05.07.2020 - 15:04 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Aus dem Leben eines "Isar-Indianers" kurz vor dem 70. Geburtstag von Willy Michl

Man findet für Willy Michl sicher viele Charakterisierungen – die Bandbreite von schräg über skurril und wuchtig bis schelmisch ist grenzenlos. Nur eins ist er nicht: Mainstream.

Wenn der Indianer ruft, dann kommen die Fans - so wie am Freitagabend zum Open Air am Schafferhof
von Holger Stiegler (STG)Profil

Die einen lieben ihn, die anderen können nichts mit ihm anfangen. Dass er Kultcharakter hat, beweist Willy Michl am Freitagabend beim Open-Air-Konzert am „Schafferhof“ in Neuhaus.

Für den Künstler und die Location ist es der „Restart“ nach der konzertlosen Corona-Zeit. Weit über 100 Besucher sind gekommen, um den bayerischen „Isar-Indianer“ unter freiem Himmel zu erleben. Entspannt sitzt Michl, der am kommenden Donnerstag 70. Geburtstag feiert, neben seiner Frau und Muse Cora lange vor Konzertbeginn am kleinen Merchandise-Stand. Kurz bevor es dann losgeht, steckt er seine Indianer-Federn zu recht und prüft den richtigen Sitz mit der Selfie-Funktion des Smartphones.

Willy Michl ist am Schafferhof kein Unbekannter. Sein Dank an seinen „Bruder“ Kitty Fütterer natürlich groß, das erste Konzert nach der Corona-Pause gerade hier geben zu dürfen. Michl wird nicht nur als der Begründer des „bayerischen Blues“ angesehen, sondern auch als der, der all das, was heute unter bayerischer „Heimatsound“ läuft, initiiert hat.

Willy Michl, der Isar-Indianer mit Künstlernamen "Sound of Thunder", sorgt auch mit 70 Sommern auf dem Buckel für echte Konzerterlebnisse

Das wird auch an diesem Abend deutlich, die knapp zweieinhalbstündige Open-Air-Darbietung – auch verständnisvolle Nachbarn machen dies möglich – ist eine Mischung aus Blues, Gitarrensoli, politischen und indianisch-philosophischen Botschaften. Das ganze ist angereichert mit einem großen Schatz an Anekdoten aus dem Leben des „Sound of Thunder“ (so der offizielle Künstlername).

In seinem Programm – das offensichtlich von einem nicht zu unterschätzenden Maß an Spontaneität lebt – unternimmt Michl eine Tour d‘Horizon durch sein Schaffen der vergangenen über 45 „Sommer“ – denn so zählt nun mal ein echter Indianer. Er singt von „Green War“ („In dieser Zeit ist mir GreenPeace auf den Senkel gegangen!“), stimmt „Blues go to mountain“ an, besingt die „Warm and tender love“ und -klar- natürlich seinen großen Hit „Isarflimmern mitten im Paradies“, der gerne auch als „zweite“ Bayern-Hymne gesehen wird. Willy Michl singt und spielt fürs Publikum und mit dem Publikum. Es macht ihm Spaß, die hellen blitzenden Augen des Künstlers belegen dies. Und immer wieder darf auch seine Muse Cora, die aus der Oberpfalz stammt, für die ein oder andere Anekdote herhalten.

Willy Michl, der Isar-Indianer, wird am Donnerstag 70. 45 Jahre davon war er als Künstler unterwegs.

Zwischendrin sinniert der Indianer über die Wertschätzung des Wassers, des Lebens und über das Zusammenleben der Menschen („Wir sind alle Menschen der Erde und unterscheiden uns durch nichts von anderen Menschen!“). Und er erklärt, warum und für wen er die Federn trägt: „Ich trag‘ die sogar für den Scheiß-Trump – damit er’s sieht!“. Musikalisch geht Willy Michl auf alle Fälle in die Vollen: Da ist „La Paloma“ genauso dabei wie „Katmandu“, „The Twist“ und „Blue Suede Shoes“. Äußerst textsicher zeigt sich das Publikum auch bei Michls bekannten Liedern wie „Una bella signorina“ und „Schwabing“. Ganzen „Körpereinsatz“ dürfen die Fans schließlich bei der Kufensport-Hymne beweisen, die Willy Michl geschrieben hat und die in der Region durch die „Troglauer Buam“ noch eine Spur populärer wurde – nämlich dem „Bobfahrerlied“.

Da sich im Laufe der Zugaben eine Gitarrensaite verabschiedet, bekommen die Zuhörer zum Abschluss nochmals einen Einblick in die Michl’sche philosophische Gedankenwelt. Und es bleibt die Erkenntnis: So schräg und g’spinnert er auch sein mag, genauso authentisch ist er auch.

Der Schafferhof ist immer wieder Ort hochwertiger Kulturveranstaltungen

Neuhaus/Windischeschenbach

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