28.05.2020 - 16:49 Uhr
Oberpfalz

Neues Album: Jasmin Tabatabai macht "Jagd auf Rehe"

Jasmin Tabatabai - die Dame mit dem so harmonischen und für deutsche Zungen nicht leicht auszusprechenden Namen ist eine der ganz großen und bekannten Schauspielerinnen. Jetzt hat sie ein neues Musikalbum veröffentlicht. Ein Interview.

Jasmin Tabatabai: Hut ab vor so viel Talent.
von Autor MFGProfil

Sie hat „Bandits“ im Angebot, ein launiges Road-Movie, mit Katja Riemann, Jutta Hoffmann und Nicolette Krebitz an der Seite. Fast eine Million Zuschauer freuten sich 1997 über das anarchische Road Movie, in dem vier Frauen im Knast eine Band gründen, unverhofft fliehen können - und sich auf der Flucht eine Riesenschar Fans sichern. Da ist die Kommissarin Mina Amiri in der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“, deren Einsätze Millionen von Fernsehzuschauern regelmäßig verfolgen. In etlichen anderen renommierten Krimi-Reihen ist die Deutsch-Perserin gleichfalls präsent.

Aber Jasmin Tabatabai, die Sängerin? Auch die ist definitiv keine Unbekannte. In den 90ern gründete sie die Frauen-Popband Even Cowgirls Get The Blues. Anno 2011 erschien ihr erstes Solowerk mit deutschsprachigen Liedern, wofür die Dame, Jahrgang 1967, mit einem „Echo-Jazz“ ausgezeichnet wurde.

Jetzt ist Deutsch-CD Nummer drei, „Jagd auf Rehe“, in den Handel gekommen. Ein wilder Reigen aus Jazz, Chanson, Folk und Orientalischem, vorgetragen in Deutsch, Englisch, Französisch und Persisch. Produziert worden ist „Jagd auf Rehe“, wie Tabatabais Vorgängeralben, vom Baseler Musiker und Komponisten David Klein. „Ich bin sehr sehr stolz auf diese Platte“, lacht das Energiebündel vergnügt am anderen Ende der Telefonleitung.

Jasmin Tabatabai.

ONETZ: Warum machen Sie - zumindest verrät uns das der Titel Ihres neuen Albums - „Jagd auf Rehe“? Was mögen Sie nicht an diesen eigentlich putzigen Tieren?

Jasmin Tabatabai: Ich mag Bambi, das gleich vorweg! (lacht) Tatsächlich geht es bei diesem, durchaus provokanten, Titel um etwas ganz anderes. Es ist die Übersetzung des alten, traurigen, persischen Liebeslieds namens „Shekare Ahoo“, welches sich auf meiner neuen Platte befindet. Der bekannte iranische Musiker Mohsen Namioo hat es für mich ausgesucht. Ich kannte es vorher schon. Allerdings nur vage, aus meiner Kindheit. Deshalb hat die Interpretation nur am Rand mit Heimweh und Sehnsucht zu tun. Doch es ist eine berührende Nummer, die ich liebend gerne ins Repertoire aufgenommen habe.

ONETZ: Neben genanntem Lied aus dem Iran finden wir auch Stücke in deutscher, englischer und französischer Sprache. Woher kommt diese Leidenschaft fürs Multi-Kulturelle?

Jasmin Tabatabai: Ich beherrsche vier Sprachen fließend, alle Idiome besitzen einen eigenen Charakter. Und wenn ich sozusagen mit unterschiedlichen Zungen singe, bekommen die Lieder zwangsläufig eigenen Mentalitäten. Sie nehmen die Persönlichkeit ihrer Herkunft an. Dieser Umstand fasziniert mich sehr.

ONETZ: Produziert worden ist „Jagd auf Rehe“, wie Ihre beiden Vorgängerwerke vom Baseler Musiker und Komponisten David Klein. Was verbindet Sie miteinander?

Jasmin Tabatabai: David ist seit 2011 mein musikalischer Partner. Er kennt mich als Sängerin in- und auswendig und weiß genau, welche Lieder zu mir und meiner Stimme passen. Unser Vertrauensverhältnis ist dermaßen große, dass ich - selbst wenn ich anfänglich von einem Stück nicht überzeugt bin -, es immer schaffe, mich so darin zu vertiefen, dass wir am Schluss beide davon begeistert sind.

ONETZ: Sie sind einerseits Schauspielerin, andererseits Sängerin. Laufen Sie nicht an manchen Tagen Gefahr, schizophren zu werden?

Jasmin Tabatabai: Das funktioniert sehr gut mit den Häutungen. Auch deshalb, weil diese beiden Berufe im Gunde ihres Herzens viel miteinander zu tun haben. Im Grunde ihres Herzens dreht sich bei den zwei Jobs alles um Emotionalität. Nur sind die Herangehensweisen äußerst unterschiedlich. Aber im Endeffekt erwarte ich ein Ergebnis, das mich und hoffentlich auch die Leute im Inneren berührt.

Das Cover des Albums «Jagd auf Rehe» .

ONETZ: Wir hören bei „Jagd auf Rehe“ einen wilden Stilmix aus Jazz, Chanson, Liedermacher-Tradition, Folklore, Pop. Was ist dieses Konglomerat denn nun?

Jasmin Tabatabai: Muss man es denn kategorisieren? Wir befinden uns mit diesem „wilden Stilmix“ auch durchaus in der Jazz-Tradition von Miles Davis oder John Coltrane, die auf ihren Alben jeweils Broadway-Hits, damalige Schlager, Kompositionen von Musikerkollegen sowie Eigenkompositionen aufnahmen. Ansonsten bin ich eine Künstlerin, die sich zeitlebens jedweden Erwartungshaltungen verweigert hat. Jedes meiner Alben lebt von unterschiedlichsten kreativen Ausrichtungen. Letztlich geht es um pausenlose Weiterentwicklung. Mir wird schnell langweilig.

ONETZ: Die Medien nennen Sie und Ihre Stimme immer mal wieder gerne in einem Atemzug mit Marlene Dietrich oder Hildegard Knef. Schmeichelt Ihnen das?

Jasmin Tabatabai: Natürlich tut es das! Nicht umsonst findet man dieses Mal ein Knef-Cover namens „Sei mal verliebt“. Jedenfalls kann einem Schlimmeres passieren als diese beiden Vergleiche. Da werde ich schon mal rot. (lacht) Was man auch wissen sollte: Beide Diven waren wie ich keine klassisch ausgebildeten Sängerinnen. Doch ihre Stimmen waren ausdrucksstark und unverkennbar: Und ja: Beide Ladies waren wie ich Schauspielerinnen…

ONETZ: Auf Ihrer neuen Scheibe finden sich kaum Eigenkompositionen. Warum ist das so?

Jasmin Tabatabai: Das ist purer Zeitmangel! Ich habe, glücklicher Weise, zwei Jobs. Ich habe drei Kinder, zwischen 6 und 17 Jahren. Unter solchen Umständen bleibt nicht viel Zeit fürs Komponieren. Ich bin ein totaler Familienmensch. Deshalb stehen die Kids stets im Vordergrund. Zum Glück habe ich mit dem Schauspieler Andreas Pietschmann seit 2007 einen Partner an meiner Seite, der voll und ganz hinter mir steht. Andreas tut das gerne. Er scheint gewusst haben, auf wen er sich einlässt. (lacht)

Jasmin Tabatabai auf der Berlinale 2016.

ONETZ: Vater Ihrer ältesten Tochter ist der amerikanische Musiker Tico Zamora, den Sie am 1. Juni 2003 geheiratet haben, von dem Sie aber seit dem Sommer 2006 getrennt leben. Haben Sie noch Kontakt zum Ex?

Jasmin Tabatabai: Ganz klar, schließlich ist er Vater eines meiner Kinder. Daran wird sich nie etwas ändern. Zwar lebt die Kleine jetzt bei mir und Andreas, zusammen mit unseren beiden gemeinsamen Kids, Sohn und Tochter. Doch das Ganze funktioniert zum Glück richtig gut.

ONETZ: Zurück zum aktuellen Werk: Dafür konnten Sie eine Reihe exzellenter Profi-Musiker gewinnen, darunter Pianist Olaf Polziehn, der bereits mit Soul und Jazz-Ikone Patti Austin kooperiert hat, Bassist John Goldsby und Schlagzeuger Hans Dekker, die bei der WDR-Big Band mitmischen, natürlich „Maestro“ David Klein und sein Quartett. Wie darf man sich die Zusammenarbeit mit jenen Koryphäen vorstellen?

Jasmin Tabatabai: Musiker von diesem Kaliber wissen, wie man eine Sängerin begleitet. Das Schlagzeug ist nie zu laut. Olaf trägt mich mit seinem Akkordeon auf Händen. Und John sorgt für den Groove. Sie sind aber keineswegs auf eine reine Begleitfunktion reduziert, sondern spielen live ausgedehnte Soli. Ich bin musikalische Autodidaktin, kann demnach keine Noten lesen. Meine versierten Mitstreiter meinten zu mir, das sei nicht weiter dramatisch. Sie können zwar durch die Bank Noten lesen. Gleichzeitig sind das Jazzer. Die spielen die Lieder jeden Abend live in neuem Gewand. Diese intuitive Herangehensweise kommt mir sehr entgegen.

ONETZ: Sie und Ihre Combo - basiert diese Zusammenarbeit auf Freundschaft?

Jasmin Tabatabai: Auf jeden Fall mögen und respektieren wir uns gegenseitig sehr. Ich denke, dieser Umstand ist der wichtigste, wenn man ordentlich künstlerische Arbeit abliefern will.

ONETZ: Wie ist das Verhältnis zu Ihrer Sing-Stimme, ganz persönlich?

Jasmin Tabatabai: Ich habe mich nie als Rock-Sängerin gesehen. Mich interessiert vor allem das Emotionale in meiner Stimme. Hauptsache Gefühl! Diesen Anspruch habe ich niemals verleugnet. Damit bin ich vermutlich und hoffentlich immer ganz gut gefahren.

Tabatabai will laute Frauen

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