07.10.2019 - 12:24 Uhr
NeualbenreuthOberpfalz

Die süße Seite der Knolle

Das Kartoffelfest in Neualbenreuth lockte wieder tausende Besucher an die Grenze. Dabei war die größte Kartoffeltorte der Welt eine der Attraktionen. Sie war eine Reminiszenz an einen berühmten deutschen Dichter.

von Autor ENZProfil

Nachdem die Böllerschützen ihren letzten Schuss abgefeuert hatten, begann das 17. Kartoffelfest. Eröffnet wurde es bei schönstem Sonnenschein durch Bürgermeister Klaus Meyer und den Vorsitzenden des Fremdenverkehrsvereins, Alfons Schnurrer. Auch die 42. Bayerische Kartoffelkönigin Stephanie III. nahm an dieser Zeremonie teil. Sie kommt aus dem Kreis Neuburg-Schrobenhausen und ist ehrenamtlich als Botschafterin der tollen Knolle unterwegs. Die Studentin des Agrarmanagements erhielt durch Bürgermeister Klaus Meyer zu Zepter und Krone einen Anstecker der Marktgemeinde und einen Blumenstrauß mit verschiedenen Schmankerln der Marktgemeinde.

Der Ansturm auf die vielen kulinarischen Angebote begann gleich nach der Eröffnung, auch die kalten Temperaturen hielten die Gäste nicht ab. Jeder Besucher war gut beraten, sich mit Winterjacke und Schal dagegen auszurüsten. Besonders auf dem Kartoffelfeld und bei der Vorführung alter Technik wehte der Böhmische Wind von Osten her. Dennoch kamen Tausende, um diesem Ereignis beizuwohnen. Unter den Gästen waren auch viele aus dem benachbarten Tschechien. Ein ganzer Bus voll Besucher kam aus Sokolov. "Bei uns gibt es so eine Art Fest nicht", erklärten sie.

Alte Technik im Mittelpunkt

Die Vorführungen alter Technik waren dicht umlagert: Da wurden Seile gedreht und Stricke geschlagen, Drischldreschen und eine alte Dreschmaschine vorgeführt. Auch eine alte Dampf-Antriebsmaschine fand Bewunderer. Der Traktor Klub Skalna war wieder aus der Tschechien mit seinen Oldtimern angereist und bereicherte die Bulldog-Parade. Auch führten sie das Graupen-Schlagen vor. Neu auf dem Fest war eine alte Kartoffel-Sortiermaschine, die Michael Weber als Leihgabe zur Verfügung gestellt hatte und von ihm wieder gangbar gemacht wurde. Sie fand reges Interesse bei den Besuchern. Besonders die Kinder waren fasziniert vom Drehen der Kurbel und dem Rütteln der Siebe. Großes Interesse fand auch die Raiffeisen-Landmaschinen-Ausstellung mit neuester Technik.

Als die Ernte auf dem Kartoffelfeld begann, gab es kein Halten mehr, um an die begehrten Knollen zu kommen. Kinder und auch Erwachsene mussten immer wieder ermahnt werden, genügend Abstand zu den alten Erntemaschinen zu halten. Dass hier gleich mit Handschuhen, Riesentaschen und Schaufeln angereist wurde und Kinder, für die das eigentlich gedacht war, um das Erlebnis des eigenen Erntens gebracht wurden, rief bei vielen Kopfschütteln hervor. Hier sollten die Veranstalter doch mehr auf den eigentlichen Sinn der Veranstaltung, die nicht im Anlegen eines Wintervorrats liegt, aufmerksam machen.

Die Besucherschlangen rissen besonders beim Dotsch-Stand, bei den Kartoffelspiralen und den Küchel einfach nicht ab. Mehr als 1 500 Küchel fanden ihre Liebhaber. Am Ende des Tages waren sie ausverkauft, ebenso wie die Schwarzbeerknödel, der Kartoffel-Apfel-Strudel und der Lammbraten. Auch die anderen Angebote gingen zügig über die Theke und fanden reißenden Absatz. Das Küchenbüfett mit über 140 Kuchen war ständig umlagert.

Riesige Torte

Die Show stahl aber allen Essensgenüssen die größte Kartoffeltorte der Welt. Zu ihr waren ein halber Zentner Kartoffeln, 50 Liter Sahne, knapp 300 Eier und 20 Kilogramm Preiselbeeren verarbeitet worden. Sie war eine Reminiszenz an den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, dessen 270. Geburtstag im August gefeiert wurde. Er weilte häufig in Böhmen - auch in der näheren Umgebung von Neualbenreuth - und hatte zu seinem 64. Geburtstag eine Kartoffeltorte geschenkt bekommen. Daran erinnerte Brigitte Meyer, die auch die Idee zu dieser Aktion hatte. Zum Anschnitt waren der Mitterteicher Bürgermeister Roland Grillmeier und sein Waldsassener Kollege Bernd Sommer gekommen. Die Kartoffeltorte fand reißenden Absatz und war innerhalb kürzester Zeit verputzt.

Gesucht wurde auch die größte Kartoffel. Dafür standen zahlreiche Preise bereit. Den 1. Platz belegte Elisabeth Friedl aus Schönkirch, die ein Drei-Gänge-Menü in der Altmugler Sonne gewann. Den zweiten und die folgenden Plätze belegte Marie Förster mit ihrer Familie aus Bad Alexandersbad, die zusammen mehrere Gutscheine gewann.

Durch den Tag führte wieder wie ein Bühnen-Profi Bürgermeister Klaus Meyer. Er zeigte sich begeistert, dass trotz des kalten Wetters so viele Gäste gekommen waren. Die Blaskapelle Ernestgrün im Festzelt sowie die Alleinunterhalter Franz Becker und Peter Rubner in den verschiedenen Budenstraßen spielten unermüdlich zur Unterhaltung der Gäste. Zur Blasmusik floss auch das Bier reichlich, während es draußen an den Ausschank-Stationen auf Grund der Kälte eher verhalten zuging. Der "Böhmische Traum", der immer wieder gewünscht wurde, erklang von allen Seiten mehrfach und beschloss auch dieses wunderbare 17. Kartoffelfest.

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