Im Sommer herrschte noch Zuversicht. Im Stadtrat war man davon ausgegangen, dass der Nikolausmarkt im Dezember unter Auflagen stattfinden kann. Deswegen gab es da noch grünes Licht für die weiteren Planungen und Vorbereitungen. Doch nun steht die Ampel auf Rot.
"Schweren Herzens müssen wir den Markt absagen", informierte Bürgermeister Frank Zeitler in dieser Woche den Stadtrat. Das Landratsamt habe erhebliche Bedenken gegen den Veranstaltungsort in der Venedig angemeldet. Eine Verlegung auf den Oberen Markt sei unter den bestehenden und zu erwartenden Auflagen auch sehr schwierig. Zudem halte sich mittlerweile die Euphorie bei den Organisatoren und Helfern in Grenzen.
Über eine weitere Absage galt es, in der Sitzung noch zu beraten, zumal hier auch Entschädigungsaufwand im Raum stand: Was soll mit dem Stadtball werden, der bereits auf den 9. Januar 2021 terminiert und für den erneut die renommierte Klaus-Hörmann-Band verpflichtet worden war? Nach aktuellem Stand müsste die Gästezahl auf 200 oder gar 100 beschränkt werden. Feste Platzzuweisungen, fixes Tanzkaree je Paar, kein Barbetrieb, Abstandsregeln und Mundschutz wären weitere mögliche Bedingungen. Zusammen mit der Faschingsgesellschaft bestehen laut Bürgermeister gravierende Bedenken, ob ein Ablauf in dieser Corona-gerechten Form überhaupt möglich wäre. Die FG würde zwar für den Ball zur Verfügung stehen. Ihr geplantes Motto habe sie jedoch vorsorglich bereits auf 2021/22 ausgerichtet, weil es momentan nur reduzierte Probemöglichkeiten gebe.
Massive Probleme sehe auch Bandleader Klaus Hörmann. Er habe zwar zunächst am Telefon einer kostenfreien Stornierung des Auftritts zugestimmt, das dann aber nach Rücksprache mit seinen Kollegen zurückgenommen. Die Berufsmusiker seien inzwischen auf Hartz-IV angewiesen, weshalb man auf die Gage nicht komplett verzichten könne, sagte er. Hörmann habe angeboten, bei einer vorzeitigen Absage nur eine Stornogebühr in Höhe von 30 Prozent (1020 Euro) zu verlangen, obwohl laut Vertrag die vollen 100 Prozent fällig würden.
Somit stand der Stadtrat vor der Frage: Den Ball bereits jetzt gleich absagen, so dass nur diese Stornokosten, aber kein weiterer finanzieller Aufwand für Planung und Werbung anfiele - oder die Planungen hinauszögern und abwarten, ob von Behördenseite noch ein Verbot von Veranstaltungen in dieser Größenordnung folgt, was dann gewöhnlich Stornierungen ohne Kosten ermöglichen würde? Sollte sich die Stadt später - ohne explizite Forderung des Landratsamtes - zu einer Absage entschließen, könnten die Stornokosten allerdings zu 100 Prozent verlangt werden.
Ohne Diskussion zog der Stadtrat bereits jetzt einstimmig die Reißleine. Er entschied sich, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen und den Ball abzusagen.















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