15.11.2019 - 17:37 Uhr
NabburgOberpfalz

"Pepper" tanzt mit den Senioren

Soll ein Roboter in Seniorenheimen in der Pflege eingesetzt werden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt einer Infoveranstaltung im Bayern-Lab in Nabburg. Dabei wird ein Praxistest des Marienheimes in Siegen vorgestellt.

Der Projektleiter der OTH, Matthias Schöberl, und die Leiterin des Bayern-Lab, Simone Hösl, hatten viel zum Thema Roboter zu erzählen.
von Richard AltmannProfil

Die OTH Amberg-Weiden kann in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Aus diesem Grund hat sie sich zu einer Vortragsreihe an 25 Orten entschlossen. Für den Termin im Bayern-Lab wurde ein interessantes Thema gewählt: Soll ein Roboter in der Pflege eingesetzt werden? Die Digitalisierung und der Einsatz von Maschinen halten in allen Lebensbereichen Einzug. In den Niederlanden und in Japan wird bereits in Seniorenheimen mit Pflegerobotern gearbeitet. Der Leiter des Seniorenzentrums "Marienheim" Siegen-Weidenau, Jörg Boeing, stellte in seinem Vortrag die Erfahrungen mit Robotern in der Pflege vor. Er beantwortete auch Fragen aus dem Publikum.

Die OTH Amberg-Weiden kann ebenfalls einen Pflegeroboter "Pepper" vorweisen. Seine Entwicklungsgeschichte und Funktion wurden vom zuständigen Projektleiter an der OTH, Matthias Schöberl, und von Simone Hösl, Leiterin des Bayern-Lab, vorgestellt.

Dann berichtete Jörg Boeing von seinen Erfahrungen mit "Pepper". Vor zwei Jahren trat die Hochschule Siegen an das Heim heran, um den Pflegeroboter "Pepper" zu testen. Dazu mussten zunächst einmal Heimbewohner gefunden werden, die sich daran beteiligen wollten. Es gab einige Meldungen, andere interessierten sich überhaupt nicht dafür. Mit den Interessierten wurde eine Gruppe gebildet. Das gesamte Einsatz des Computers wurde durch einen Professor und zwei Studenten begleitet. Der Roboter kam nicht in der individuellen Pflege zum Einsatz, es ging immer um Gruppenaktivitäten, beispielsweise ein "Oktoberfest", wo "Pepper" mit den Teilnehmern tanzte. Der Roboter wurde laut Boeing positiv von den Bewohnern aufgenommen. Sie zeigten sich nach einer gewissen Zeit vertraut mit ihm.

Boeing betonte, dass "Peppers" Einsatz "nach wie vor ein Projekt ist". Einen weitergehenden Einsatz sieht er momentan noch nicht, dazu müssten im Vorfeld viele ethische und rechtliche Fragen geklärt werden. Einer individuellen Pflege stehen diese Bedenken noch entgegen. "Pepper" kann so programmiert werden, dass er zu einem Bewohner auf das Zimmer geht und mit ihm kommuniziert. "Vielleicht sagt auch ein Bewohner mehr zu Pepper, als er zum Beispiel einem Pfleger sagen würde", konnte sich Boeing vorstellen. Der Roboter speichere die Daten, doch wer habe Zugriff? Hier gibt es datenschutzrechtliche Probleme, die im Vorfeld abgeklärt werden müssen.

Mit den ethischen und rechtlichen Fragen beschäftigt man sich bereits im Caritasverband. Für Heimleiter Boeing ist ein weitergehender Einsatz momentan nicht denkbar. Die Bedenken müssten ausgeräumt und eine klare Richtlinie vorgegeben werden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.