10.01.2020 - 16:04 Uhr
NabburgOberpfalz

Weit mehr als Frösche zählen

Von A wie Amphibien bis Z wie Ziegen reicht das Engagement der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. Im Nabburger Büro laufen dafür die Fäden bei einem Mann zusammen, der nach fast 30 Jahren auf diesen Platz zurückgekehrt ist.

Geschäftsstellenleiter Oskar Deichner (links) und BN-Vorsitzender Klaus Pöhler ziehen bei Naturschutzprojekten an einem Strang. Sie sind überzeugt, dass von der globalen Debatte übers Klima auch die lokale Gruppe profitiert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Der Biologe Oskar Deichner aus Guteneck ist Nachfolger von Gertraud Schichtl, die 18 Jahre lang die Geschäftsstelle des Bund Naturschutz (BN) in Nabburg betreut hat. Drei Jahre lang, von 1989 bis 1992 hat der Fachmann für Gewässergüte und Weichtiere hier schon einmal im Dienst der Kreisgruppe agiert. Jetzt ersetzt er die Vorgängerin, die sich beruflich verändern wollte. Und da wartet ein enormes Aufgabenfeld auf den 63-Jährigen, der den Zwölf-Stunden-Job beim BN neben seiner freiberuflichen Tätigkeit unterbringen will.

Was die inhaltliche Ausrichtung betrifft; steht Deichner der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, Klaus Pöhler; zur Seite. Fördertöpfe abklopfen, Ausstellungen organisieren, Kontakte zu Behörden pflegen, Anträge, Anfragen und Öffentlichkeitsarbeit: Die Liste der Bürotätigkeiten des Geschäftsstellenleiters ist lang. Was hier inhaltlich dahinter steckt; erläutert er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien zusammen mit Pöhler.

So manches Projekt geht jedes Jahr in eine neue Runde, beispielsweise der Amphibienschutz. "Bis Ende Februar, Anfang März müssen die Zäune stehen", sagt Pöhler, "das ist immer etwas hektisch, weil der Zeitpunkt von der Witterung abhängt". Zwölf solcher Schutzzäune gibt es im Landkreis, das will organisiert sein. Dazu zweimal am Tag Frösche und Kröten zählen und bestimmen: Auch das gehört zu der laut Pöhler bayern- ja deutschlandweit größten Artenschutz-Maßnahme.

Spontaner Aufschrei

Die Kreisgruppe ist aber auch ganz spontan zur Stelle, wenn die Bahn in Schwandorf nach Ansicht der Bürger zu viel abholzt oder das Wasserwirtschaftsamt in Teublitz am Eselsweiher alte Eichen fällt. Mangelnde Sensibilität und Defizite bei der Informationspolitik würden da oft zu einem Aufschrei führen, der dann beim Bund Naturschutz ankommt. "Die Menschen sind wachsamer geworden, sie rufen an, wenn etwas im Argen liegt", stellt der Kreisgruppen-Vorsitzende fest. Immer öfter empfinde man die Naturschützer nicht als "Blockierer und Verhinderer". "Speziell in der herkömmlichen Landwirtschaft gibt es aber nach wie vor Vorbehalte", räumt Pöhler ein und gibt die Schuld daran dem Einfluss von Behörden und Industrie. Er macht das am Beispiel der Biogas-Anlagen fest. Wo der industrielle Weg eingeschlagen werde, komme es nicht zur sinnvollen Verwertung, sondern zu einer "Vermaisung", von der nur Wildschweine profitieren.

Ob die Debatte um den Klimawandel, die Fridays-for- Future-Bewegung, Galionsfigur Greta Thunberg oder brennende Wälder in Australien, die globale Welt ist im Naturschutz vor der eigenen Haustüre angekommen. "Wir erleben gerade einen Winter, der keiner ist", stellen Pöhler und Deichner fest.

Tipps fürs Klima

Ein Grund mehr für die beiden Naturschützer, sich auch im eigenen Umfeld ganz konkret gegen den Klimawandel zu stemmen. Ihre Tipps: den Fernseher nicht auf Standby-Modus lassen (Pöhler: "Das würde in Deutschland den Strom von zwei Atomkraftwerken einsparen"), auf der Autobahn freiwillig Tempo 120 statt 160 fahren (weniger Sprit, Abgase und Feinstaub), regionale Produkte einkaufen (spart Transport und Verpackung) und nicht zuletzt nach Möglichkeit mit dem Rad fahren.

Oskar Deichner leitet seit September die Geschäftsstelle der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe in Nabburg. Ganz neu ist er auf diesem Posten aber nicht.
Hintergrund:

Projekte für 2020

Die Schwandorfer Kreisgruppe im Bund Naturschutz hat sich für dieses Jahr eine ganze Reihe von Projekten vorgenommen. Einen Schwerpunkt bilden die Amphibienschutz-Maßnahmen, die demnächst starten. Das Kinder-Umwelt-Bildungsprojekt läuft weiter, ebenso die Beweidung mit Ziegen in Stein. Die Gruppe mit derzeit rund 1600 Mitgliedern setzt sich zusammen mit anderen Verbänden für die Pflege von Orchideen-Wiesen im östlichen Landkreis ein und engagiert sich gemeinsam mit Schulen für die Haus- und Straßensammlung. In Kooperation mit dem Kreisgartenamt wird eine Foto-Ausstellung im Landratsamt vorbereitet mit dem Titel "Tatort Garten - Ödnis oder Oase" (30. Oktober bis 13. November). Bereits ab 27. Juni ist in Nabburg in der Remise eine weitere Ausstellung zu sehen. Josef Merkl aus Zangenstein präsentiert dort "Grüne Momente" mit eigenwilligen Blickwinkeln auf die Natur. Für 21. Mai ist am "Tag der Natur" in Zusammenarbeit mit weiteren Vereinen eine Wanderung geplant. Als "Dauerthemen" hat der BN die zunehmende Verlandung der Naab im Stadtbereich von Schwandorf im Visier, außerdem das angepeilte Naturschutzgebiet im Bereich Ausee und Lindensee. Zweimal jährlich gibt der Bund Naturschutz einen Umweltbrief heraus. In diesem Jahr wird außerdem auch eine Liste von regionalen und Bio-Anbietern aktualisiert (www.schwandorf.bund-naturschutz.de).

Die Menschen sind wachsamer geworden, sie rufen an, wenn etwas im Argen liegt

Klaus Pöhler, BN-Vorsitzender

Klaus Pöhler, BN-Vorsitzender

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