06.05.2019 - 17:17 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Zum Blasmusik-Fest im Ausnahmezustand

Seit Monaten waren alle Quartiere in Neualbenreuth ausgebucht. Auch wenn draußen Schneeflocken wirbelten und die Temperaturen sich dem Gefrierpunkt näherten, heizten die acht Kapellen beim Fest der Blasmusik dem Publikum ordentlich ein.

von Autor ENZProfil

Zu dem Spektakel angereist war erneut internationales Publikum mit Gästen aus Frankreich, Österreich und der Schweiz. Traditionell eröffnete die Blaskapelle Ernestgrün am Samstagnachmittag das Programm. Ohne Zugabe durfte sie die Bühne nicht verlassen. Dabei brachte das Mitsingen der "Böhmische Liebe" Stimmung ins Festzelt.

Mit diesem Auftritt begann die lange Nacht der böhmisch-mährischen Blasmusik. Als nächste Kapelle konnten die Besucher die Blaskapelle "Vindemia" aus dem Weinviertel in Österreich erleben. Sie waren zum zweiten Mal Mitwirkende im Tillenort. Schwungvoll eröffneten sie ihren Auftritt. Riesenapplaus ernteten sie mit ihrer Interpretation von "Only you", bei der die Klänge der B-Klarinette wie Tropfen fielen. Glänzen konnten ihre Klarinettisten auch bei dem Stück "Zwei lustige Vögel".

Alle auf den Bänken

Als dann "Auf der Vogelwiese" von Ernst Mosch erklang, stand das Publikum auf den Bänken. Als Zugabe spielten sie eine Dudelsackpolka für zwei Klarinetten. Aber das Publikum wollte sie nicht gehen lassen, und so verabschiedeten sie sich mit der Polka "Von Freund zu Freund" von Martin Scharnagl. Dritte Kapelle des Abends waren die "Brauhaus Musikanten" aus dem Kaltental bei Kaufbeuren, Gewinner des "Grand Prix der Blasmusik" 2017.

Die Dunajska kapela aus der Slowakei war bereits mehrfach in Neualbenreuth dabei, zuletzt 2015. Ihr Auftritt begann erst um 23 Uhr. Aber sie mischten - trotz später Stunde - das Publikum gleich so richtig auf. Da dachte niemand ans Nach-Hause-Gehen. Bei einem von Klaus Rustler komponierten Titel holten sie ihn auf die Bühne und baten ihn, mitzuspielen. Solche Gesten der Freundschaft kamen auch beim Publikum gut an. Ob Solostücke wie "Zwei Turteltauben" oder die Uraufführung einer Polka - diese Musik der Spitzenklasse war der Höhepunkt des ersten Tages. Da sie zu später Stunde noch einen Publikumswunsch erfüllten und den "Böhmischen Traum" spielten, flogen ihnen die Herzen nur so zu.

Am nächsten Morgen hatten viele der Besucher noch mit der Müdigkeit zu kämpfen und umlagerten den Stand der Musikerfrauen, die Kaffee und Kuchen anboten. Doch hellwach wurden alle beim fulminanten Auftakt mit Mathias Achatz und seinen bayerisch-böhmischen Musikanten. So exzellente Musik ist eher selten im Genre der Blasmusik zu hören, und nicht nur seine Trompetensoli rissen alle von den Bänken. Nahezu bei jedem Stück wurde eine Zugabe verlangt.

Durchs Programm führte BR-Moderatorin Margit Ringer. Das kam nicht von ungefähr: Ihr Mann ist Posaunist bei der Kapelle. Dass sich der Mann am Flügelhorn, Alex Hartmannsgruber mit seiner weichen Stimme auch als Sänger betätigte, kam beim Publikum gut an. Gemeinsam mit Mathias Achatz wurde auch im Duett gesungen. Als Aufmerksamkeit für die Gastgeber brachten die Musikanten "Eine böhmische Nacht" von Klaus Rustler auf die Bühne.

Vorbild Ernst Mosch

Als zweite Kapelle des Tages auf die Bühne kam "Eine kleine dorfMusik" aus dem österreichisch-ungarischen Grenzgebiet in der Südsteiermark. Sie trugen die Arbeitskleidung ihrer Vielvölker-Vorfahren mit weißem Hemd, weißer Hose, schwarzen Stiefeln und einer blauen bestickten Schürze. Mit sieben Musiker kamen sie zunächst musikalisch eher unscheinbar daher.

Doch schon bald zeigte sich, dass sie ganz neue Akzente auf diesem Fest setzten und auch was in ihnen steckt: Matthias Koller mit einem Solo für Tenorhorn oder ihre Interpretationen und Variationen von Schlagern rissen das Publikum mit. Ihr Mann an der Tuba, Robert Schweiger, spielt an der Wiener Volksoper und glänzte mit einem extra für ihn geschriebenem Solostück. Auch diese Gruppe hatte als Mitbringsel für die Gastgeber eine Komposition von Klaus Rustler, "Grüße nach Holland", mitgebracht.

Dann kam - raumfüllend schon auf der Bühne und ebenfalls weit angereist - das Orchestre Roger Halm aus Straßburg im Elsass/Frankreich. Für sie ist Ernst Mosch das Vorbild, der 1960 zum ersten Mal ins Elsass kam. Sie spielen in gleicher Besetzung wie ihr Vorbild und feiern im nächsten Jahr 25-jähriges Bestehen. Beim Grand Prix der Blasmusik 2017 in München belegten sie den zweiten Platz. Sie spielten zum ersten Mal in einem Festzelt, da sie sonst nur Konzerte geben und zeigten sich begeistert von der super Stimmung.

Gleich zu Beginn drückten sie der böhmischen Blasmusik mit ihrem Elsässisch-böhmischen Konzertmarsch den eigenen Stempel auf. Neben einer Klarinettistin bereicherten zwei weitere Damen ihre Darbietung: an der Tuba Caroline Hornut und die Sängerin Patricia Schall. Akzente setzten sie mit ihrer Big Band-Version eines Titels von Robbie Williams und dem Lied "Guten Abend, gute Nacht" von Johannes Brahms in Blasmusik-Manier. Großartig war der Solo-Part des Klarinettisten Pascal Zumstein, der einen Csardas spielte. Auch das Orchestre Roger Halm spielte und sang als Gastgeschenk einen Titel von Klaus Rustler.

Das Fest der Blasmusik 2019 endete mit dem Auftritt der Kapelle Josef Menzl, die Oktoberfest-Stimmung ins Zelt brachte. Da tanzte vor allem die Jugend auf Tischen und Bänken. Der krönende Abschluss war dann das Spielen und Mitsingen der "Bayernhymne".

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Viele Stammgäste

Zum Fest angereist waren wieder hauptsächlich Stammgäste, die schon seit Jahren kommen und überwiegend selbst Musiker sind. Zu ihnen gehörte das Ehepaar Eva-Maria und Thomas Seiler aus Eiterfeld-Wölf, das vor vier Jahren mit der ganzen Familie seine Silberhochzeit beim Fest der Blasmusik feierte. Heuer konnten sie beim Fest den 29. Hochzeitstag begehen. Bereits zum 4. Mal nahm auch die Schauspielerin Christine Franzel, bekannt aus der Serie „Dahoam is Dahoam“ als Landfrau Zenzi Zöttl, mit ihrem Mann und Freunden teil. In den vergangenen Jahren im Zelt unentdeckt, wurde sie nun von treuen Zuschauern aufgespürt. Bereitwillig kam sie den Autogrammwünschen ihrer Fans nach. Auch die Besucher aus der Schweiz, die alle in unterschiedlichen Kapellen mitspielen, kommen regelmäßig alle zwei Jahre, weil es hier gute Musik von guten Kapellen gibt. Das Orchestre Roger Halm brachte gleich in ihrem Bus eine eigene Fan-Gruppe mit. Ein Patenschaftsvertrag verbindet die Blaskapelle Ernestgrün mit den Musikanten der Falkensteiner Blasmusik. Sie reisen regelmäßig in Mannschaftsstärke an.

Obwohl häufig in Neualbenreuth zu Gast, waren Ulrike und Stefan Reisinger aus Fürstenfeldbruck zum ersten Mal beim Fest der Blasmusik. Beim letzten Mal hatte es mit den Karten nicht mehr geklappt. Sie zeigten sich begeistert von dem hohen Niveau dieser Veranstaltung.

Ebenfalls zum ersten Mal kamen Mitglieder des Posaunenchors Crailsheim, die das Fest gleich zum Anlass nahmen, einen Vereinsausflug für ein paar Tage in diese Gegend zu unternehmen.

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Viele Helfer

Was wäre ein Fest der Blasmusik ohne Bier und deftige Schmankerl! Viele fleißige Helfer fand der Musikverein Ernestgrün für den Bierausschank. Der Gerstensaft floss reichlich. Niemand im Zelt musste lange darauf warten. Den Part der Verpflegung hatte der Fremdenverkehrsverein übernommen, der durch das Kartoffelfest über reichlich Erfahrung verfügt. So sorgten viele fleißige Helfer auch hier dafür, dass ordentliche Brotzeiten und üppige Essens-Portionen eine gute Bier-Grundlage bildeten. Unterstützt wurden sie durch Mitglieder des Schützenvereins Ringelstein Ottengrün. Auch die BRK-Ortsgruppe Neualbenreuth sorgte mit ihrem Einsatz für das Gelingen des Festes. Zum Glück hatte sie – außer einem glimpflich abgelaufenen Sturz ins Gebüsch – nichts zu vermelden. Rundum so gut gelungen, warten nun alle auf das nächste Fest der Blasmusik in zwei Jahren.

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