20.09.2019 - 15:26 Uhr
NabburgOberpfalz

Unzufrieden mit Unterbringung: Zimmer angezündet

Der Mann will ungern in Teublitz bleiben und in eine Regensburger Asylbewerberunterkunft verlegt werden. Als das nicht bewilligt wird, droht der 24-Jährige mit Brandstiftung und setzt das Verbrechen in die Tat um. Jetzt wandert er in Haft.

Ein 24-Jähriger muss wegen schwerer Brandstiftung für zehn Monate ins Gefängnis.
von Autor HWOProfil

Ganz zum Schluss des Prozesses vor dem Amberger Schöffengericht wurde der Vorsitzende Markus Sand sehr deutlich in seiner Wortwahl. "Es ging Ihnen nicht schlecht, aber Sie waren schlicht unzufrieden mit dem Ort Ihrer Unterbringung", sagte er und brachte keinerlei Verständnis dafür auf, dass der aus rein persönlichen Gründen aus seinem Heimatland geflüchtete Mann zunächst mit einer Brandlegung drohte und sie dann am 19. Dezember letzten Jahres in die Tat umsetzte. "Dabei", schrieb ihm Richter Sand ins Stammbuch, "sind Menschen in Gefahr geraten."

Am Nachmittag dieses 19. Dezember hatte der 24-Jährige die Gardine und dann auch noch eine Wolldecke in seinem Zimmer angezündet. Die Flammen loderten auf, sie setzten den Türrahmen in Brand. Mit einem Messer fügte sich der Iraker noch Schnitte an den Brust zu, dann wurde er von herbeigeeilten Helfern aus dem Raum gezogen.

Eine Angestellte des Heims in Teublitz-Koppenlohe und ein ihr zur Seite tretender Asylbewerber kamen danach ins Krankenhaus. Der Verdacht auf Rauchvergiftung bestätigte sich bei ihnen aber nicht.

Der Brandstifter wurde zunächst ebenfalls in der Burglengenfelder Klinik behandelt. Dann brachte man ihn ins Regensburger Bezirkskrankenhaus. Dort ergab sich: Psychische Gründe für das Verbrechen existierten nicht.

"Voll verantwortlich"

Dies bestätigte nun bei Prozess der Amberger Landgerichtsarzt Dr. Rainer Miedel. "Er ist voll verantwortlich", sagte er. Die Feuerwehr hatte im Asylbewerberheim Glutnester gelöscht und das Gebäude gelüftet. Der Schaden wurde später auf 5000 Euro taxiert. Interessant war, dass der 24-Jährige im Bezirksklinikum mit weiteren Brandlegungen und seiner Selbsttötung für den Fall gedroht hatte, dass man ihm kein Quartier in Regensburg zuweise. Vor dem in Teublitz geschehenen Verbrechen hatte ihm die Bezirksregierung mangels freier Plätze in der Domstadt eine Unterbringung in Pfatter oder Wörth an der Donau angeboten. "Doch das", sagte der Richter, "hat Ihnen wohl nicht gefallen."

Keine Bewährung

Staatsanwältin Manuela Zeller stufte die Tat als schwere Brandstiftung ein und lenkte das Augenmerk auf die gesundheitliche Gefährdung der im Heim lebenden Bewohner. "Bewährung kommt hier nicht in Betracht", unterstrich sie und verlangte zweieinhalb Jahre Haft. Dagegen protestierte Verteidiger Urs Erös (Regensburg) energisch.

Er sah eine "vorsätzliche Sachbeschädigung durch Feuer" für gegeben und hielt eine Geldstrafe für ausreichend. "Denn mehr als Sachbeschädigung ist das nicht gewesen", beschrieb Erös seinen Standpunkt. "Es war eine schwere Brandstiftung", urteilte das Schöffengericht und schickte den 24-Jährigen für ein Jahr und zehn Monate hinter Gitter. Der Vorsitzende zitierte dabei das Gesetz und ließ anklingen, dass ein solches Verbrechen dann gegeben sei, wenn ein Gebäudeteil Feuer fängt. "In diesem Fall", so Markus Sand, "war das der Türrahmen". Dann hörte der Täter: "Es gab keinerlei Notlage. Sie wollten einfach nur Ihren Kopf durchsetzen".

Hintergrund:

Der 24-Jährige war 2017 aus rein familiären Gründen aus seiner Heimat geflüchtet. Über die Türkei kam er erst nach Italien und dann nach Deutschland. Nach der in Teublitz begangenen Brandstiftung nahm ihn ein Richter in U-Haft. Dann schob man den Asylbewerber mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft nach Italien ab.

"In Mailand war ich obdachlos und habe auf dem Mülleimer gelebt", ließ er nun übersetzen. Also kehrte der junge Mann heuer im Frühjahr nach Deutschland zurück und wurde - nachdem seine abermalige Anwesenheit bei den Behörden für Arbeit sorgte - unverzüglich auf Betreiben der Staatsanwaltschaft wieder in die Untersuchunghaft gebracht. Von dort führten ihn jetzt Polizisten zum Prozess in Amberg vor.

Seine Zukunftsprognose beleuchtend, sagte der Gerichtsvorsitzene Markus Sand: "Ihre Chancen, in der Bundesrepublik bleiben zu können, sind rabenschwarz". Doch in den Irak will der 24-Jährige keinesfalls zurück.

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