13.04.2021 - 18:12 Uhr
NabburgOberpfalz

Weidenkätzchen besser am Baum genießen

Weidenkätzchen abschneiden sollten eigentlich tabu sein, zumindest in größeren Mengen. Der Bund Naturschutz kennt die Gründe.

Baum, Honigbiene (Apis mellifera), Insekten, Palmkätzchen, Salweide
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ein Frühlingsspaziergang bietet gerade in Zeiten von Corona-Beschränkungen dringend nötige Abwechslung und Erholung. Da ist verlockend, sich dabei einen Strauß Weidenkätzchen oder Wildblumen zu pflücken. Erlaubt ist aber nur das Abschneiden weniger Zweige. Doch der Bund Naturschutz in Bayern (BN) bittet in einer Pressemitteilung generell um Rücksicht auf die Natur.

"Wildbienen und Schmetterlinge brauchen gerade jetzt jede Nahrungsquelle. Die blühenden Weiden oder Schlüsselblümchen sind mit ihrem Pollen und Nektar für sie in dieser noch blütenarmen Zeit ganz wichtig", appelliert Klaus Pöhler, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz Kreisgruppe Schwandorf an die Spaziergänger.

Alternativen für die Vase

Pöhlers Tipp: "Genießen Sie die Schönheit der aufblühenden Natur und das Brummen und Summen an den Kätzchen am besten in der Natur." Und er verweist auch auf eine Alternative für die Vase: "Problemlos genutzt werden können Zweige der Forsythien, denn sie produzieren weder Nektar noch Pollen und sind für Insekten damit wertlos."

Die dekorativen Weidenkätzchen sind die Blüten der Weiden und erscheinen noch vor den Blättern am Zweig. Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Weiden-Kätzchen haben am Grund jeder Einzelblüte Nektardrüsen. Wenn Wildbienen, Honigbienen, Hummeln, Käfer, Schmetterlinge oder andere Insektenarten sie als Nahrung nutzen, werden die Blüten der Weiden durch sie bestäubt, so die BN-Infos.

Gerne für Sträuße werde die Salweide mit ihren flauschigen Kätzchen genutzt. Aber gerade sie sei wegen ihrer frühen und sehr reichen Blüte auch bei Insekten sehr beliebt. Auch für Honigbienen ist sie laut BN die erste Massennahrung, und Vogelarten wie der Zilpzalp oder Meisenarten saugen den nahrhaften Nektar gerne. Später im Jahr sind auch die Blätter beliebt, allein die Salweide diene für die Raupen von 37 Schmetterlingsarten als Nahrungspflanze. In der Natur kommt die Salweide als Pionierart gerne an Waldrändern oder lichten Waldstellen vor. Insgesamt gibt es nach Auskunft der Naturschützer etwa 500 Arten von Weiden, wovon 30 in Mitteleuropa heimisch sind.

Auf Futter angewiesen

Mit Frühlingsbeginn sind schon etliche Insekten unterwegs. Erste Wildbienen, Honigbienen, aber auch Schmetterlinge wie Zitronenfalter oder Kleiner Fuchs, die als Schmetterling überwintert haben. "Sie sind nach dem Winter geschwächt und dringend auf jede Nahrungsquelle angewiesen", erklärt Oskar Deichner, Biologe beim Bund Naturschutz und Leiter des BN-Büros in Nabburg. "Fast 60 Wildbienenarten besuchen in Süddeutschland blühende Weidenkätzen, um dort Pollen zu sammeln. Davon sind zehn Arten ausschließlich auf Weiden angewiesen. Im Jahresverlauf werden die Weidenarten von über 1000 Insektenarten genutzt."

Hintergrund:

Das können Gartenbesitzer für die Bienen tun

  • Pflanzen für ein ganzes Jahr: Ratsam sind laut Bund Naturschutz verschiedene heimische Sträucher und Kräuter, die möglichst weit über das Jahr verteilt blühen und Nektar und Pollen bieten.
  • Speziell im Frühjahr: Neben Weiden bieten in dieser Jahreszeit zum Beispiel Schlüsselblumen, Lungenkraut, Lerchensporn oder Sträucher wie die Kornelkirsche und die Schlehe für Insekten wichtige Nahrung.
  • Schonender Heckenschnitt: Nach dem Bayerischen Naturschutzgesetzes ist es verboten, „Hecken, lebende Zäune, Feldgehölze oder -gebüsche einschließlich Ufergehölze oder -gebüsche zu roden, abzuschneiden, zu fällen oder auf sonstige Weise erheblich zu beeinträchtigen“. Erlaubt ist lediglich ein schonender Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses.
  • Nur "Handstrauß": Nach Paragraph 39 des Naturschutzgesetzes ist es verboten, in mehr als geringe Mengen „wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten“.
  • Schonzeit: Von 1. März bis zum 30. September gelten auch für Gartenbesitzer Gesetze für den Rückschnitt. Hecken dürfen in dieser Phase beispielsweise nicht entfernt oder auf den Stock gesetzt werden.

Ein Volksbegehren und die Folgen

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