31.08.2018 - 15:59 Uhr
Neudorf bei KonnersreuthOberpfalz

Bio ist "in" und doch gegen den Trend

"Bio boomt", sagt Landwirt Leo Häckl. Ein Verkauf ab Hof rentiert sich für ihn trotzdem oft nicht. Zu wenige Kunden sind auf dem Land bereit höhere Preise für Bio-Ware zu zahlen. Trotzdem ist er überzeugt: "Das ist der richtige Weg."

Etwa acht Wochen lang sind Gertraud, Alois und Barbara Häckl (von links) mit der Heidelbeerernte beschäftigt. Die süßherben Früchchen werden ab Hof gekauft und gehen an hiesige Bäckereien.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

(tr) "Spritzen muss nicht sein. Wenn ich überlege, was in Deutschland an Dünge- und Spritzmittel ausgebracht wird ... Da muss endlich gegengesteuert werden", sagt der Bauer, der seinen Hof gerade auf einen Biobetrieb umstellt. "So kann das einfach nicht weitergehen", ist sich der 54-Jährige sicher. "Jetzt sind wir schon soweit, dass das Trinkwasser gefährdet wird. Keiner kann sagen, was die Rückstände des jahrzehntelangen Spritzmittel-Cocktails im Boden anrichten."

Die Kombination macht's

Es heiße zwar immer, dass sich das meiste davon in Luft auflöse. "Aber irgendwas bleibt stets im Boden und reagiert miteinander. Da macht es die Kombination, Chemie ist da sehr findig", ist der Bauer überzeugt. "Es ist wirklich unfassbar, was an Bodenleben zerstört wird. Dabei sind Pilze, Regenwürmer und zahlreiche Mikro-Lebewesen wichtige Organismen, die den Boden fit halten." Wenn man leichtfertig die natürlichen Bodenaufbereiter immer wieder kaputt mache und versuche, dies mit Kunstdünger auszugleichen, komme man irgendwann nicht mehr weiter, ist er überzeugt. "Ohne Pessimist zu sein denke ich, dass wir, wenn wir so weitermachen wie bisher, in absehbarer Zeit voll gegen die Wand fahren."

Der große Profiteur dieses Wahnsinns sei die Industrie. Sie verkaufe Saatgut, Dünger, Spritzmittel und forciere, dass die Maschinen immer größer würden, ständig im Überfluss produziert und am Ende alles verschleudert werde, "weil wir nicht mehr wissen wohin damit". Häckl: "Das ist absolut irre, aber das geht schon so, seit ich denken kann." Dagegen will der Landwirt einen Beitrag leisten, "auch wenn die Umstellung meines Betriebes nur ein klitzekleiner Beitrag ist." Zwei anstrengende Jahre der Umstellungsphase liegen hinter der Familie. Aber es habe sich gelohnt, denn mittlerweile sei Bio rein wirtschaftlich gesehen durchaus vergleichbar mit konventioneller Landwirtschaft. "Es gibt gute staatliche Förderungen", weiß der Bauer. So lange nicht die Discounter die Vorherrschaft hätten, was derzeit die größte Gefahr darstelle, lasse sich gut wirtschaften. "Von der Arbeit her ist es teilweise sogar entspannter."

Förderpreis

Als starken Verband hat Häckl "Naturland" hinter sich, bei dem er Mitglied ist. Vom "Nabu" hat er als Umstellungsbetrieb sogar einen Förderpreis erhalten. Für den Landwirt ist es wichtig, ältere und damit robustere Sorten anzubauen. Der Verband gebe da gute Empfehlungen. Außerdem tauscht sich Häckl regelmäßig mit Gleichgesinnten aus. "Da bekommt man oft gute Tipps, so dass im Großen und Ganzen alles gut funktioniert." Ob es auf dem Hof biokonform zugehe, überprüfe ein Kontrollbüro, der Verband und staatliche Stellen, wie das Amt für Landwirtschaft und die Landesanstalt für Landwirtschaft. Mindestens einmal pro Jahr und unangemeldet.

Die starke Frau an Leo Häckls Seite heißt Gertraud und ist 50 Jahre alt. Zur Familie gehören zwei Söhne und zwei Töchter. Andreas ist 26 und Metallbaumeister. Der 24-jährige Johannes macht eine Ausbildung zum Techniker. Eva ist 19 und wird Erzieherin. Barbara ist 20 und studiert im dritten Semester Biologische Landwirtschaft in Triesdorf . Sie hat Ambitionen, den Hof einmal im Sinne der Eltern weiterzuführen. Gertraud Häckl hat eine Ausbildung in der ländlichen Hauswirtschaft gemacht, Leo Häckl ist gelernter Landwirt. Beide absolvierten außerdem drei Semester Landwirtschaftsschule. 1990 übernahmen sie den elterlichen Betrieb in Neudorf, 1994 den elterlichen Hof der Ehefrau in Kondrau. Bezogen auf die Region bewirtschaften sie einen mittelgroßen, 36 Hektar großen, Familienbetrieb.

Auf dem Hof stehen 24 Milchkühe mit Nachzucht sowie 30 Zuchtsauen. Auf 0,6 Hektar werden Kulturheidelbeeren und auf 0,7 Hektar Speisekartoffeln angebaut. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche von 35 Hektar teilt sich in l4 Hektar Dauergrünland und 21 Hektar Ackerland. Gedüngt wird mit hofeigener Gülle und Mist. Die Milch geht an die Bayerische Milchindustrie (BMI). Die Ferkel werden hofnah von einem einen Kilometer entfernten Naturland-Mäster abgenommen. Heidelbeeren werden ab Hof vermarktet. Außerdem werden auch ansässige Bäckereien beliefert.

Nicht zulasten der Umwelt

Die Vorgaben der konventionellen Landwirtschaft - immer mehr Dünger, immer mehr Chemie, immer höhere Erträge und Leistungen zulasten der Umwelt und der Tiere - will die Familie nicht mehr erfüllen. "Auch die Option, mit ins Rennen um Pachtgrund einzusteigen und somit den stark expandierenden Biogas- beziehungsweise Kuhbetrieb zu konkurrieren, wollen wir nicht." Die Alternative, den Hof aufzugeben, habe nie zur Debatte gestanden. Den Namen Häckl gibt es seit 1840 auf dem Hof. Damals hat Leos Urgroßvater dort eingeheiratet. "Das Anwesen wurde Anfang des 14. Jahrhunderts bei der Neugründung von Neudorf durch die Mönche aus Waldsassen angelegt", vermutet der Betriebsleiter.

AELF motiviert

"Anfangs versuchten wir, den Spagat zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft mit weniger chemischem Mitteleinsatz und Mineraldünger auf den Feldern und Wiesen zu meistern. Auf zehn Prozent unserer Wiesen verzichteten wir auf jegliche Düngung. Wir gaben den Maisanbau zugunsten von Kleegras auf. Um unseren Tieren mehr Platz zu geben, bauten wir einen neuen Laufstall für die Kühe und stellten die Zuchtsauen auf Gruppenhaltung um", erzählt Häckl. "Wir pflanzten auch noch etwa 350 Meter Hecke rund um die Heidelbeeren."

Nicht zuletzt eine Aussage eines langjährigen Beraters vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) habe die Familie zum Schritt in Richtung Bio motiviert. ,,Stell doch auf Bio um, du bist doch eh schon ein halber Bio-Bauer", habe der gesagt. Auf den Wiesen versuchen die Häckls verstärkt, eine größere Artenvielfalt durch Nachsaat und späteren Schnittzeitpunkt zu erreichen. Nistmöglichkeiten für Turmfalken, Singvögel und Fledermäuse sind auf dem Hof ebenfalls zu finden und werden gepflegt.

Leo Häckl hat jahrzehntelange Erfahrung in der Landwirtschaft und gibt dieses Wissen an die gesetzte Hofnachfolgerin, Tochter Barbara weiter.

Auch Rückschläge bleiben in der Umstellungsphase nicht aus. Hier hat der Kartoffelkäfer ganze Arbeit geleistet. Die Ernte ist aber nicht komplett verloren. Unter der Erde sind bereit viele Kartoffeln gewachsen.

In diesem heißen Sommer sind die Heidelbeeren besonders gut gereift.

Die Heidelbeerplantage am Hof der Famlie Häckl ind Neudorf.

Direkt an den Freilaufstall grenzt jetzt eine Weide an. Damit haben die Kühe die Möglichkeit nach Belieben zwischen In- und Outdoor zu wählen.

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