Nabburg
14.10.2019 - 15:48 Uhr

"Tante Mizzi" fetzt noch immer

Zwei Takte genügen und der Oberkrainer-Sound begeistert die über 400 Fans in der Nordgauhalle. Saso Avsenik und seine junge Truppe präsentieren neue und bekannte Melodien. Sonderapplaus erhält ein Virtuose an der Gitarre.

Saso Avsenik (Dritter von rechts) mit seinen Oberkrainern. Bei den Zugaben waren auch Vater Gregor (Dritter von links) und Moderator Hubi (Mitte) mit auf der Bühne. Bild: Portner
Saso Avsenik (Dritter von rechts) mit seinen Oberkrainern. Bei den Zugaben waren auch Vater Gregor (Dritter von links) und Moderator Hubi (Mitte) mit auf der Bühne.

Es ist so schön, ein Musikant zu sein: Opa Slavko Avsenik erlebte es 2009 im slowenischen Begunje noch mit, als sich Enkel Saso entschied, in seine Fußstapfen zu treten. Mittlerweile tourt dieser seit zehn Jahren mit seinem Ensemble in der typischen Oberkrainer-Besetzung durch die Lande. Im Jubiläumsjahr machten am Freitag "Saso und seine Oberkrainer" auch Station in der Nordgauhalle in Nabburg. "Bravo-Rufe" gab es gleich beim ersten Stück. Denn dafür hatte die junge Truppe mit einem Altersdurchschnitt um die 30 Jahre das "Trompetenecho" gewählt. "Danke, dass sie unsere Musik jung halten", freute sich der Chef am Akkordeon über die Fans aller Altersgruppen. Diese bekamen viele Lieblingsstücke in der typischen Oberkrainer-Besetzung mit Akkordeon, Bariton/Kontrabass, Gitarre, Klarinette, Trompete zu hören.

Siebte Sängerin

Ausdrucksstark vertiefte Sänger Dejan Zupan im Duett mit Lucija Selak die jeweilige Stimmungslage. "In zehn Jahren ist das schon die siebte Sängerin", informierte Moderator Hubi Aschenbrücker. Die Tatsache, dass die Mädchen immer andere Pläne hätten, inspirierte Saso Avsenik (28) "Ja, ja, die Frauen" zu komponieren. "Es ist erst mein zehntes Stück", meinte der Junggeselle mit einem breiten Lächeln. Opa Slavko brachte es immerhin auf über 1000 Kompositionen. Wie beliebt dessen Hits bis heute sind, zeigte sich beim Walzer "Hinter'm Hühnerstall": Das Publikum schmetterte unisono den Text mit. Bei den Konzerten wird aber auch ordentlich gewitzelt. Moderator Hubi, der schon mit den "Original Oberkrainern" unterwegs war, wohnt in Bayern und kennt sich bestens mit politischen und gesellschaftlichen Themen aus. Er erntete wahre Lachsalven und lockerte auch mit etlichen Verkleidungen auf. Bei "Franz, der Maurerg'sell" und "Die Hungerkur" mischte sich der Sänger vom Slavko-Ensemble am Gesangsmikrofon ein.

Die Kombination aus Tradition und jungem Talent in makellos präzisem Zusammenspiel überzeugte auch in Nabburg. Gefühlvolle Walzer und stürmische Polkas im Wechsel hielten den Spannungsbogen, getragen von Matic Plevel an der Rhythmusgitarre. Beim jungen Avsenik-Titel "Musikanten unterwegs" gab es Applaus für den fetzigen Swing. Evergreen-Qualitäten hat auch Sasos Hochzeitswalzer "Durch die Sonne, durch den Regen". Nicht fehlen durften das melancholische "Hirtenlied" und die gefühlvolle Liebeserklärung "Der Wind bringt dir mein Lied", welche Klarinette und Gitarre, gespielt von Gregor Avsenik, im Wechsel vortrugen.

Virtuoser Gitarrist

Der jüngste Sohn von Slavko Avsenik stand als Überraschungsgast bei einigen Stücken mit auf der Bühne: Gregor Avsenik freute sich über den Zwischenapplaus für seine Solos, unter anderem bei der Eigenkomposition "Wo bist du, Natasa?". Der Ausnahmegitarrist wirkte schon als Teenager im Oberkrainer-Orchester mit. "Er ist aber nicht nur ein Mann, der rasant mit den Saiten umgeht, sondern auch mit dem Gaspedal", verriet Sohn Saso augenzwinkernd, bevor er das Stück "Auf der Autobahn" anstimmte. Die beiden melodietragenden Instrumente - Trompete (Jan Tamse) und Klarinette (Mitja Skocaj) - rissen auch hier das Publikum mit. Ales Jurman (Bass) holte aus seinem Bariton-Horn ("Oberkrainer-Bass") die tiefsten Töne hervor. Als er dann bei einer flotten Polka an die Steirische wechselte, übernahm der Chef am Kontrabass.

2021 wieder in Nabburg

In den zweieinhalb Stunden wurde spürbar, dass sich Saso respektvoll vor dem Großvater verneigt. Er spielt nicht nur das gleiche Instrument, er lebt die Musik auch und wird die Avsenik-Musik in der dritten Generation in die Welt hinaustragen. Seit 2009 ist es eine einzigartige Erfolgsgeschichte: sechs Alben, viele TV-Sendungen, drei erfolgreiche Solo-Tourneen und rund 200 Auftritte im Jahr. 2017 gab es in Bregenz die erste Goldene Schallplatte für die junge Formation. Der Abend endete mit den Zugaben "Tante Mizzi" und "Wir bleiben Freunde". Im Foyer standen die sympathischen Musiker für Autogramme und Fotos zur Verfügung. "Saso und seine Oberkrainer" gibt es in zwei Jahren wieder live in Nabburg zu hören: Am 10. Dezember 2021 füllen sie die Nordgauhalle erneut mit unverwechselbarem Sound.

Vater und Sohn: Gregor Avsenik begleitete die junge Truppe bei einigen Stücken auf der Gitarre. Er brachte auch zwei seiner rund 50 Eigenkompositionen zu Gehör. Bild: Portner
Vater und Sohn: Gregor Avsenik begleitete die junge Truppe bei einigen Stücken auf der Gitarre. Er brachte auch zwei seiner rund 50 Eigenkompositionen zu Gehör.
Moderator Hubi Aschenbrücker mit seiner Gesangseinlage "Die Hungerkur". Bild: Portner
Moderator Hubi Aschenbrücker mit seiner Gesangseinlage "Die Hungerkur".
Alle Altersgruppen waren beim Oberkrainer-Konzert vertreten. Bild: Portner
Alle Altersgruppen waren beim Oberkrainer-Konzert vertreten.
"Saso und seine Oberkrainer" absolvieren rund 200 Auftritte im Jahr. Bild: Portner
"Saso und seine Oberkrainer" absolvieren rund 200 Auftritte im Jahr.
Dritte Generation:

Begründer des Oberkrainer-Musikstils ist der Komponist und Akkordeonspieler.Slavko Avsenik (1929 bis 2015) aus Begunje/Slowenien (mehr als 36 Millionen Tonträger). Neu war die Harmonik der Lieder, in denen auch Jazzelemente zu finden sind.

Enkel Saso feierte mit seinen Oberkrainern sein Debüt am 9. November 2009 bei der Eurovisions-Show "Musikantenstadl" in Passau. Die Nachfrage nach Live-Auftritten war nach der Sendung so groß, dass die jungen Musiker ab sofort berufsmäßig durchstarteten. Bei rund 200 Auftritten im Jahr begeistern sie mit ihrer Live-Musik und sympathischer Moderation.

 
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