Die Idee stammt von Nabburgs Bürgermeister Armin Schärtl, zugleich Vorsitzender des Fördervereins Oberpfälzisches Bauernmuseum. Er hat ein Faible für Historie und erzählt, dass in früheren Zeiten die Haindorfer Kinder mit der Zille nach Perschen übersetzten, um hier die Schule zu besuchen. Auch Särge nahmen den Weg zum Perschener Friedhof über die Naab und einer der letzten Zillen-Fischer war der "Fischjackl". Warum sollten die Zillenfahrten nicht als Touristenattraktion wieder aufleben? Fremdenverkehrsverein, die Arbeitsgemeinschaft der Gästeführer, das Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald - alle waren gleich im Boot, um das schöne Fleckchen Erde rund um das Bauernmuseum aufzuwerten.
Doch von der Idee zur Realisierung war es ein langer Weg. Er fand sein Ende, als nun am neuen "Anlegestrand" die beiden in Oberösterreich gefertigten Zillen getauft werden konnten. Zur Feier des Tages waren Vertreter des Bezirks- und Stadtrats gekommen, stellvertretender Landrat Jakob Scharf, die Leiterin des Freilandmuseums Neusath-Perschen, Birgit Angerer und ihr künftiger Nachfolger Tobias Hammerl, die Leiterin des Tourismuszentrums, Alexandra Beier, sowie der frühere Kreisheimatpfleger für Archäologie, Ernst Thomann.
Armin Schärtl, der Vorsitzende des Museumsvereins, war selbst davon überrascht worden, was es alles zu beachten gab, bis die Zillen zu Wasser gelassen werden konnten. Ein siebenseitiges Schreiben mit Auflagen war zu erfüllen, das schon teils kabarettistische Züge trug. Dank Leader - einem EU-Topf - flossen 40 Prozent Fördermittel für die knapp 17 000 Euro kostenden Zillen. Den Rest übernahm der Museumsverein. Alles in allem beliefen sich die Kosten auf rund 20 000 Euro.
Und wer transportiert die Gäste? Momentan umfasst das Team fünf Personen, inklusive Bürgermeister. Es laufen noch Gespräche mit dem Paddelclub, um die Zillenfahrer zu verstärken. Sie hatten eine dreistündige Führerscheinprüfung zu absolvieren: Theorie und Praxis mit TÜV- Abnahme. Auf dieser Basis können nach der Winterpause des Museums im Frühjahr die Zillenfahrten starten.
Herbert Huber hatte für die Jungfernfahrt schon fleißig trainiert. Staken mit dem Stechruder will gelernt sein, muss doch das Boot bewegt und zugleich auf Kurs gehalten werden. Die beiden Namensgeberinnen, Birgit Angerer und Alexandra Beier, tauften die Zillen dann schwungvoll mit Sekt. Für Birgit Angerer, eine gebürtige Hamburgerin, ging mit der "Schiffstaufe" ausgerechnet in der Oberpfalz ein kleiner Herzenswunsch in Erfüllung. Herbert Huber legte mit dem Gästen ab zur Jungfernfahrt und die Musiker, die sich "Alte Freind" nennen, liebäugelten schon damit, sich in "Zillen-Musikanten" umzubenennen.
Auf jeder Zille haben 12 bis 14 Personen Platz. Mit rund 1000 Kilo kann jede der 7,50 Meter langen und zwei Meter breiten Zille beladen werden. Geplant ist eine etwa eineinhalbstündige Tour vom Museum bis zur Wiesmühle und zurück. Irene Ehemann stellte das Paket vor, dass geschnürt werden soll. Es gibt viel zu sehen und zu erzählen - von den Sühnekreuzen, der Wiesmühle und der Ledermühle an der Naab, die vor 1546 noch "Nabas" hieß. Es gibt Geschichten über das alte Schulhaus und das alte Freibad, Interessantes über die Tierwelt auf der Vogelinsel und liebenswerte Märchen: Vom Bärenfräulein und vom Daumenniggl. Nach einer Führung durch das Bauernmuseum klingt die Tour im Brotzeitstüberl aus.
Die Zillen wurden im Traditionsbetrieb von Anton Witti in Freizell (Oberösterreich) gefertigt. Ursprünglich benutzte man getrocknete Fichtenbretter für die Außenhaut. Die Stöße wurden mit Wiesenmoos abgedichtet. Die gewachsenen Kipfen aus dem Stamm und den Ästen der Kiefer dienten als Querverstärkung. Heute benutzt man verleimte Dreischichtplatten aus Fichten oder Lärchenholz. Sie werden mit verleimten Lärchen-spanten versehen und mit Epoxidharz wasserfest gemacht. Jeder Zille ist eine Einzelanfertigung.














Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.