28.12.2018 - 16:15 Uhr
NabburgOberpfalz

Prognose für 2030: Deutlich mehr Züge am Tag zwischen Weiden und Schwandorf

Wenn die Bahnlinie Hof-Regensburg elektrifiziert wird, soll mehr Verkehr auf dieser wichtigen Verbindung laufen. Der Lärmschutz ist dabei wichtiges Thema. Eine Zugzahlen-Prognose des Bundesverkehrsministeriums gibt dafür die Grundlagen.

Wie viele Güterzüge werden künftig zwischen Hof und dem Bahnhof Schwandorf (Bild) unterwegs sein? Das Bundesverkehrsministerium hat dazu eine Prognose veröffentlicht, die allerdings einige Fragen aufwirft.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Mehr Güter auf die Schiene: Damit das funktioniert, müssen auch die Kapazitäten stimmen. Der Ostkorridor von Hamburg/Bremen über Magdeburg, Leipzig nach Hof und weiter Richtung Regensburg/München/Passau spielt in den Ausbauplänen von Politik und Bahn eine wichtige Rolle. Zwischen Hof und Regensburg klafft hier die Elektrifizierungslücke, die bis 2030 geschlossen werden soll.

Anlieger der Strecke setzen sich seit Bekanntwerden der Pläne dafür ein, dass nicht nur die Elektrifizierung kommt, sondern dieser Ausbau auch mit den entsprechenden Lärmschutzmaßnahmen flankiert wird. Das hat der Bund zugesagt. Welche Lärmvorsorge getroffen werden muss, hängt entscheidend von der Entwicklung der Zugzahlen ab. Und die werden erheblich steigen. Um wie viel, das blieb lange im Dunkeln. Im September sollten die Prognosen vorliegen. Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier (CSU) hat nach einer Anfrage der Oberpfalz-Medien im Ministerium nachgebohrt.

Weniger als aktuell?

Mit Erfolg. Zumindest teilweise. Denn die vorliegende Zugzahlenprognose für das Jahr 2030 wirft weitere Fragen auf. In der Tabelle, die die "Abteilung Grundsatzangelegenheiten" dem Abgeordneten zuleitete, werden beispielsweise 56 Personenzüge angegeben, die pro Tag zwischen Weiden und Irrenlohe (hier zweigt die Strecke nach Amberg/Nürnberg ab) unterwegs sein sollen. Das wären weniger als aktuell, denn derzeit fahren wochentags deutlich über 60 Personenzüge im Nahverkehr (hin und zurück) zwischen Schwandorf und Weiden. Weniger Personenzüge als momentan? Das kann kaum sein, meinte auch Holmeier auf Nachfrage der Redaktion. Schließlich soll künftig auch wieder Fernverkehr über die Gleise rollen. Seine erneute Anfrage im Verkehrsministerium brachte noch keine endgültige Antwort: Auch in Berlin sind Ferien. Immerhin so viel: Die Zahl 56 - um beim dem Streckenabschnitt Weiden-Schwandorf zu bleiben - könnte sich nur auf den Fernverkehr beziehen. Selbst wenn der Nahverkehr bis 2030 nicht ausgebaut würde, wäre das also etwa eine Verdoppelung der Zugzahlen. Die Auflösung der Frage soll es Anfang Januar geben.

Dazu kommen laut der vorliegenden Tabelle auf dieser Strecke 51 Güterzüge. Aktuell fahren pro Tag zwischen Weiden und Schwandorf rund 10 bis 15 Güterzüge durch Nabburg, hat die dortige Bürgerinitiative Bahnlärm ermittelt. Die genauen, aktuellen Zahlen konnte das Verkehrsministerium trotz mehrfacher Anfragen der Redaktion bislang nicht liefern.

Mehr Güterzüge

Besonders die Steigerung des Güterverkehrs treibt die Bürgerinitiative Bahnlärm Nabburg um. Ihr Sprecher Anton Schopper ist zwar auch grundsätzlich dafür, mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Aber nur, wenn der entsprechende Lärmschutz stimmt. Denn die Güterzüge würden, - so Schoppers Einschätzung - wie bereits jetzt überwiegend nachts unterwegs sein, weil tagsüber die engen Takte des Personenverkehrs kaum Lücken lassen. Außerdem sind Güterzüge lauter unterwegs. "Mir erscheint die Prognose immer noch relativ niedrig", befürchtet Schopper sogar noch eine höhere Frequenz von Güterzügen. Seiner Meinung nach können dank digitaler Technik Züge künftig in viel geringeren Abständen fahren als jetzt.

Nach der Prognose wird sich der Lärmschutz richten, der nach den Grundlagen der "Lärmvorsorge" gebaut werden wird. So jedenfalls das Versprechen der Politik und der Bahn, die derzeit die Grundlagen dafür ermittelt. Ohne Einhausung, befürchtet Schopper, werden in Nabburg die Anlieger deutlich höher und auch mehr Anwohner belastet als bisher.

"Wir werden die Zahlen genau abklopfen", kündigte Schopper an, der im Januar an der zweiten Sitzung des Koordinierungsrates für das Projekt teilnehmen wird. Die Lärmvorsorge müsse auf reellen Zahlen beruhen. Der Lärmschutz ist nicht nur in Nabburg Thema. Der zusätzliche Verkehr trifft natürlich auch die weiteren Kommunen an der Strecke. Ob in Wernberg-Köblitz, Pfreimd, Stulln oder Schwarzenfeld: Überall liegen Wohngebiete nahe an den Gleisen. Zwischen Irrenlohe und Schwandorf kommt dann noch der Verkehr aus und in Richtung Amberg hinzu. Weiter nach Regensburg werden die Zahlen wohl mindestens in ähnlichem Umfang wachsen.

Verfassungsklage:

Analyseverfahren umstritten

Die Bundesvereinigung gegen Schienenlärm e.V. hat indes einen juristischen Generalangriff gegen die gesetzlichen Regelungen zum Schutz vor Schienenlärm gestartet und bereits im Mai eine Verfassungsbeschwerde eingelegt. Nach Auffassung der Bundesvereinigung ist schon das Analyseverfahren für die Abschätzung von Gesundheitsgefahren durch Schienenlärm fehlerhaft. Zum Beispiel, weil Schallpegel über längere Zeiträume gemittelt werden, und keine Maximalpegel berücksichtigen. Es sei "offensichtlich, dass der Mensch nicht von einem theoretisch festgelegten ,Dauerschallmittelungspegel' aufwacht, sondern stets von dem einzelnen Lärmereignis", heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Bundesvereinigung.

Alle acht Minuten:

Übergänge nicht mehr nutzbar?

Neben dem Lärmschutz treibt die Initiative in Nabburg noch ein weiteres Thema um: Selbst wenn der beschrankte Übergang in Nabburg mit der geplanten Überführung beseitigt wird, was wird aus den Übergängen am Ledermühlweg und in Haindorf? Bei den prognostizierten Zahlen wären diese wohl kaum mehr nutzbar. Dann würde im Schnitt alle 8 bis 9 Minuten ein Zug über die Strecke donnern. Weiter im Süden dürfte diese Frage auch noch aufgeworfen werden: Im Schwandorfer Stadtteil Klardorf trennt ein beschrankter Bahnübergang nicht nur eine Siedlung vom Dorf, sondern auch die Verbindung Richtung Autobahnanschluss Schwandorf-Süd.

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