28.07.2019 - 15:15 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Lieder, Granit und Sagen

Natur und Kultur gehen eine harmonische Verbindung ein, schaffen eine musikalische und sprachliche Meditation für Herz und Seele. Die Jubiläumswanderung zum 25. Geburtstag der NT-Hilfsaktion „Lichtblicke“ wird zum Fest der Sinne.

von Redaktion ONETZ Kontakt Profil

Geschäftsführende Verlegerin Viola Vogelsang-Reichl begrüßte am Samstagvormittag auf dem Parkplatz am Kriegerdenkmal die 25 Teilnehmer zu einer Benefizwanderung durch das im doppelten Sinne „sagenhafte Juwel“ Waldnaabtal, dem „Canyon der Oberpfalz“. Redakteur Uwe Ibl, auf dessen Initiative die Veranstaltung stattfand, hatte sie vor zwei Jahren privat erlebt und nun für "Lichtblicke" und unsere Leser mit organisiert.

Sagenhaft war das Naturerlebnis mit den malerischen Felsgebilden, den Granitmassen im Flussbett, dem lichtgrünen Meer von Farnwedeln am Ufer, dem sich am Hang dahinschlängelnden Pfad über bemooste Steine und Wurzeln und den angenehmen

Temperaturen nach den Hitzewellen der Vortage. Sagenhafte Geschichten rund um dieses Naturschutzgebiet steuerte der ehemalige Religionslehrer Herbert Baumann aus Weiden an markanten Punkten der elf Kilometer langen Wegstrecke bei, die dem Prädikatswanderweg „Goldsteig“ und dem Uferpfad bis zur Blockhütte folgte.

Da verschwindet der Teufel als Liebhaber einer Falkenberger Jungfrau mit dem Ruf „Ehren- und Myrrhenkräutl bringa mi um mäi Bräutl“, da wird die ledige „Schönandlkatharina“ wegen vom Richter angedichteter Tötung ihres Kindes erhängt und haust als Geist oben in den Felsen, da treffen sich in der Walpurgisnacht die Hexen auf dem Tischstein. Beim „Leinenweber von Falkenberg“, der Vorgeiger auf dem Tischstein werden wollte, ein böses Weib hatte und 1830 tot unterhalb des Schlossfelsens gefunden wurde, verknüpfte Baumann den Vers: „Trotz Hilferuf und Gefidel war das sein letztes Liedl“ mit der erhörten Bitte, den mitwandernden fünf Musikern beim Tragen der Instrumente behilflich zu sein.

Zweiter Initiator der Tageswanderung war der gebürtige Neuhauser Liedermacher und Gitarrist Gerhard Windschiegl aus Weiden, der sich mit seiner Musikgruppe „D’Neihausa Schdoach mit Freunden“ in den Dienst der guten Sache stellte. Ihn unterstützten Thomas Gleixner aus Bamberg mit seinen melodischen Gitarrenakkorden und Tonfolgen sowie die Ullersrichterin Sabine Kroll mit ihrer schwedischen Nyckelharpa, bei der Resonanzsaiten zum Mitschwingen angeregt werden und einen Hall-Effekt erzeugen, der Neunkirchner Thomas Urbanek mit unaufdringlichen Cajón-Klängen und die Sängerin Carola Böhm aus Nürnberg, die mit ihrer ausgebildeten, zuweilen auch in die Kopfstimme wechselnden Gesangstechnik beeindruckte.

Die einfühlsamen, ruhigen Melodien des hervorragend aufeinander abgestimmten Quintetts mit poetischen, aber auch kommentierenden Liedtexten stammten hauptsächlich aus Windschiegls CD „Altneuhaus im Waldnaabtal“. Sie erwiesen sich gerade an den wechselnden Naturbühnen als das „i-Tüpfelchen“ einer ungewöhnlich bezaubernden Atmosphäre.

So spielten und sangen die Musiker an der Neuhauser Mühle vom Storch, der einst dort nistete, aber seit langem allein auf seinem Horst stand, wohl beeinträchtigt von saurem Regenwasser und stinkender Luft. Sie brachten unten am Fluss das „Waldnaabtal-Lied“ zu Gehör, das von einer Märchenwelt erzählt und bei dem die Mitwanderer in den textfreien Refrain einstimmten. Am Zusammenfluss von Fichtel- und Waldnaab beschrieb der Song „Kanufoahn“ eine Freiheit ohne Schranken, eine Seelenmassage.

Nicht fehlen durften das Lied vom „Neihauser Marihuana“, das man weder rauchen, noch schnupfen oder inhalieren soll, sondern als Zoigl trinkt und das friedlich macht, oder das Oberpfälzische „Ies dees waoua, das a Graoua…“. Und die Musiker reagierten auch spontan auf bestimmte Ereignisse: Sie brachten der Verlegerin zum Geburtstag ebenso ein Ständchen wie den Jungen und Mädchen einer Ministrantengruppe aus dem Raum Kelheim im Zeltlager in Johannisthal und luden entgegenkommende Wandergruppen oder Radfahrer zu mit viel Beifall bedachten „Mini-Konzerten“ ein.

Auf etwa halber Strecke wurde an der privaten „Waldfriedenhütte“ eine längere Brotzeitpause mit musikalischer Untermalung gemacht. Die gesamte Wanderung sollte ein Symbol dessen sein, wofür auch „Lichtblicke“ steht: für das Leben, für das Miteinander, für Mitmenschlichkeit und Weltoffenheit. Daher dankte Vogelsang-Reichl allen, dass die Einnahmen der Veranstaltung komplett dem Spendenkonto „Lichtblicke“ zugute kommen: den unentgeltlich mitwirkenden Musikern, dem Ehepaar Haubner für das Bereitstellen von Gelände und Sitzgelegenheiten, der Wurzer Metzgerei Schedl für das spendierte delikate Wurst- und Käsebuffet, das im Ticketpreis enthalten war, und Renate und Matthias Schönberger für ihre Spende eines Fässchens Zoiglbieres und alkoholfreier Getränke sowie ihrem Käck’nwirt-Team für das Herrichten der Speisen.

Bei der abschließenden Einkehr in der Blockhütte sprach Organisator Ibl von einer „tollen Truppe“, die sich für einen guten Zweck beteiligte. Ein „Pkw-Shuttle“ beendete die von allen Teilnehmern als bereichernd empfundene, exklusive Geburtstagsaktion.

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