02.11.2020 - 11:22 Uhr
Neuenhammer bei GeorgenbergOberpfalz

"Franz Xaver von Schönwerth ist einer von uns"

Erika Eichenseer beschreibt den Oberpfälzer Volkskundler. Die Errichtung des Sagen- und Märchenpfads geht ihrem Ende entgegen. Wenn alles gutgeht, soll im kommenden Jahr die Einweihung über die Bühne gehen.

Präsident Johann Walbrunn (Dritter von rechts) freut sich über das Lob der Pleysteiner Wandergruppe: "Hier ist ein großartiges Werk entstanden."
von Josef PilfusekProfil

Wie gerne hätte die Franz-Xaver-von-Schönwerth-Gesellschaft den Abschluss der Errichtung des Sagen- und Märchenpfads „Auf Schönwerths Spuren im Zottbachtal“ groß gefeiert. „Covid-19 lässt das leider nicht zu“, bedauern Präsident Johann Walbrunn sowie seine Stellvertreterin Erika Eichenseer und setzen ihre Hoffnung auf 2021.

Große Freude

Die Freude ist dennoch groß, dass das Werk nun dem Ende zugeht. Laut Eichenseer, die für den bekanntesten Volkskundler der Oberpfalz förmlich brennt und ihn noch bekannter machen möchte, „ist ein Denkmal entstanden für Franz Xaver von Schönwerth, den Forscher, Sammler und Bewahrer des Wissens um die ländlichen Sitten und Sagen im 19. Jahrhundert“.

Dabei beschreibt die Regensburgerin Schönwerth (geboren am 6. Juli 1810 in Amberg, gestorben am 24. Mai 1886 in München) als „aufmerksamen Beobachter des Verfalls von Brauch, Sitte und Sprache sowie der Gefährdung der Natur, unersättlichen Zuhörer von mündlich erzählten Geschichten, letzten Zeugen einer sprudelnden Erzählkultur, authentischen Aufzeichner und Bewahrer dieser Geschichten, die unverändert, ungeschönt in unsere Zeit gelangt sind“.

Idealer Ausgangspunkt

Für die Vizepräsidentin ist Neuenhammer der ideale Ausgangspunkt des Sagen- und Märchenpfads. „Die Ortschaft ist der Geburts- und Heimatort seiner Frau Maria, geborene Rath, und gilt als Zentrum der Forschungen des heimatverbundenen Oberpfälzers, dem Grimm-Bewunderer und Generalsekretär des Bayerischen Königs Max II.“

Dazu komme, „dass dieses Denkmal in die neue Zeit gerückt ist und regionale Künstler inspiriert hat, die Gedankenfäden der alten Geschichten aufzunehmen.“ Deshalb steht für sie fest: „Sie alle haben ein bleibendes Zeugnis geschaffen für Vergangenes im neuen Gewand.“ Und so gelten ihnen Dank und Anerkennung für den uneigennützigen Einsatz.

„Drah di um und schau, wous’d herkummst“ ist laut Eichenseer „eine Stimme unserer Generation, die immer lauter wird, je mehr wir in das Geschenk der Natur eingreifen“. Als eines dieser Geschenke bezeichnet sie das Wasser, „das unseren Vorfahren immer schon Notwendigkeit und Gefahr war, gebraucht und gefürchtet“.

Nixe und Wassermann

Und genau dieses Wasser gehört zu Neuenhammer. Schließlich führt der Sagen- und Märchenweg entlang des Zottbachs auf dem Spazierweg Schönwerths nach Pleystein und beginnt mitten in der Ortschaft mit der Skulptur „Im Rachen des Wassermanns“. Diese hat Günter Mauermann aus Weiden angefertigt. Der Einstieg in den Wanderweg ist dann am Waldbeginn in Richtung Prollermühle mit der Nixe, die auf Erlösung gewartet hätte. Karl Fröhlich aus Altenhammer hat ihre schwere Badewanne angefertigt. „Des Windes Heulen“ heißt die Skulptur aus Bronze von Engelbert Süß aus Pfreimd.

Weitere sehenswerte Highlights stellen die Kunstwerke „Der Mond im Brunnen“ (Engelbert Süß), „Im Bann der Wasserfrau“ von Jeff Beer aus Gumpen, Stadt Falkenberg, „Die goldene Schuppe“ (ebenfalls von Günter Mauermann), die zwölf „Holzfräulein“ von Thomas Simon aus Lupburg sowie „Die feindlichen Köhler“ von Axel T Schmidt aus Pirk dar.

Zum Gesamtprojekt gehört auch der Informationspavillon entlang des Parkplatzes an der Kreisstraße NEW 32 im Ortsteil Hammermühle mit Sprüchen Schönwerths. Ein dickes Lob geht unter anderem an Diplom-Ingenieur und Architekt Günter Naumann. „Er begleitet die Maßnahme mit Herzblut“, würdigt Johann Walbrunn das Engagement des Regensburgers.

„Franz Xaver von Schönwerth war zu bescheiden, zu wenig auf seinen eigenen Ruhm ausgerichtet und geradezu besessen, sein Werk mit der Widmung „Meinem Heimatlande, der Oberpfalz“ so vollständig wie möglich zu hinterlassen“, beschreibt Eichenseer den Volkskundler, der zwischen 1857 bis 1859 sein dreibändiges Werk „Aus der Oberpfalz – Sitten und Sagen“ veröffentlich hat. „Somit sind er und seine Arbeit schlichtweg vergessen worden, auch in der Oberpfalz“. Umso mehr freut sie sich, dass sie mit dem Sagen- und Märchenweg wieder mehr in das Bewusstsein gerückt werden.

Dank für Lebenswerk

„Damit soll ihm Dank gesagt werden für sein Lebenswerk, das ihn trotzdem überdauert hat, für die Hunderte von Geschichten, die ohne ihn unrettbar beim Aufbruch in eine neue Zeit verschüttet worden wären und für das Bewusstsein für das hohe Alter gerade dieser Region und deren Reichtümer daraus.“ Auf dem neuen märchenhaften Sagenweg sind es für Eichenseer meist die Wasserfräulein, „die uns eine scheinbar glitzernde Welt zeigen, die aber doch trügerisch ist für die, die sich täuschen lassen“.

Der Internetauftritt der Franz-Xaver-von-Schönwert-Gesellschaft

„Nirgendwo in ganz Deutschland ist umsichtiger, voller und mit so leisem Gehör gesammelt worden.“ Das hat kein Geringerer als Jacob Grimm festgestellt und mit seiner Aussage die hohe Wertschätzung gegenüber der Arbeit von Franz Xaver von Schönwerth zum Ausdruck gebracht. Schließlich hat dieser als Erster eine Fülle von Belegmaterial zur Erzähl- und Alltagskultur der breiten Bevölkerung in der Oberpfalz zusammengetragen.

Dreibändiges Werk

Fachleuten ist Schönwerth vor allem bekannt durch sein dreibändiges Werk „Aus der Oberpfalz – Sitten und Sagen“, das zur Ausbildung einer kulturellen Identität seiner Landsleute beigetragen hat. Sein immenses Sammelwerk, das bis heute nur zu einem kleinen Teil publiziert worden ist, gehört laut Professor Daniel Drascek (Lehrstuhl für vergleichende Kulturwissenschaften an der Universität Regensburg) „zu den bedeutendsten Beständen seiner Art im deutschsprachigen Raum“.

Trotz mehrfacher Initiativen, Persönlichkeit und Schönwerths Werk bekanntzumachen, war er fast in Vergessenheit geraten. Dies wollte die 2009 gegründete Franz-Xaver-von-Schönwerth-Gesellschaft gründlich ändern. Durch eine Vielzahl von Aktionen und Aktivitäten ist in den vergangenen Jahren sehr viel erreicht worden, und Schönwerth hat seine längst verdiente breite Anerkennung erfahren. Der Volkskundler ist endlich in seiner ostbayerischen Heimat angekommen, aber auch weltweit, ausgelöst etwa durch einen Artikel in der englischen Zeitung „The Guardian“ am 5. März 2012. Im Übrigen entsteht in Neuenhammer nicht der erste Pfad zum Gedenken an den großen Oberpfälzer. Beispiele sind der Märchenpfad in Sinzing und der Märchengarten in Wackersdorf.

"Die feindlichen Köhler" zählen ebenfalls zu den Kunstwerken entlang des Sagen- und Märchenpfads.
"Der Mond im Brunnen" ist eines der Kunstwerke entlang des Sagen- und Märchenpfads.

 

 

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