04.07.2019 - 15:54 Uhr
NabburgOberpfalz

Wahnsinnsfahrt mit Todesfolge

Er rast über die A 93. Vor Pfreimd rammt der 55-Jährige ein Auto, schleudert mit dem in Augsburg geklauten Geländewagen nach rechts und kracht an einen Lkw. Der Beifahrer wird getötet. Nun kommt es zur Gerichtsverhandlung.

Auf der A 93 zwischen Nabburg und Pfreimd kam es im Dezember 2016 nach einer Verfolgungsfahrt mit der Polizei zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Das gestohlene Fahrzeug (Bild) krachte in das Heck eines Lastwagens. Nun stand der Verursacher vor Gericht.
von Autor HWOProfil

Prozess in Amberg nach zweieinhalb Jahren: Weshalb so spät? Ein Termin hatte keine Eile. Denn seit dem schweren Verkehrsunfall am 2. Dezember 2016 sitzt der 55 Jahre alte Angeklagte in Haft. Aus folgendem Grund: Der Mann aus Usti nad Labem (Aussig) und sein damals 39-jähriger Freund hatten in Augsburg mehrere Diebstähle verübt und zum Schluss ein Fahrzeug entwendet. Mit diesem geknackten Geländewagen traten sie die Heimreise an.

Die Eigentumsdelikte waren zunächst in Augsburg mit einer Freiheitsstrafe geahndet worden, die bis heute andauert und noch bis Januar 2020 zu verbüßen gewesen wäre. Doch der Aufenthalt hinter Gittern wird sich für den 55-Jährigen bis Juni nächsten Jahres verlängern. Sein Kumpel lebt nicht mehr.

An diesem 2. Dezember 2016 wurde der damals bereits zur Fahndung ausgeschriebene "Pajero"-Geländewagen gegen 21.30 Uhr bei Regensburg gesichtet. Die Polizei löste Alarm aus. Das bewirkte, dass dieses Fahrzeug ab der A 93-Anschlussstelle Teublitz mit Blaulicht verfolgt wurde. Der Fahrer raste bei Nebel mit bis zu 180 Stundenkilometern durch die Nacht, ließ sich nicht stoppen.

An Schwandorf, Schwarzenfeld und Nabburg vorbei raste das Auto in Richtung Norden. Kurz vor Pfreimd kam es zum Chaos: Der unter Drogen und Alkohol stehende Mann rammte zunächst auf der Überholspur einen vorausfahrenden Pkw. Danach wurde der "Pajero" nach rechts geschleudert und krachte an einen Lastwagen.

Während der 55-Jährige unverletzt blieb, starb sein Beifahrer. Er war nicht angegurtet und beim Anprall mit dem Kopf an die Windschutzscheibe geschleudert worden. Unmittelbar darauf fuhr auch noch eines der verfolgenden Polizeifahrzeuge in die Unfallstelle. Bilanz: Ein Toter, zwei Verletzte, 36 000 Euro Schaden.

Vor dem Amberger Schöffengericht machte der 55-Jährige jetzt zwar Erinnerungslücken geltend, er räumte den Sachverhalt aber ein. Mit der Anmerkung jedoch, sein neben ihm sitzender Freund habe kurz vor den Crash ins Steuer gegriffen. Das aber schien eine Schutzbehauptung zu sein. Was sich abspielte, erfuhren die Richter unter Vorsitz von Markus Sand von Polizeibeamten und Unfallbeteiligten. "Rücksichtslos" und "wie von Sinnen" hieß es in den Beschreibungen. Die Frage erhob sich: Hatte die Polizei im Zuge ihrer Aktion kurz vor Pfreimd einen sogenannten künstlichen Stau veranlasst, um den Raser vom Gaspedal zu bringen? Darauf gab es zwar im Prozess keine schlüssige Antwort. Doch Richter Sand stellte fest: "Was immer auch geschah: Die Exekutive trug keinerlei Mitschuld an diesem Unfall."

Der Mann aus Usti nad Labem hatte damals nach längerer U-Haft vom Landgericht Augsburg zwei Jahre und drei Monate Gefängnis erhalten. Jetzt wurde dieses Urteil in eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und acht Monaten abgeändert. Der schwer drogenabhängige Angeklagte, dem ein Gutachter die Sucht bescheinigte, hätte an sich Anspruch auf eine Drogentherapie gehabt. Eine solche Maßnahme lehnte er aber ab. In seinem Schlusswort sagte der 55-Jährige, der keinen Führerschein besaß: "Es tut mir leid. Ich mache mir schwerste Vorwürfe."

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