28.06.2021 - 11:07 Uhr
Neuenhammer bei GeorgenbergOberpfalz

Georgenberg: Führungen auf dem Sagen- und Märchenpfad können starten

Viele Wanderer aus der näheren und weiteren Umgebung nehmen den Weg gerne an. Ihnen stehen künftig auch drei Führerinnen zur Seite.

Erika Eichenseer und Johann Walbrunn (hinten) freuen sich über die Bereitschaft von Zuzana Slanař, Bianca Kreuzer und Susanne Schieder (von links), Führungen auf dem Sagen- und Märchenpfad "Auf Schönwerth Spuren im Zottbachtal" vorzunehmen.
von Josef PilfusekProfil

Johann Walbrunn und Erika Eichenseer steht die Freude ins Gesicht geschrieben. „Der Sagen- und Märchenpfad ‚Auf Schönwerths Spuren im Zottbachtal‘ wird gerne angenommen“, stellten der Präsident der Franz-Xaver-von Schönwerth-Gesellschaft und seine Stellvertreterin fest. „Es kommen viele Wanderer aus der näheren und weiteren Umgebung.“ Jetzt geht es für die Vizepräsidentin, die dem Projekt ihren Stempel aufgedrückt hat, weiter. Schließlich soll der Weg auch belebt werden durch geführte Gruppen, die gezielt über Schönwerth und seine Geschichten erfahren sollen. Und da freute sie sich, dass die Gemeinde Bianca Kreuzer aus Hammermühle, Zuzana Slanař aus Neukirchen zu St. Christoph und Susanne Schieder aus Georgenberg für Führungen, auch in tschechischer Sprache, gewonnen hat. Deshalb war sie am Freitag aus Regensburg angereist, um dem Trio nahezulegen, was ihr bei den Führungen wichtig erscheint.

Laut Eichenseer „sollen die Geschichten eingebettet sein in die Zeit, aus der sie kommen. Vieles ist nämlich noch in der mythischen Vorstellungs- und Götterwelt aus vorchristlicher Zeit verankert.“ Das gelte auch für die Zeit, in der Schönwerth gesammelt hat. „Politisch heißt das, dass Altbayern unter König Max II., dem Freund und Arbeitgeber Schönwerths, erweitert wurde um die drei fränkischen und den schwäbischen Regierungsbezirk“, ließ Eichenseer wissen. „Mit Schönwerths gewissenhafter volkskundlicher Arbeit konnte er die stammesmäßig schwierige Situation erträglich machen. Dafür bekam er vom König den Adelstitel ‚von Schönwerth‘“.

Ihren Schilderungen zufolge strebte das Königreich Bayern mit der Entmachtung Ludwigs II. seinem Ende zu und war kein selbstständiger Staat mehr. Die industrielle Revolution fegte übers Land mit der Erfindung der Dampfmaschine, den Eisenwerken und damit der „Abschwendung“ der Wälder für Holzkohle. Damit verbunden waren unendliche Armut, Arbeitslosigkeit und Massenauswanderung in die größeren Städte München und Nürnberg sowie nach Amerika. Die Landwirtschaft erlaubte keine Weidehaltung mehr, und die Wälder wurden unbarmherzig überwacht. „In diesem Umfeld der Armut und des Druckes von oben wurde auch das Erzählen immer weniger“, blickte Eichenseer zurück.

„Schönwerth schreibt etwa 1850, es sei 5 vor 12 für Aufzeichnungen.“ Deshalb soll vermittelt werden, was Neuenhammer und die engste Umgebung für einen Rang in der Schönwerth-Forschung haben. „Seine Frau Maria, eine geborene Rath, stammt aus dem Hammerschloss“, erzählte die Vizepräsidentin. „Die beiden haben in der Kirche dort 1856 geheiratet und acht Kinder großgezogen.“ Besonders wies die Expertin darauf hin, „dass Schönwerths sämtliche Aufzeichnungen zum Brauchtum und zu den Geschichten aus der Oberpfalz aus mündlichen Befragungen stammen. Die höchste Erzähldichte können wir im Raum Neuenhammer feststellen.“

Hier geht's zum Bericht über die Einweihung des Sagen- und Märchenpfads

Neuenhammer bei Georgenberg
Service:

Führungen auf dem Sagen- und Märchenpfad

  • 11. Juli, 8. August, 21. August, 12. September, 2. Oktober und 10. Oktober in deutscher Sprache; Anmeldung unter der Telefonnummer 0151/26324229 oder per E-Mail sagenweg[at]gmail[dot]com (das gilt auch für Termine für feste Gruppen)
  • 4. Juli und 26. September in tschechischer Sprache; Anmeldung unter der Telefonnummer 09658/9130777 oder E-Mail zuzana.slanarova[at]centrum[dot]cz
  • Beginn jeweils um 14.30 Uhr; Preise: 5 Euro (Erwachsene), 3 Euro (Kinder) und 12 Euro (Familienkarte).

Weitere Informationen: www.georgenberg.de und www.schoenwerth.de

 

 

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