01.04.2019 - 16:39 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Leibesübungen mit Schultertanz

Die „gwohnte Gäng“ ist unterwegs. Dieses Mal am Schafferhof. Diejenigen, die sich vom komischen Namen "Pam Pam Ida" nicht schrecken ließen, bekommen ein tolles Konzert um die Ohren.

"Pam Pam Ida" am Schafferhof.
von Franz VölklProfil

„Wenn wir oben auf der Bühne stehen, haben wir so richtig Bock auf unsere Musik und auf das ganze Drumherum“, erklärte Christian Winkler (26), einer aus dem Sextett "Pam Pam Ida". Beim Konzert am Schafferhof in Neuhaus hatten die Mannen um Sänger Andreas Eckert diese Aussage dick unterstrichen. „Sauber“ heißt das aktuelle Album, mit dem sie „on Tour“ sind und auch in der nördlichen Oberpfalz Station machten. Ungewöhnlich sind sie allemal, wenn sie ihre Geschichten auf Bayerisch erzählen. Die Gruppe hat einen unglaublichen Wiedererkennungswert hinsichtlich des doch etwas sinnfreien Namens, der frisch auftretenden Band und des eigenwilligen aber absolut begeisternden Sounds. Die Tenne war ausverkauft und schnell war nicht nur die Hitze im Raum, sondern auch das Gemüt der Ü25-Besucher kochte über. „Sauber hat mit der Seelenhygiene des Menschen zu tun“, meinte Eckert, der studierte Klavierpädagoge ist und seine Musik auf der Bühne mit Stimme und Körper lebt. Spätestens nach der letzten Zugabe, aus dem „alten Album“ der Gruppe mit dem Titel „Schultertanz“, waren sämtliche Besucher, die auch mit einer gewissen Textsicherheit beim Mitsingen die Musiker verblüfften, vollkommen locker. Alle klatschten und die Schultern kreisten zur Musik von "Pam Pam Ida". „Ich grüße das Urvolk der Tschitscherlbocher“, zeigte Eckert zu Beginn des Konzerts, dass er nicht unvorbereitet in die Region gekommen war. Nach einer Tourwoche im Norden in Hamburg, Hannover oder auch Paderborn sei es für die Band aus der oberbayerischen Pampa Sandersdorf wieder schön, daheim vor Publikum das einem versteht, zu spielen.

Etwas unheilvoll eröffnete die Band mit bedrohlichen Tönen und dem Lied Tommy, einen tauben Kater den die Nachbarin beim Rasenmähen übersehen hatte. „D'Nachbarin hod unsern Koda zammgmaht und wegrasiert“, sang Eckert eine Art Requiem für den „Koda“. Der Frontmann sang davon, dass er sich manchmal wie ein „Gockl auf der Stang“ oder auch ein Zeisig auf dem Ast oder räudiger Hund fühlt, den zum beißen die Kraft und zum Bellen der Grund fehlt. Beim „Komplett ignorieren“ sprachen die Musiker den Konzertbesuchern aus der Seele und zeigten Verständnis dafür, dass – wenn man mal schlecht drauf ist – der andere einem an diesem Tag einfach ignorieren sollte. Bevor die Gruppe das „I fahr an Diesl“ anstimmte, philosophierte der 46-jährige Bassist Jürgen Neumeier ausgiebig über die Möglichkeit, alternativ mit dem Radl ins Nachbardorf zum textilfreien Baden zu fahren.

Um die vielen nötigen und unnötigen Sachen zum Verkauf anzupreisen wurde noch auf der Bühne eine "Trauerfeier" organisiert. Drummer Julian Menz forderte auf, das ganze Graffel, dass sie mitgebracht hätten, doch zu kaufen. So marschierte der Trauerzug durch die Reihen und intonierte ihr „Kaff den Scheiß!“, selbstverständlich auf bayerisch.

Aus dieser Pause holte "Pam Pam Ida" die Leute mit zwei Tenorhörnern und dem „Optimisten“ und Frontmann Eckert suchte seine „Anna“. Auf einer Bierkiste, entledigte sich Oberlippenbartträger Eckert seiner Jacke und zeigte seinen drahtigen Oberkörper im modischen Batik-Shirt und schüttete sich bei der Ballade ein Glas „Gin ins Gesicht“. Gitarrist Daniel Randlkofer griff dabei bei seinen Soli so richtig in die Saiten.

Nach dem Flug zum Mond spielten sie ein Lied über ein altes Liebespaar („I hoit an Dir fest“), für den der andere ewig schön bleibt.

Kreativmann Eckert sang und plauderte sich humorvoll durch den Abend, griff sich Gitarren, Blockflöte, Blasinstrument oder Christian Winklers Keyboard; der blies auch gern mal ins Saxophon.

Die sechsköpfige Formation spielte genau die außergewöhnliche, frische, freche und dynamische Mundartmusik gepaart mit einheimischer Ironie, Zynismus, Herzschmerz und Lethargie, die ihre Zuhörer von ihnen erwarteten. Ihnen war auch körperlich die Freude an ihrem Tun anzusehen, was auf die Besucher des Abends „übersprang“. Absolut keiner hatte das Kommen zur „gwohnten Gäng“ mit dem komischen Namen bereut!

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