19.02.2020 - 11:14 Uhr
NabburgOberpfalz

Storchenjahr startet: "Wilde Mischung" im Anflug

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Es klappert wieder im Landkreis, denn Singles und Paare belegen bereits einzelne Horste. LBV-Expertin Oda Wieding sieht einen Trend zum "Winterurlaub in Spanien". Karl Beer schaut derweil noch besorgt gen Himmel.

In einigen Orten im Landkreis sind die Störche schon da. Der Frühling ist zwar noch etwas milder als im Vorjahr, doch die Ankunftszeiten ähneln sich. Das liegt auch an der Wahl des Winterquartiers.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Als die Störche noch alle in Afrika überwinterten, war es üblich, dass die männlichen Tiere mindestens eine Woche früher in der Oberpfalz ankamen. „Die Damen setzten sich dann ins gemachte Nest“, erzählt Karl Beer augenzwinkernd von früheren Zeiten. Der Nabburger Stadtrat ist langjähriger „Storchenvater“. Er beobachtet seit einigen Jahren eine Veränderung bei den familiären Gepflogenheiten der Adebars. So auch in Perschen: Seit letzter Woche ist der Horst auf dem Kirchturm mit einem Pärchen besetzt. Beer rechnet stark damit, dass es sich um die Störche vom letzten Jahr handelt: „Die kennen sich hier bestens aus. Sie waren innerhalb kürzester Zeit auf Futtersuche am Haindorfer Weiher unterwegs.“

Der Horst auf der Friedhofskirche in Nabburg war dagegen am 17. Februar noch verwaist. Beer zeigte sich zuversichtlich, dass sich das in Kürze ändert: „Im vergangen Jahr flogen sie eine Woche später als in Perschen ein.“ Einen Tag später dann der Anruf in der Redaktion: „Der erste Nabburger Storch sitzt im Horst!“ Damit hat Meister Adebar exakt das gleiche Datum geschafft wie in 2019. Auch in Pfreimd ging es zügig: Der erste Storch wurde am Donnerstag, 13. Februar, gesichtet. Übers Wochenende war dann auch der zweite da. In Altendorf ist das Pärchen ebenfalls schon komplett.

Während sich im Landkreis die Ankunftszeiten also bisher ziemlich mit dem Vorjahr zu decken scheinen, gibt es auch im übrigen Bayern keine "jahreszeitlichen Ausreißer" zu beobachten. Oda Wieding, Storchenexpertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) sieht aber etwas anderes auf dem Vormarsch: "Es ist eine wilde Mischung unterwegs!" Der Grund: "Die vorzeitig eintreffenden Störche aus Spanien und dem Rhonetal mischen sich mit den Dagebliebenen." Die Tiere dagegen, die den Winter in Afrika verbrachten, harren noch aus und machen sich erst Ende März auf den Rückflug. Die Storchenforschung zeige, dass viele nicht mehr die Ostroute (siehe Kasten) wählen, sondern "als Trend der letzten Jahre" das nahe Spanien ("Westzieher").

In Bayern überwintern

Rund 300 Weißstörche, paarweise oder als herumziehende Singles, überwintern laut der Expertin in Bayern, überwiegend im Donauraum und am Bodensee. Wie Karl Beer berichtet, blieben auch in Nabburg die Störche schon zweimal da: 2017/2018 und 2015/2016 verzichteten sie darauf, die beschwerliche und gefährliche Reise zum Winterquartier anzutreten. Übrigens: Nabburg besitzt den ältesten nachgewiesenen Storchenhorst in Bayern. Die Zugrouten der Weißstörche kann der Landesbund für Vogelschutz durch die Satelliten-Telemetrie live verfolgen. Das Phänomen der Überwinterung gibt es laut Wieding erst seit etwa 20 Jahren. Dies hänge wohl mit der Auswilderung von Störchen aus früheren Zuchtprogrammen zusammen.

Futterplatz in Diendorf

Aktuell hat der LBV Bayern sechs Störche mit kleinen "Rucksack-Sendern" am Rücken ausgestattet, die auch über die Nahrungsflüge informieren. Wie die Biologin betont, falle aktuell auf, dass "Müllkippen und große Biomüllkompostanlagen wegen der Mäuse ein neues spannendes Angebot bieten". Jedenfalls brauche niemand Angst zu haben, dass die Vögel hungern. Solange kein strenger Frost herrscht, fänden sie ausreichend zu Fressen.

Zum Thema "Ernährung" kann auch der Nabburger "Storchenvater" Karl Beer etwas berichten. Denn als es vor fünf Jahren noch einmal "gscheit gschneit" habe, hätten viele besorgte Leute bei ihm angerufen. Für solche Wetterkapriolen ist er mit einem Futterplatz in Diendorf gerüstet. Die Störche finden dort mit Eintagesküken oder tiefgefrorenen Mäusen (besorgt er über einen Falkner) einen nahrhaften Snack vor. Schließlich soll im zeitigen Frühjahr auch die Familienplanung optimal anlaufen können. 2019 sah es in Nabburg mit dem Nachwuchs nicht gut aus: Das einzige Junge "verschwand irgendwann". Anders in Perschen: Die drei Jungstörche machten sich Mitte August in ihr Winterquartier auf. Die Eltern hatten es nicht eilig: Sie verließen den Horst am Kirchturm erst am 26. Oktober. "Wir dachten schon, die bleiben da", sagt Beer. Jetzt sind sie wieder da.

Müllkippen und große Biomüllkompostanlagen bieten wegen der Mäuse ein neues spannendes Angebot.

Oda Wieding, Storchenexpertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV)

Oda Wieding, Storchenexpertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV)

Hintergrund:

Zwei Routen

Früher überwinterten die Störche in Afrika (Marokko bis Südafrika). Inzwischen bleiben viele der Adebars in Spanien. Es gibt zwei Hauptrouten: Die Ostroute (bis zu 10 000 Kilometer) führt über Polen, Rumänien, die Türkei und Israel über den Sinai bis nach Afrika. Die Westroute geht über die Alpen nach Frankreich und Spanien. Nur noch wenige Störche fliegen über Gibraltar nach Afrika und überfliegen die Sahara. Für ihren Flug brauchen die Vögel gutes Wetter mit passender Thermik - denn Störche sind Segelflieger. Anfang Februar gab es heuer mehrere Tiefdruckgebiete über Spanien und Frankreich, wodurch eine Südwestströmung entstand. Die Störche konnten so quasi mit "Rückenwind" nach Deutschland fliegen. Bis zu 400 Kilometer am Tag sind zu schaffen.

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