15.02.2019 - 17:01 Uhr
NabburgOberpfalz

Sittenstrolch muss hinter Gitter

Nach sexuellem Missbrauch eines Kindes: Ein 56-Jähriger erhält vom Gericht, das ihn zu 22 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die Quittung.

Für einen 56-jährigen Sexualstraftäter konnte es kein mildes Urteil geben.
von Autor HWOProfil

Der Mann geht durch Schwandorf, belästigt ein Kind und macht der zehn Jahre alten Schülerin sexuelle Angebote. Das Mädchen erzählt seiner Mutter davon. Dann beginnt eine Polizeifahndung. Der 56-Jährige wird festgenommen und kommt in U-Haft.

Er legte sich auf die Lauer und wartete, bis eine Zehnjährige in der Innenstadt ihren Schulweg antrat. Dann sprach er das Kind an, mehrfach. Die Schülerin war irritiert. Einmal hielt der zunächst Unbekannte eine Bierflasche in der Hand. Sie fiel auf den Asphalt und zerbrach. Splitter fügten dem Mädchen eine Verletzung am Bein zu. Der Mann scheute auch nicht vor sexuellen Angeboten zurück. Er wollte Intimitäten, zog die Schülerin am Arm, brachte sie zu Fall. Das Kind schrie laut, lief davon und offenbarte sich seiner Mutter. Die Frau begann eine Suche nach dem Sittenstrolch, sah ihn und wurde beleidigt. Dann ging sie zusammen mit ihrer Tochter zur Polizei, erstattete Anzeige und löste eine Fahndung aus. Zwei Tage später führte sie zum Erfolg.

Nicht mehr frei lassen

Eine Situation, die zur Sorge Anlass geben musste. Aus seiner Zelle wurde der verheiratete und unter Betreuung stehende Mann nun vor die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg geführt. Sie hatte den Fall übernommen, weil dem Angeklagten unter Umständen eine dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie drohte. Dem Opfer blieb eine Vernehmung vor der Strafkammer erspart. Denn der 56-Jährige legte bereits zu Beginn des Prozesses ein Geständnis ab. Allerdings ließen sich die Richter eine von der Kriminalpolizei veranlasste Videobefragung des Kindes vorspielen. Dabei zeigte sich: Das von dem ihm unbekannten Mann belästigte Mädchen reagierte clever. Es schilderte detailliert, wie es in ordinärer und ekelhafter Weise in der Gossensprache angegangen wurde.

Die Verhandlung offenbarte, dass es sich bei dem Angeklagten um einen Alkoholiker handelt, der wegen seiner Trunksucht nach über zwei Jahrzehnten Beschäftigung von seinem Arbeitgeber entlassen worden war. "Ich hatte immer mein Quantum", erzählte er der Strafkammer. Doch die Kündigung habe ihm von heute auf morgen vollkommen den Boden unter den Füßen weggezogen. Wichtig für die Einordnung war: Kriminalbeamte hatten den 56-Jährigen im Sommer letzten Jahres nach seinen Motiven befragt. Dabei äußerte er sinngemäß, dass es ihm durchaus recht gewesen wäre, wenn sich sein auf der Straße angesprochenes Opfer auf Intimitäten eingelassen hätte. "Das war erkennbar sein Ernst", berichtete einer der Fahnder.

Zugleich auf Entzug

Musste man den Täter dauerhaft in der Forensik unterbringen? Die Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber verneinte diese Frage. Doch angesichts der Sachlage verbot es sich, den Mann auf freien Fuß zu setzen. Das hätte Verteidigerin Sarah Nißl mit ihrem Antrag auf zehn Monate Haft zur Bewährung gerne gesehen. Doch dagegen stand die Forderung von Staatsanwältin Barbara Tutsch, die zwei Jahre und zwei Monate Haft "ohne" für den sexuellen Missbrauch verlangte. Die Richter verhängten ein Jahr und zehn Monate Gefängnis, Sie sahen keinen Anlass zur Bewährung und schickten den 56-Jährigen parallel dazu in eine geschlossene Alkoholtherapie.

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