20.02.2020 - 09:57 Uhr
NabburgOberpfalz

Starke Bande seit Jahrhunderten

Nabburg steigt im 11. und 12. Jahrhundert zu einer bedeutenden Markgrafen-Residenz auf und pflegt beste Verbindungen zu Böhmen. Diese Freundschaft findet heute Ausdruck in einer Städtepartnerschaft.

Das Pflegschloss in Nabburg wurde im 16. Jahrhundert erbaut und ab 1750 umgebaut.
von Rainer ChristophProfil

Nabburg im Tal der Naab lag an einem Zweig der Magdeburger Straße, von Regensburg her kommend, zur Ostsee. In Weiden kreuzte sich die Altstraße mit der Goldenen Straße in Richtung Nürnberg und Prag. Erstmals erwähnt wird Nabburg im Jahr 929. Es erlebte während des 11. und 12. Jahrhunderts den Aufstieg zu einer bedeutenden Markgrafen-Residenz.

Auf der Reichsveste Nabburg tritt 1118 mit einem Ludewicus de Napurch erstmals das Ministerialen-Geschlecht der Nabburger auf. Dieser Ludewicus wird in einer Reichenbacher Tradition durch Markgraf Diepold III. ausdrücklich als dessen Dienstmann bezeichnet. Er erscheint in dieser Eigenschaft bis 1135 in den Urkunden des Klosters Reichenbach.

1125 wird ebenfalls als Ministeriale des Markgrafen Diepold III. ein Reginbot von Nabburg bei der Übergabe des Gutes Steinbach genannt. Dieser Reinboto von Nabburg, in dieser Zeit Abt im Kloster Reichenbach, nahm für den Markgrafen die Übergabe des Gutes Ober- und Unterasbach (heute Ortsteile von Gunzenhausen am linken Altmühl-Ufer) der Herzogin Richza (Richenza) von Böhmen an das Kloster vor. Richenza von Berg in der Nähe von Zwiefalten in Württemberg war die Gattin des Premysliden-Fürsten Vlatislav I.. Beide sind die Stifter des Klosters Kladrau. 2015 wurde das 900. Jubiläum des Klosters gefeiert. Markgraf Diepold war ihr Onkel. Als ihr Mann starb, machte sie sich hochschwanger auf den Weg in ihre Heimat. Anlaufstation war das Kloster Reichenbach.

Ob bei der gotischen Pfarrkirche St. Johannes, deren Bauzeit mit der des Regensburger Domes zusammenfällt, auch böhmische Baumeister mitwirkten, ist nicht festgehalten. Eines ist gesichert: Von 1290 bis etwa 1350 arbeiteten in Nabburg Baumeister und Steinmetze, die dem Stil nach unverkennbar aus der Regensburger Dombauschule kamen. Im Regensburger Dom sind in etlichen Steinen Steinmetzzeichen aus der Parlerschule zu sehen. Ganz abwegig wäre es nicht. Immerhin gehört St. Johannes damit zu den bedeutendsten gotischen Bauten Nordbayerns.

Heutzutage führt der Bayerisch-Böhmische Freundschafts-Radweg mit einer Strecke von 32 Kilometer von Nabburg nach Horsovský Týn (Bischofteinitz). Eine bedeutende Brücke nach Böhmen ist die seit dem Jahr 2004 bestehende Städtepartnerschaft Nabburg mit Horsovský Týn in Böhmen. Die Stadt mit dem stolzen Renaissance-Schloss am Fluss Radbuza im südwestlichen Teil des Pilsener Bezirks blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Einer der wichtigsten Gründungsväter der Städtepartnerschaft ist der ehemalige 3. Bürgermeister von Nabburg, Josef Götz. Bis zum heutigen Tag engagiert er sich für diese Aufgabe, unterstützt von Bürgermeister Armin Schärtl. Auch die Realschule Nabburg betreibt eine aktive Partnerschaft mit der Schule in Horsovský Týn.

Partnerschaftstreffen, gemeinsame Ausstellungen und Konzerte und Besuche bei den Stadtfesten sind alljährlich fest im Programm beider Städte verankert, zum Beispiel zum St. Anna-Fest im Juli in Horsovský Týn. 2017 erschien ein Kalender auf Tschechisch und Deutsch, der die Gemeinsamkeiten durch Fotos unterstrich. 2018 benannte die böhmische Stadt ihren neu gestalteten Park nach der Partnerstadt in der Oberpfalz.

Mit den Jahren entstand ein starkes kulturelles, sportliches und touristisches Band. Freundschaften entwickelten sich zwischen den Menschen, aber auch zwischen Vereinen und den Feuerwehren beider Orte.

Ob bei der gotischen Pfarrkirche St. Johannes, deren Bauzeit mit der des Regensburger Domes zusammenfällt, auch böhmische Baumeister mitwirkten, ist nicht festgehalten.
Gelebte Partnerschaft zwischen Nabburg und Horšovský Týn (von links): Josef Götz, Ludek Thomayer sowie die Bürgermeister Armin Schärtl und Josef Holecek.
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