Sabine Sorgenfrei weiß, wie es ist, wenn einem der Garten über den Kopf wächst. "Nach dem Tod meines Mannes war ich richtig verzweifelt. Die Sträucher an der Terrasse waren viel zu hoch, genauso die Blautannen neben dem Haus", erzählt die 51-Jährige. Die Fläche an ihrem Reihenhaus im Nabburger Ortsteil Diendorf war zwar nicht groß, aber sie bedeutete doch viel Arbeit. Sabine Sorgenfrei entschied sich für einen radikalen Schnitt. Seither hat sie Gräser, Hortensien, Lavendel und Clematis mit der Heckenschere gut im Griff. Und sogar der Wilde Wein darf seinen Platz an der Garagenwand behalten.
"So eine Steinwüste, das wäre für mich nie infrage gekommen", meint die Nabburgerin, die mit "Schotter pur" auch schon vor dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" nicht viel anfangen konnte .Ein Blick in so manches Neubaugebiet offenbart da andere Trends. Doch spätestens seit dem Artenschutz-Volksbegehren sind die "Steinwüsten" in Verruf gekommen.
Vor kurzem hat auch der Ministerrat reagiert: Städte und Gemeinden haben nun die Möglichkeit, über die bayerische Bauordnung, solche vegetationsfrei gekieste oder gepflasterte Vorgärten per kommunaler Satzung zu verbieten, falls diese nicht als Stellplatz genutzt werden. Rückwirkend ist das nicht möglich, "die aktuellen Pläne können aber überarbeitet werden", teilt der stellvertretende Pressesprecher am Landratsamt, Franz Pfeffer, auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit.
"Die Verlockung des Steins ist unübersehbar", hat auch Pfeffer festgestellt. Dabei habe es jeder in der Hand, selbst einen Beitrag zum Artenschutz zu leisten, statt mit dem Finger auf die Landwirte zu zeigen. Den Kommunen komme da eine Schlüsselrolle zu. Allerdings werde die Einhaltung der Bauleitplanung nicht überall konsequent verfolgt: "Beim Punkt Grünordnung steht oft viel mehr drin, als man hinterher erkennen kann", gibt er zu bedenken, "aber man kann den Gartenbesitzern auch nicht an jeder Ecke hinterherlaufen".
Dem Alltag geschuldet
Außerdem sei mancher Steingarten keineswegs dem Modetrend, sondern der Alltagsrealität geschuldet. "Wenn ein teures Haus gebaut wird, müssen oft zwei Menschen dafür arbeiten", merkt der Pressesprecher an. Andere haben im Ruhestand nicht mehr die Kraft, die Flut an Ästen und Blättern zu bewältigen. "Tatsächlich ist so ein Steingarten ein großes Diskussionsthema bei den Gartenbauvereinen", so Pfeffer. Das bestätigt auch Heidi Schmid, Fachberaterin am Kreisgartenamt, die keineswegs mit allen steinigen Varianten im Garten auf Kriegsfuß steht. "Echte Kiesgärten können ökologisch sehr wertvoll sein", ist sie überzeugt. Hier würden Überlebenskünstler gedeihen mit tiefen Wurzeln aber auch Blütenpflanzen, die den Insekten etwas bringen. Allerdings müsse das Substrat passen. Anders sieht es nach Ansicht von Schmid mit der reinen "Schotter-Schüttung" aus. "Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass man keine Arbeit hat, wenn man keine Erde sieht", stellt sie klar. Irgendwann komme durch Humus-Eintrag auch dort das Unkraut durch, und dann sei die Fläche viel schwieriger zu pflegen als ein offenes Areal. Liegt die "Steinwüste" dann auch noch schattig, drohen Moos und Algen. "Dann kommt womöglich die chemische Keule zum Einsatz", befürchtet die Fachfrau.
Lohnender Umbau
Sabine Sorgenfrei braucht keine Chemie. Vor dem Winter muss sie lediglich die Gräser zusammenbinden, im Frühjahr mal mit der Schere durch den Garten gehen. Die großen Sträucher, die viel zu nah an der Terrasse wurzelten, sind weg. Stattdessen sammeln ausgefallene Hortensien-Arten Kraft für die nächste Blüte - und die Gartenbesitzerin spart Kraft für den Alltag. "Die Investition hat sich gelohnt", zieht Sabine Sorgenfrei Bilanz: "Ich bin glücklich mit meinem Garten, jetzt ist er nicht länger ein Ballast."
Pflegeleichter Garten
Das Kreisgartenamt am Landratsamt in Schwandorf hat jede Menge Tipps für einen pflegeleichten Garten auf Lager, inklusive Merkblatt vom Landesverband. Fachberaterin Heid Schmid rät grundsätzlich zu Gehölzen, die man nicht viel schneiden muss. Ideal seien auch mehrjährige Stauden. Einjährige Pflanzen würden erfahrungsgemäß am meisten Arbeit machen, allerdings könne ein kleines Beet im Vorgarten auch ein schöner Willkommensgruß sein. Oft reiche es auch schon, nicht regelmäßig zu mähen, beispielsweise unter Obstbäumen, damit sich Blüten entwickeln. Keineswegs ausgedient hat nach Erfahrung von Schmid im Übrigen der Gemüsegarten. "Gerade bei jungen Familien ist das Gemüse aus eigenem Anbau sehr beliebt, der Klassiker ist da das Hochbeet", weiß die Expertin. Statt eines großen Selbstversorger-Gartens gehe es aber eher um den Anbau von alten Sorten oder Kräutern.
Wer sich für einen Garten mit Artenschutz interessiert, kann sich bei den Fachberatern am Landratsamt informieren. Heidi Schmid: Telefon 09431/ 471168; Petra Schmid: Telefon 471424; Wolfgang Grosser: Telefon 471425.














Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.