Gedenken an verlorene Heimat

Bad Neualbenreuth
19.06.2019 - 14:50 Uhr

Vor 40 Jahren, am 21. Juni 1979, erklärte der Neualbenreuther Marktrat einstimmig, die Patenschaft für die früheren Nachbargemeinden Maiersgrün und Grafengrün zu übernehmen. An die Geschichte der Orte wird am Wochenende wieder erinnert.

In der ehemaligen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, auch bekannt als „Kirche ohne Dach“, findet an diesem Samstag, 22. Juni, um 11 Uhr wieder ein Gottesdienst mit Totenehrung statt.

Die Bewohner von Neualbenreuth und der Gemeinden Maiersgrün und Grafengrün waren schon immer unmittelbare Nachbarn. Die Orte liegen jeweils am Fuße des Tillenberges, nur etwa fünf Kilometer von einander entfernt. Die Wälder und der Berg wirkten niemals trennend, die Menschen fanden immer wieder zueinander - bis zur Vertreibung der Maiersgrüner und Grafengrüner im Jahr 1946.

Schon bald danach kamen aus beiden Orten Stammende wieder nach Neualbenreuth, um wenigstens in der Nähe ihrer Heimat zu sein. Sie begannen Anfang der 1970er Jahre, ihre Besuche zu organisieren und sich regelmäßig zur gleichen Zeit und in großer Zahl zu treffen. Nichts lag dabei näher, als die Tage um das Patrozinium der Heimatkirche zu Tagen der Begegnung zu machen.

"Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird", sagte einst Christian Morgenstern - ein Spruch, der für Maiersgrüner und Grafengrüner eine besondere Bedeutung hat. Nach dem Krieg in alle Teile Deutschlands verstreut, kommen sie alle Jahre dahin, wo sie verstanden werden, wo man sie anerkennt und aufnimmt.

Die Patenschaft über zwei Orte im Kreis Marienbad, im Egerland, war für die Neualbenreuther eine Selbstverständlichkeit, für die sich die Maiersgrüner und Grafengrüner auf außergewöhnliche Art bedankten: sie stifteten ein lebensgroße Figur ihres Kirchenpatrons, die seither über dem rechten Seitenaltar der Neualbenreuther Pfarrkirche steht. Die ehemalige Pfarrkirche St. Johannes der Täufer ist unter der jetzt geläufigen Bezeichnung "Kirche ohne Dach" noch immer ein fester Bezugspunkt für die Heimatvertriebenen.

In dieser Kirchenruine findet am Samstag, 22. Juni, um 11 Uhr wieder ein Gottesdienst mit Totenehrung statt. Er ist Mittelpunkt des Heimattreffens der Maiersgrüner und Grafengrüner, das am Freitag, 21. Juni, um 19 Uhr mit dem traditionellen "Kanesfeier" am Grenzlandturm beginnt. Nach einem Heimatabend am Samstag um 20 Uhr in der Gaststätte "Tillenblick" und dem Festgottesdienst am Sonntagvormittag in Neualbenreuth endet das Treffen mit einem "Egerländer Heimatabend", umrahmt von der Singgruppe der "Eghalanda Gmoin Waldsassen". Beginn ist um 20 Uhr im "Tillenblick".

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