Bad Neualbenreuth
24.05.2018 - 10:28 Uhr

Dampflok und Kaisergrab

Artur Kursawe wartet aus seiner Zeit als Fernfahrer durch die ehemalige DDR immer wieder mit kaum bekannten und lohnenden Sehenswürdigkeiten auf. Davon profitieren die Reservisten. Sie unternehmen eine interessante Reise in die Vergangenheit.

Die Neualbenreuther Reservisten in der großen Werkhalle in Meiningen. Artur Kursawe (links) hatte den Ausflug initiiert. exb
Die Neualbenreuther Reservisten in der großen Werkhalle in Meiningen. Artur Kursawe (links) hatte den Ausflug initiiert.

(exb) Mit dem ehemaligen Reichsbahn-Instandsetzungswerk Meiningen und der alten Kaiser- und Bischofsstadt Bamberg gab es zwei recht gegensätzliche Ziele. "So roch es 1950 in der Ottengrüner Schmiede" , meinte Werner Altnöder beim Betreten der riesigen Metallbauwerkstätte. Als gelernter Schmied im Nachbardorf vor 65 Jahren kannte er diesen Geruch noch, eine Mischung aus Schmieröl, Rost, Ruß und Schweißstaub.

Museum sei dies keines, klärte der Erste Ingenieur des Werkes gleich eingangs seine Besuchergruppe auf. "Bei uns wird alles noch in Handarbeit gemacht, vom Zerlegen der Dampflok in alle ihre Einzelteile über das Anfertigen nötiger Ersatzteile bis zum Wiederzusammenbau. Kunden sind heute vor allem die Betreiber von Schmalspur-Nostalgiebahnen aus ganz Mitteleuropa und Sonderlokomotiven der Deutschen Bahn." In ihrer Blüte zu DDR-Zeiten seien etwa 2700 Metallhandwerker auf dem 30 Hektar großen Areal in Lohn und Brot gewesen.

Explosionskatastrophe

Sehr eindrucksvoll schilderte der Werkführer eine der größten Katastrophen in der Geschichte des deutschen Bahnwesens am Originalunglücksort Meiningen. Missachtete Sicherheitsvorschriften, geringere Materialqualität und innerbetriebliche Nachlässigkeit hätten eine in der Aufheizhalle stehende Großlokomotive am 4. Mai 1951 bei 20 atü Überdruck explodieren lassen. Das Herzstück ihres Dampfkessels sei durch das Hallendach über den Betriebskindergarten auf den Parkplatz geschleudert worden, ehe es in der Grünanlage des Krankenhauses zu liegen kam. 10 Mitarbeiter und eine Passantin seien getötet worden. Von der Teilzerstörung des Werkes und den Getöteten habe die damalige DDR-Presse zunächst nichts nach außen berichtet. Bei der Gerichtsverhandlung sei von westlicher Sabotage gesprochen worden.

Weltmeister-Zug von 1954

"Das tut uns als ehemalige Fußballer das Herz weh", meinten Ludwig Grillmeier, Edmund Becker und Meinhard Köstler, als sie vor einer der größten Raritäten in der Geschichte des deutschen Fußballsports standen: Auf einem Nebengleis des Betriebs-Bahnhofs rostet seit Jahrzehnten der rot-weiße Originalzug des Fußballweltmeisters von 1954 vor sich hin. "Mit diesen Waggons hatte Sepp Herberger von Bern aus seine Triumphfahrt in die Heimat angetreten. Seine Innenausstattung und sogar die Platz-Verteilung mit Namensschildern sind nach 64 Jahren noch komplett erhalten. "Es ist schade, dass sich heute keiner der reichen Sportsponsoren dafür interessiert", schloss der Werkleiter diesen in jeder Beziehung einmaligen Rundgang.

Nachmittags in Bamberg war zunächst eine Führung im Dom angesagt. Das einzige Papstgrab nördlich der Alpen (Papst Clemens II.) und den "Bamberger Reiter" einmal im Wirklichkeit zu sehen und vor dem Doppelgrab der Gründer des Bistums Bamberg im Jahre 1007 zu stehen, das beeindruckte die Besuchergruppe aus der Regensburger Nachbardiözese sehr. Kaiser Heinrich II. und seine Frau Kunigunde hatten im Jahr 999 geheiratet und die Christianisierung der inzwischen ansässigen Slawen vorangetrieben. Ihnen standen mit dem ungarischen Kaiserpaar Stefan I. und seiner Gemahlin Gisela, Heinrichs Schwester, Gleichgesinnte zur Seite in einer Zeit, als Eger in einer kleinen Kaufmannssiedlung zu werden begann und vom Kloster Waldsassen erst 100 Jahre später die Rede war.

Allerdings hatten die stiftischen Mönche dann bald die Vorzüge Frankens genutzt und aus Unterfranken für Gottesdienst und Verkostung beste Tropfen aus eigenen Weinbergen mit den gediegensten Weinlagen bezogen. Als Neualbenreuth Ende des 13. Jahrhunderts entstand, war der Bamberger Dom 270 Jahre alt und schon einmal abgebrannt. Die katholische Kirche hatte inzwischen die beiden Kaiserpaare als die verdienstvollsten Politiker Mitteleuropas heiliggesprochen .

 
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