15.06.2019 - 00:01 Uhr
NabburgOberpfalz

Der Präsident für alle Fälle

Es beginnt mit einem Kleinbus und Fußballfahrten ins Olympiastadion. Aus dem kleinen Bus werden große, aus der kleinen Gruppe ein riesiger Verein. Bernd Hofmann ist längst Präsident des größten Bayern-Fanclubs der Welt. Heute wird er 70.

Bernd Hofmann (rechts) führt den Bayern-Fanclub seit dem ersten Tag und hat dabei gute Kontakte zur Vereinsführung aufgebaut. Dazu gehört es auch (wie erst kürzlich), sich mit dem Präsidenten Uli Hoeneß auf dem Bayern-Gelände an der Säbener Straße in München zu treffen.

Von Wilhelm Amann und Benjamin Tietz

Müsste man ehrenamtliches Engagement personifizieren, käme einem in der Region unweigerlich Bernd Hofmann in den Sinn. Die Liste seiner Tätigkeiten (Infokasten) ist schier endlos. Alleine in 26 Vereinen und Organisationen ist er Mitglied, in vielen davon in verantwortlicher Position. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien zu seinem heutigen 70. Geburtstag macht er klar, dass er noch lange nicht genug hat.

ONETZ: Sie waren Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, Zweiter Bürgermeister, sind Stadtrat und Fanclub-Präsident. Gibt es ein Amt, das sie gerne auch noch gehabt hätten?

Bernd Hofmann: (überlegt) Nein, ich glaube, ich habe sehr viel gemacht. Zum Beispiel war ich ja auch Elternbeiratsvorsitzender. Dann bin ich durch Otto (Zeitler; d. Red.) in die Politik geholt worden, wo ich mich dann engagiert habe – mit all den Querelen, die es gegeben hat als gebürtiger Schwarzenfelder. Angriffe habe ich aber immer gut weggesteckt. Ich habe auch jahrelang den Preisschafkopf der Polizeigewerkschaft und den Faschingsball organisiert. Ich glaube, es waren über 300 000 Euro, die wir als Erlös erwirtschaftet und gespendet haben. Das hat immer Freude gemacht, weil die ganze Familie mitgemacht hat. Wenn ich nur den Fanclub anschaue: Ohne meine Frau würde das überhaupt nicht funktionieren, weil sie 50 Prozent der Arbeit macht und ich mich nicht um alles kümmern muss.

ONETZ: Was ist Ihr Antrieb?

Bernd Hofmann: In meiner Tätigkeit als Personalratsvorsitzender habe ich in den letzten sechs Jahren in Amberg ein Geheft entwickelt mit dem Titel „Wie bereite ich mich auf den Ruhestand vor?“. Ich habe nämlich erlebt, mit welchen Problemen manche Kollegen zu kämpfen hatten. Sie gingen mit einer Riesenfreude in den Ruhestand und sind dann in ein tiefes Loch gefallen. Ich habe mir immer gesagt: ,Das passiert mir nie’. Es wird immer wieder etwas geben, wo ich mich einbringen und engagieren kann. Das Allerwichtigste für mich ist die Gesundheit – und so lange ich gesund bin und keiner sonst etwas dagegen hat, mache ich auch weiter. Lieber arbeite ich am Tag 20 Stunden, bevor ich irgendwo am Kanapee sitze und nicht weiß, was ich tun soll.

ONETZ: Hätten Sie sich vor knapp 30 Jahren, als der Fanclub gegründet wurde, träumen lassen, dass Sie schon ein paar Jahre später den größten der Welt leiten werden?

Bernd Hofmann: Überhaupt nicht. Wir haben den Fanclub mit 75 Mitgliedern gegründet – und dann ist das ganz langsam dahin geplätschert. Dann haben wir das Traumspiel gegen den FC Bayern bekommen (2008; d. Red.) – und damit ist das explodiert. Heute haben wir über 5700. Wir haben in unserer Satzung einen Passus, dass jedes 50. Mitglied geehrt wird. Wir dachten, das passiert uns alle paar Jahre mal. Jetzt hatten wir es teilweise fast 20mal in einem Jahr. Ich glaube, mit der Art, wie wir es machen, geben wir den Leuten das Gefühl, dass sie bei uns gut aufgehoben sind. Wenn wir nächste Woche 500 Mitglieder weniger haben und es funktioniert genauso gut oder besser, dann ist mir das lieber, als wenn wir drei mehr haben und es läuft nicht mehr. Wir wollen allen Leute die Gelegenheit geben, die gerne mal live ein Spiel im Stadion anschauen. Es macht auch Spaß, die Fahrten mit Kulturreisen zu verbinden. Ich hab dabei keinen Stress. Wenn ich Anderen eine Freude machen kann, dann ist das für mich kein Stress. Entstanden ist das, als ich vor 40 Jahren mit meinen Kindern und ihren Freunden im Kleinbus zum Fußballstadion nach München gefahren bin. Dann bin ich ja Fußballabteilungsleiter geworden, und die Fahrten wurden immer beliebter. So ist irgendwann daraus der Fanclub entstanden.

ONETZ: Sie haben mit Bayern schon soviel erlebt. Gibt es was, das in der Sammlung noch fehlt?

Bernd Hofmann: Wir haben alles gehabt. Immer live dabei, bis zum Weltpokal. Jede Reise ist allerdings was Neues. Wir schon fünfmal in Madrid, sechsmal in Barcelona und London. Wir machen gerne weiter. Da gibt es immer wieder neue Erlebnisse, auf die man sich freuen kann. Immer dranbleiben!

ONETZ: Können Sie sich vorstellen, dass Jürgen Klopp einmal Bayern-Trainer wird?

Bernd Hofmann: Im Sport ist alles möglich. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Klopp einmal Bayern-Trainer wird. Er hat sich mit diesem Champions-League-Sieg einen Namen auf absolut höchstem Niveau gemacht, und ich glaube, dass er irgendwann Trainer in München wird – auch wenn ich eigentlich Kovac-Fan bin. Der Mann hat in einer Umbruchphase zwei Titel geholt, das ist doch der Wahnsinn! Wir wissen ja: Sag niemals ’nie’ im Sport.

ONETZ: Wohin geht für Sie die Reise im europäischen Fußball?

Bernd Hofmann: Geld regiert auch hier die Welt, weil die Engländer leider Gottes alles kaputtmachen. Jeder, der gerade laufen kann, der wird für 40 Millionen nach England geholt – und dann muss man ihn für 80 Millionen wieder zurück kaufen. Das sind wahnsinnige Summen. Vermutlich kann man diese Entwicklung auch nicht mehr aufhalten. Man weiß nicht, wo es hingehen wird – ob das die Euro-League wird. So unrecht hat der Watzke (Geschäftsführer von Borussia Dortmund; d. Red.) gar nicht: Wir können uns schon ausklinken, aber dann machen die Europäer das halt ohne Deutschland. Generell wäre das aber nicht gut, weil es keine Deutsche Meisterschaft, keinen DFB-Pokal und keine Champions-League mehr gäbe. Wenn es so wird wie in Amerika, dass es nur noch Heimspiele für die Fans gibt, wäre das keine gute Entwicklung.

ONETZ: Ihre letzten Whatsapp-Nachrichten an uns kamen um 2.20 Uhr, um 3.38 Uhr und um 1.21 Uhr. Wann schlafen Sie eigentlich?

Bernd Hofmann: Ich habe 33 Jahre lang Nachtdienst gemacht. Der Schichtdienst hat mich bis heute geprägt. Ich brauche maximal drei bis vier Stunden Schlaf – die aber dafür konzentriert. Wenn ich um 3 oder 4 Uhr ins Bett gehe, kann ich um 7 oder halb 8 aufstehen, frühstücken, eine Walking-Runde gehen und dann bin ich wieder fit. Die Gefahr ist der richtige Umgang mit dem Handy. Ich bin ja schon einer, der auch immer hingeht, wenn er angerufen wird. Und ich hab 6000 Kontakte in meinem Handy, damit ich jedes Mal gleich sehe, wer dran ist.

ONETZ: Zur Politik: Einen konkreten Entschluss, ob Sie nächstes Jahr wieder kandidieren, haben Sie also noch nicht gefasst?

Bernd Hofmann: Wir werden uns demnächst zu Vorgesprächen treffen. Dabei werden wir uns hinsetzen und schauen, ob wir 20 passende Kandidaten haben. Wenn ich noch mitmache, lasse ich mich wieder hinten auf der Liste aufstellen. Ich sage aber auch: ,Wenn ihr schon 20 habt, habe ich auch kein Problem’. Ich muss nicht unbedingt im Stadtrat sein. Ich hab noch so viele andere Dinge in meinem Leben, wo ich sogar noch besser einsteigen könnte. Zum Beispiel bei der Leukämie-Hilfe oder beim Landestheater. Aber wenn’s gewünscht wird, lasse ich mich nochmal aufstellen. Es macht mir ja immer noch Spaß – auch nach inzwischen fast 36 Jahren.

ONETZ: Sie haben schon viele Beschlüsse im Stadtrat mit gefasst. Was fehlt, woran würden als Herzensanliegen Sie noch besonders gerne mitwirken?

Bernd Hofmann: Ich bin ja von der schwarzen Fraktion. Schön wäre es, wenn wir 2020 sagen könnten: Wir haben den Bürgermeister und die Mehrheit im Stadtrat und können was erreichen, während wir ja jetzt oft vergeblich kämpfen müssen. Das sehen wir ja gerade bei Vieregg-Rössler und dem Bahnübergang. In letzter Zeit sind etliche Entscheidungen am Bürger vorbei gefallen. Ich denke da zum Beispiel an den Bürgerentscheid zum Handelszentrum, wo am Ende ganz was anderes gemacht wurde als die Leute mit großer Mehrheit wollten. Oder an den Wohnpark an der Krankenhausstraße, wo ein ganzer Straßenzug dagegen ist, das aber nicht berücksichtigt wird. Es wäre ein schöner Ausstieg für mich, das alles in der nächsten Periode noch gut auf die Reihe zu bringen. Aber dazu werden wir im Herbst auch den passenden Bürgermeisterkandidaten präsentieren und ins Rennen schicken.

ONETZ: Welche Wünsche haben Sie zum 70. Geburtstag?

Bernd Hofmann: Da braucht sich gar nicht viel zu verändern. Dass ich gesund bleibe, dass ich noch viele Jahre dort, wo es gewünscht wird, mitarbeiten kann und dass mir noch ein paar Jahre mit meiner Familie geschenkt werden. Das sind meine größten Wünsche – und dass ich mit meiner Frau auf jeden Fall noch das 50. Hochzeitsjubiläum feiern kann, und wenn es das 60. wird, dann ist das natürlich auch in Ordnung. Sie war meine Tanzkurspartnerin, wir haben dann geheiratet und hernach jedes Mal das Klassentreffen organisiert. Man braucht kein Geld, man muss die Freude am Leben hochhalten können. Wenn ich mit dem, was ich mache, noch vielen Anderen Freude machen kann, dann kann ich mich irgendwann einmal beruhigt zurückziehen und sagen: ,Hat doch Spaß gemacht alles’.

Hintergrund:

Zur Person

Bernd Hofmann kam am 15. Juni 1949 in Schwarzenfeld zur Welt. Er ist seit 5. Mai 1973 verheiratet, hat zwei Söhne und eine Tochter und wohnt in Nabburg. Hier einige Stationen aus seinem beruflichen, gesellschaftlichen, sportlichen, politischen und kulturellen Engagement:

1968 kam Hofmann zur Polizei nach Nürnberg und wurde Ende 1974 nach Nabburg versetzt. Die letzten sechs Jahre von 2002 bis 2008 war er Personalratsvorsitzender der Polizeidirektion Amberg; seit dem 1. Juli 2008 ist er im Ruhestand.

Durch seine Kinder kam er zu einigen Posten. Er war insgesamt sechs Jahre Elternbeiratsvorsitzender im Kindergarten St. Angelus. Später war er jahrelang Elternbeiratsvorsitzender in der Volksschule, Elternbeirat in der Realschule und am Gymnasium und zuletzt zwei Jahre Elternbeiratsvorsitzender an der FOS in Schwandorf. Einige Jahre war er Mitglied im Nabburger Pfarrgemeinderat und rief dort das Ferienprogramm ins Leben, das heute der Bayern-Fanclub fortführt.

1979 übernahm er das Amt des GdP-(Gewerkschaft der Polizei) -Vorsitzenden in Nabburg. Von 1980 bis 2007 organisierte er in dieser Eigenschaft 28 Polizeibälle und im gleichen Zeitraum 24 große Preisschafkopfturniere und drei große Polizeifeste in der Nordgauhalle. Er ist seit 50 Jahre GdP-Mitglied und weiterhin Seniorenvertreter. Als Gründungsmitglied wurde Hofmann zum zweiten Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Nabburger Städtepartnerschaft mit Castillon la Bataille gewählt, was er mittlerweile seit 32 Jahren ist. Beim TV 1880 Nabburg war er 13 Jahre dessen Fußballabteilungsleiter. Aus dem kontinuierlichen Aufbau zur Verbindungen zum FC Bayern München entstand dann der offizielle Bayern-Fanclub Nabburg/Oberpfalz, vorher Fanclub TV Nabburg.

Von Anfang an führt er den Bayern-Fanclub mit aktuell 5702 Mitgliedern und jährlich bis zu 80 Veranstaltungen (Fahrten zu Fußballspielen, Biathlon und Zirkus, Ferienprogramm, Oktoberfest). Höhepunkte waren sicher das Traumspiel 2008, als die Profimannschaft des FCB gegen die Fanclub-Elf spielte, und das Chartern eines eigenen Fliegers mit 220 Fans zum CL-Finale nach Madrid. Wichtiger Bestandteil ist auch die Unterstützung der Schwächeren in der Gesellschaft. So werden jedes Jahr bis zu 100 Rollstuhlfahrer und deren Begleiter zu einem Fußballspiel in die Allianz-Arena und anderen Stadien eingeladen. Seit knapp drei Jahren ist Bernd Hofmann einer der Botschafter der Leukämiehilfe Ostbayerns.

1983 nahm ihn Otto Zeitler in die die CSU auf. Bereits 1984 wählten ihn die Bürger in den Stadtrat, dem er bis heute angehört (sechs Wahlperioden). Sechs Jahre durfte er die Stadt Nabburg auch als Zweiter Bürgermeister repräsentieren.

Nachdem 2010 das Landestheater Oberpfalz (jüngstes Landestheater Bayerns) gegründet wurde, entstand 2012 auch der Förderverein „Freunde des Landestheaters“, in dem Hofmann seit der Gründung als zweiter Vorsitzender mitarbeitet darf. Ein Jahr war er sogar Vorsitzender. Wichtigste Aufgabe hierbei ist es, Kultur und Theater von Vohenstrauß in die Oberpfalz hinauszutragen. In Nabburg wurden mit der Spitalkirche, dem Castillon-Saal und im Freilandmuseum Neusath/Perschen neue Spielstätten gefunden hat. Jede Woche singt Hofmann beim Buchtalchor. Er ist Mitglied in 26 Vereinen und Organisationen.

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