05.11.2019 - 16:23 Uhr
NabburgOberpfalz

Zirkus spaltet nicht nur die GroKo

Ganz offiziell dürfen in Zirkussen weiterhin Wildtiere gehalten werden, das hat der Ernährungs- und Landwirtschaftsausschuss des Bundestags entschieden. Doch können Kommunen selbst entscheiden, wen sie bei sich auftreten lassen?

Um den Circus Afrika und vor allem die Haltung der Elefanten gab es in den vergangenen Monaten viel Wirbel.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Vor etwa zwei Wochen beschloss der Ernährungs- und Landwirtschaftsausschuss des Bundestags, den Antrag "Wildtierhaltung im Zirkus jetzt beenden" der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen abzulehnen, weil dann keine Wildtiere mehr in Zirkussen zugelassen gewesen wären. Damit ist Deutschland eines der letzten Länder der Europäischen Union, in denen Elefant, Löwe und Co. noch in einer Manege auftreten dürfen.

GroKo ist sich uneinig

SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder aus Wernberg-Köblitz erklärt auf Anfrage, dass sich ihre Partei schon lange für ein Wildtierverbot wie Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und weiterer Tiere im Zirkus ausspreche. Bisher seien die Koalitionspartner noch nicht zu überzeugen gewesen. "Wir werden die Ergebnisse der Anhörung nutzen und erneut auf unseren Koalitionspartner zugehen, um zu einem Verbot wildlebender Tiere im Zirkus zu gelangen", so Schieder. "Es wäre schon hilfreich, die 20 Jahre alte Zirkusleitlinie auf den neuesten Stand der ethologischen Erkenntnisse zu bringen", erklärt sie.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete aus Cham, Karl Holmeier, erklärt sich zur Entscheidung seiner Partei: "Mir und der CSU-Landesgruppe liegt sehr daran, dass der Tierschutz für Zirkustiere gewährleistet ist. Wo dies nicht möglich ist, dürfen keine Tiere gehalten werden. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Tieren im Zirkus Leid oder Schmerzen zugefügt werden." Einem generellen Verbot der Haltung von Wildtieren im Zirkus könne sich die Partei jedoch nicht anschließen, da bestimmte Tiere bei artgerechter Haltung auch in Zirkussen ein Leben ohne "Schmerzen, Leiden und Schäden" (Definition Tierschutzgesetz) führen könnten. Auch wenn "zu verurteilende Einzelfälle ein anderes Bild zeichnen", insgesamt hätten sich die Haltungsbedingungen für Tiere in Zirkussen in den vergangenen Jahren, unter anderem aufgrund der Zirkusleitlinien, verbessert.

Als Kommune selbst handeln?

Von Seiten des Bundes ist ein Verbot also vorerst gescheitert, doch können die einzelnen Kommunen selbst einen Zirkus boykottieren, wenn sie beispielsweise mit der Wildtierhaltung nicht zufrieden sind? Das Amberger Congress Marketing (ACM) hatte vor ein paar Wochen dem Circus Afrika aus Thüringen eine Absage erteilt, als dieser seine Zelte in Amberg aufschlagen wollte. Grund dafür war, dass dieser zuvor in Weiden Negativ-Schlagzeilen gemacht hatte, als ein Heuwagen mutwillig angezündet worden war und Tierschützer protestiert hatten. Immer wieder kamen Vorwürfe auf, die Elefanten würden nicht gut gehalten werden.

Zirkusdirektor Hardy Weisheit ging gegen die Absage des ACM vor und bekam Recht, sagte am Ende aber freiwillig ab. In Vohenstrauß und Kemnath gab es kurz darauf ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Circus Afrika. Dieses Mal ging es um das Aufhängen der Plakate.

Kein Grund für Absage

"Solange es kein Gesetz gibt oder klare Beweise für einen Verstoß, kann einem Zirkus das Auftreten in einer Stadt nicht untersagt werden", erklärt Reinhard Schlosser, Ordnungsamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Nabburg. Nur wegen eines schlechten Rufes würde er eine Absage nicht erteilen. Im Falle von Nabburg sei es sogar so, dass Zirkusse meist auf der Brandlwiese ihr Lager aufschlagen. Diese ist im Privatbesitz. "Erst wenn die Plakate genehmigt werden sollen, bekommen wir bei der Stadt dann was mit", so Schlosser. Im Artikel 19 des Landesstraf- und Verordnungsgesetzes (LStVG) sei klar geregelt, dass Veranstalter wie ein Zirkus das Recht auf Auftritt haben, solange sie gegen keine "guten Sitten" verstoße. Darunter fällt auch das Tierschutzgesetz, doch andere müssten entscheiden, was artgerecht ist und was nicht.

Ähnlich handhabt das die Stadt Schwandorf. "Es gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz", erklärt Pressesprecherin Maria Schuierer. Erst im Oktober gastierte der Zirkus Solero in Schwandorf. "Soweit ich mich erinnern kann, war ein Kamel dabei. Es gab keinerlei Probleme", erinnert sich Schuierer.

Etwas anders sieht es in kleineren Kommunen des Landkreises aus. Auf Anfrage beim Ordnungsamt der Stadt Pfreimd, sagt uns Gerhard Deinzer: "Wir lassen keine Zirkusse mehr auftreten. Es muss der Platz und auch die Zielgruppe da sein." Vor vielen Jahren seien schlechte Erfahrungen mit einem Zirkus gemacht worden. Seitdem verzichte man darauf. "Natürlich können wir das selbst entscheiden", meint Deinzer. Anfragen kämen jedoch ohnehin keine. Auch der Bürgermeister von Oberviechtach, Heinz Weigl, steht auf dem Standpunkt, dass ein Zirkus nicht auftreten darf, wenn ihm ein schlechter Ruf voran eile: "Das tu' ich mir nicht an."

Hintergrund:

Erklärung des Deutschen Tierschutzbundes

Der Deutsche Tierschutzbund erklärte in einer Stellungnahme im Vorfeld des Beschlusses des Ernährungs- und Landwirtschaftsausschusses, dass die Haltung wilder Tiere in einem Zirkus nie artgerecht sei. Es sei unmöglich gute klimatische, räumliche oder soziale Bedingungen für die Exoten zu schaffen, wenn man auf Wanderschaft ist. Vor allem Elefanten als Attraktion werden von Tierschützern sehr kritisch gesehen. Selbst domestizierte Tiere wie Pferde würden zum Teil nicht artgerecht gehalten, bekämen kaum Auslauf und würden in engen Boxen wohnen. Teilweise bräuchten die Zirkustiere laut Säugetiergutachten zehn Mal so viel Platz oder mehr als ihnen nach den Zirkusleitlinien zugesprochen wird. Das Thema Tierschutz beim Zirkus wird seit Jahren diskutiert.

Die ganze Erklärung des Deutschen Tierschutzbundes

Amberg
Vohenstrauß

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