28.01.2019 - 14:52 Uhr
NabburgOberpfalz

Rückschnitt mit mehr Gefühl

"Tabula rasa" am Straßenrand: Der teils radikale Rückschnitt vom Gebüsch, Hecken und Bäumen entlang der Straßen muss nicht sein, fordert der Bund Naturschutz. Vorsitzender Klaus Pöhler hat sich an die Verantwortlichen gewandt.

Nicht nur Spatzen fühlen sich in Hecken wohl, auch viele andere Vögel, Insekten und Kleinsäuger.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Beschwerden tauchen regelmäßig im Frühjahr auf: Warum werden Gebüsch, Hecken und Bäume entlang der Straßen so radikal gestutzt? Auch in der Geschäftsstelle des Bund Naturschutz (BN) in Nabburg melden sich immer wieder Bürger und fordern ein Einschreiten. "Uns sind scheinbar die Hände gebunden, weil sich die Verantwortlichen auf die Verkehrssicherungspflicht berufen", sagt Klaus Pöhler. Der BN-Kreisvorsitzende hat sich deshalb jetzt an Kommunen und Behörden gewandt und fordert, mehr Rücksicht walten zu lassen.

"Das Straßenbegleitgrün ist eine wichtige Vernetzung zwischen Lebensräumen", betont Pöhlers Stellvertreter, Arnold Kimmerl. In den landwirtschaftlichen Flächen stehen immer weniger Hecken und Bäume. Da wird der Straßenrand zur Oase, und zu "Trittsteinen" zwischen größeren Biotopen. Gedüngt und gespritzt wird am Straßenrand auch nicht. Insekten, Eidechsen, Amphibien, Kleinsäuger wie Mäuse und natürlich Vögel finden hier Deckung und Lebensräume.

Gegen eine fachgerechte Pflege der Grünstreifen haben die beiden pensionierten Förster nichts einzuwenden. Allerdings werde durch den vermehrten Maschineneinsatz immer öfter auf langen Strecken "Tabula rasa" gemacht, teilweise sogar bis in den Boden gemulcht. "Da kommt dann nichts mehr", sagt Pöhler. Ökologisch sinnvoll wäre es, beispielsweise Hecken abschnittsweise - also etwa 20 bis 30 Meter - auf etwa einen Meter zurück zu stutzen oder auf den Stock zu setzen - also knapp über dem Boden zu kappen. Dann wächst das Gebüsch wieder nach. 20 bis 30 Meter sind die Entfernung, die kleine Tiere noch ohne Schutz überqueren.

Auch das häufige Mulchen der Straßenränder sei nicht im Sinne der Ökologie, so Pöhler. Dadurch bleibt düngendes Altmaterial liegen. Dabei wäre ein aushungern der Flächen sinnvoller: Auf mageren Flächen ist die Pflanzenvielfalt größer, haben Wildkräuter die Chance, zu wachsen. Alle zwei Jahre zu mulchen, wäre laut Pöhler in Ordnung. Und über den Winter sollten Samenstände stehen bleiben.

Der Radikalschnitt habe in den vergangenen zehn Jahren rapide zugenommen, hat Pöhler beobachtet. Der Maschineneinsatz sei natürlich für die verantwortlichen Straßenbaulastträger eine Kostenfrage. "Aus der Wirtschaftlichkeit heraus rechnet sich das. Ökologisch ist das desaströs", sagte Pöhler im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien. Der Bewuchs entlang der Straßen sei nicht nur als Lebensraum wichtig, sondern wirke auch als Lärmschutz und als Luftfilter.

"Wir wollen, dass die Behörden wieder etwas aufmerksamer werden", sagt Pöhler. In einem Rundbrief hat der BN seine Mitglieder aufgefordert, besonders radikale "Rückschnitte" zu melden. Denn derzeit laufen wieder die Maßnahmen, die wegen der Vogelbrut bis Ende Februar abgeschlossen sein sollten. "Wir werden die Behörden damit konfrontieren", betont Pöhler. Der BN bittet die zuständigen Behörden, den Aufgaben "mit Einfühlungsvermögen, Umsicht und Sachverstand" nachzukommen. Dazu gehöre, dass die Mitarbeiter der beauftragten Firmen entsprechend geschult würden.

Der Schutz der Artenvielfalt ist natürlich mit dem Straßenbegleitgrün nicht getan. Deshalb unterstützt der BN auch das laufende Volksbegehren "Rettet die Bienen". Ein Ziel des Begehrens ist die stärkere Vernetzung von Biotopen, dazu dienen Hecken und Gebüsch entlang der Straßen auch. Der BN hat die Eintragungszeiten in den 33 Gemeinden des Landkreises zusammengetragen und auf seiner Homepage (www.schwandorf.bund-naturschutz.de) veröffentlicht.

Die Vorsitzenden des Bund Naturschutz, Klaus Pöhler (links) und Arnold Kimmerl appellieren an die Behörden, beim Schnitt des Straßenbegleitgrüns vorsichtiger zu Werke zu gehen.
Nach sieben Jahren hat sich die Hecke teils erholt. Auf dem Stück zwischen den beiden Bäumen in der Bildmitte ist der Aufwuchs aber auch nach so langer Zeit spärlich.
Radikale Schnitte wie hier vor einigen Jahren nahe Höflarn (Stadt Nabburg) sollen möglichst verhindert werden.

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