13.01.2021 - 16:44 Uhr
NabburgOberpfalz

Online-Schulstart im Kreis Schwandorf: Einschätzung von Eltern durchwachsen

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Laut Politik hat der Schulstart in den Distanzunterricht nahezu reibungslos funktioniert. Bei Eltern in der Region scheiden sich die Geister. Die einen sehen eine Verbesserung im Vergleich zum Frühjahr. Andere sprechen von einer Zumutung.

Laut Politik lief der Start in das Home-Schooling nahezu reibungslos. In der Region teilen nicht alle Betroffenen diesen Eindruck.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Für das Kultusministerium ist die Sache klar: Der digitale Schulstart nach den Weihnachtsferien war erfolgreich. Nachdem Bayerns Kultus-Minister vor den Ferien unter anderem wegen der Probleme mit der Lernplattform Mebis in der Kritik stand, konnten sich nun am Montag 468 000 Schüler im Freistaat anmelden und ohne weiteres online gehen. Auch Ministerpräsident Söder sagte am Dienstag dazu: "Wenn ich den Vergleich mit anderen Bundesländern gesehen habe, dann war es ein ordentlicher Start."

Alles also kein Problem mehr? Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bei Elternvertretern im Landkreis Schwandorf wird allerdings klar, dass die Einschätzungen diesbezüglich auseinander gehen. Dabei zeigt sich: Die Fallstricke beim Home-Schooling liegen nicht allein bei den Plattformen, auf denen der digitale Unterricht aufbaut.

Kein adäquater Ersatz

Hans Steinsdorfer ist der Vorsitzende des Elternbeirats am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach. Seine Tochter besucht dort die 12. Klasse und steht somit kurz vor dem Abitur. Er sagt: "Bei ihr hat es funktioniert. Der Online-Zugang hat geklappt." Zwar habe es die ersten paar Minuten Probleme gegeben, um halb neun oder spätestens neun hätten aber alle Schüler eine Verbindung aufbauen können. Steinsdorfer ist unterdessen dennoch davon überzeugt, dass der Distanz-Unterricht nicht das Gelbe vom Ei sein kann. Steinsdorfer: "Das kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen, egal wie gut das Programm auch sein mag." Ihm zufolge wäre es sinnvoll, zumindest den Abschlussklassen die Möglichkeit zu bieten, sich in Präsenz auf die Prüfungen vorzubereiten. "Gottesdienste dürfen stattfinden. Die Schulen haben zu. Irgendwie passt das nicht zusammen", sagt er uns. Der "scheibchenweise" Lockdown, wie er gerade praktiziert wird, habe nicht die Kraft, um auf absehbare Zeit eine Lockerung der Maßnahmen zu rechtfertigen. "Wenn wir bald eine Verbesserung der Lage haben wollen, dann verstehe ich nicht, warum wir nicht sagen, dass wir für drei Wochen alles zumachen. Davon dürfte es dann auch keine Ausnahme geben", meint der Elternbeiratsvorsitzende.

Zudem sieht er es als problematisch an, dass nicht alle Eltern die Möglichkeit haben, ins Home-Office zu gehen. "Wenn du einen Erst- oder Zweitklässler daheim vor den Computer setzt, dann macht der bestimmt viel, aber keinen Online-Unterricht", befürchtet Steinsdorfer. Besonders Beschäftigte bei kleinen oder mittelständischen Betrieben könnten seiner Einschätzung nach schnell Probleme bekommen, selbst wenn sie von dem Angebot des erweiterten Kinderkrankengelds Gebrauch machen. Steinsdorfer: "Wenn das in einem Betrieb ist, der nur ein paar wenige Mitarbeiter hat, dann macht der Chef das halt auch nur eine gewisse Zeit mit."

Doch wie sich das Problem lösen lassen könnte, weiß er auch nicht, weil schlicht zu viele Baustellen zusammenkommen. "Schauen Sie doch mal in die Schulbusse. Da werden die Kinder teilweise hineingepfercht wie Sardinen in eine Dose", bemängelt er. Flächendeckend schnelles Internet im Landkreis gebe es ebenfalls nicht überall.

„Das kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen, egal wie gut das Programm auch sein mag.“

Hans Steinsdorfer, Vorsitzender des Elternbeirats am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach über den Online-Schulstart

Hans Steinsdorfer, Vorsitzender des Elternbeirats am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach über den Online-Schulstart

Internet am Land eine Zumutung

Das ist ein Thema, das auch Robin Schmidt, den Elternbeiratsvorsitzenden an der Grundschule in Neunburg, umtreibt. Auf die Frage, wie der Schulstart war, sagt er: "Kurz und knapp? Beschissen!" Für die Stadt Neunburg könnte sich die Lage anders darstellen, auf dem Land drumherum aber versage die Internetverbindung an einigen Stellen. Wenn Home-Office dann noch mit Home-Schooling zusammenfalle, dann sei schnell Schicht im Schacht. "Wenn drei oder vier Leute gleichzeitig auf das Internet zugreifen wollen, dann haut das hinten und vorne nicht mehr hin", sagt Schmidt. Er habe sogar jemanden im Bekanntenkreis, bei dem das Internet regelmäßig ganz ausfällt. "Das ist teilweise eine richtige Zumutung", weiß er.

Schmidt kann nicht nachvollziehen, warum die Schulen für den Unterricht kategorisch geschlossen bleiben müssen. "Es gab ja durchaus gute Ideen, wie man das anders angehen könnte", sagt er. Er könne sich zum Beispiel gut eine Lösung vorstellen, bei der die Lehrer im Klassenzimmer ihren Unterricht halten, während sie eine Kamera filmt, die die Stunde dann ins Internet überträgt. Schmidt: "So könnten die sieben oder acht Schüler, bei denen das Internet zu Hause nicht für das Home-Schooling reicht, im Klassenzimmer sitzen und der Rest könnte dem Lehrer von daheim aus zuhören."

Positive Stimmen zum Start

Nicht überall im Landkreis fällt das Urteil so durchwachsen aus. Julia Glamsch, Elternbeiratsvorsitzende am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium in Schwandorf, ist mit der Umsetzung des Online-Unterrichts sehr zufrieden. Sie sagt: "Ich hatte im Voraus ein bisschen Angst vor dem Tag, weil ich nicht wusste, wie es wird." Die Schule nutzt die Plattform MS-Teams. Bei der Verbindung gab es am Montag keine Probleme. "Die Lehrer haben den Unterricht sehr gut umgesetzt. Der Ablauf war sehr durchstrukturiert", lobt sie. Auch Eltern und Schulleitung stünden in regelmäßigem Austausch. Auch Glamsch möchte damit nicht sagen, dass der Distanzunterricht auf Dauer einen Ersatz für den Präsenzunterricht darstellt. In der derzeitigen Lage aber hätten Schule und Lehrer getan, was sie nur können. "Wir hatten zwar jetzt erst ein paar Tage im Home-Schooling. Aber ich hoffe, dass es so bleibt", lautet Glamschs Fazit.

So war der Schulstart in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Ebenfalls zufrieden ist Christine Wesnitzer. Sie ist die Vorsitzende des Elternbeirats am Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium in Nabburg. Sie erklärt, dass sie freilich nicht für alle Eltern sprechen könne, aber bei ihrer Tochter, die die 12. Klasse besucht, den Eindruck bekommen habe, dass der Start "gut gelaufen" sei. Die Schule nutze das System BigBlueButton und MS-Teams für Videokonferenzen. "Die Q 12 nutzt Mebis nicht. Ich weiß nicht, wie das andere Jahrgangsstufen handhaben. Ich habe bislang jedenfalls noch keine Beschwerden bekommen", berichtet die Elternbeiratsvorsitzende im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

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