschmolzen ist. Beiseite stellen. Backofen auf 175 Grad herunterschalten.

Speck knusprig braten, auf Küchenpapier abtropfen lassen und zerkrümeln. Petersilienblätter von den Stängeln zupfen und fein hacken.

Eier aufschlagen und vorsichtig in die Mitte der Kartoffelnester gleiten lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Speck, Petersilie und restlichen Cheddar auf den Eiern verteilen und erneut 15 Minuten backen.

Kartoffelnester aus dem Backofen nehmen, auskühlen lassen und mit einem Messer vorsichtig aus der Form lösen.

Kartoffelstärke ist eine der hochwertigsten Stärken überhaupt.

Johann Graf, Geschäftsführer

Johann Graf, Geschäftsführer "Die Bayerische Kartoffel GmbH"

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