19.09.2019 - 15:46 Uhr
NeualbenreuthOberpfalz

Unscheinbare Tasche birgt viel Geschichte

Einen erstaunlichen Fund machte Altbürgermeister Albert Köstler 2010 im Rathaus Neualbenreuth. Gemeinsam mit dem historischen Arbeitskreis entschlüsselt er nun seine Geschichte.

Albert Köstler nimmt den Brief an Hildegard genau unter die Lupe, um die feine Sütterlinschrift entziffern zu können.
von Redaktion ONETZProfil
Der historische Arbeitskreis Neualbenreuth geht der Geschichte rund um Neualbenreuth auf den Grund. Dazu gehört auch der Fund der Habseligkeiten von Heinz Woith.
Der Brief von Heinz Woith an Hildegard Michalk
Die letzten Habseligkeiten von Heinz Woith waren 65 Jahre auf dem Dachboden des Rathaues in Neualbenreuth gelagert.

Der Sengerhof Neualbenreuth steht für eine Zeit, in der Landwirtschaft ohne große Maschinen und mit viel Handarbeit und größten Mühen verbunden war. Alte Gerätschaften und Besitztümer der Familie Schöner zeugen von dieser längst vergangenen Zeit. Aber nicht nur die bäuerliche Kultur soll im Sengerhof bewahrt bleiben.

Museumsleiter und Altbürgermeister Albert Köstler sammelt auch Objekte zur Geschichte Neualbenreuths allgemein. Einen besonders emotionalen Fund machte er im Jahr 2010 im Rathaus. Dort befand sich ein unscheinbarer Schulranzen und zuerst wollte er ihn einfach zurückstellen. Zum Glück hat er doch einmal einen Blick hineingewagt und eine bemerkenswerte Geschichte geborgen.

Zwei Briefe

Die Tasche enthält die Habseligkeiten eines deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Dazu gehören neben einer grauen Hose, einem Stofftaschentuch und einem Halstuch auch ein Löffel und eine Armbanduhr. In verschiedenen Ledertaschen hatte der Besitzer große Mengen Bezugsmarken für Kleider und Lebensmittel aufbewahrt. Besonders persönlich sind die beiden Briefe, die bei den Habseligkeiten gefunden wurden. Eine Nachricht stammt von der Schwester Lisbeth. Sie sorgt sich um ihren Bruder und berichtet von schweren Fliegerangriffen. Scheinbar musste der Soldat sich von einer Verletzung erholen, denn sie sendet ihm Genesungswünsche.

Einen zweiten Brief schrieb der Soldat an seine Freundin Hildegard in Sagar (Oberlausitz/Sachsen). Hier erfährt man auch seinen Namen: Heinz Woith. Er war wahrscheinlich auf Heimaturlaub in seinem Heimatort Sagan (heute Zagan in Polen), denn von hier stammt der Poststempel. Woith erzählt vom Skifahren und dem Besuch bei seinen Großeltern. In dem Brief vom 5. Februar 1945 äußert Woith die Hoffnung, seine Liebste bald wieder zu sehen. Leider hat er Hildegard Michalk wahrscheinlich nie erreicht, da er wieder an den Absender zurück ging.

Kurz vor Kriegsende

Auch ein Wiedersehen mit seiner Schwester und Hildegard blieben dem jungen Mann verwehrt. Auf einem kleinen Zettel heißt es handschriftlich: "Feldgendarm, gef. am 4.5.1945 unbekannt, beerdigt öst. Neualbenreuth am 8.5.45". Er starb also nur wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Umstände seines Todes sind unbekannt und ein Grab konnte nicht mehr sicher festgestellt werden. Auch wie er nach Neualbenreuth kam ist nicht bekannt.

Der historische Arbeitskreis versucht nun, mehr über diesen Soldaten in Erfahrung zu bringen und forscht in mehrere Richtungen dazu. Manchmal verstecken sich in den unscheinbarsten Behältern wahre "Schätze", die viel zu erzählen haben. Infokasten

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