02.10.2019 - 16:40 Uhr
Neukirchen-BalbiniOberpfalz

Mit Erdstall für Forscher und Bürger

Der renovierte Schießl-Hof präsentiert sich ab sofort als Kultur- und Erdstallforschungszentrum. Zur Einweihung ist eine Fachtagung geplant und ein Staatsminister schaut vorbei. Aber auch die Bürger können das Anwesen erkunden.

Der Schießl-Hof ist zum neuen Schmuckstück des Marktes geworden.
von Helga ProbstProfil
In der renovierten Hofstelle steckt viel Arbeit.

Die Bauarbeiten im Schießl-Hof starteten im Juni 2017. Am Wochenende ist es nun so weit: Das Bürgeracker-Anwesen aus dem 19. Jahrhundert kann eingeweiht und eröffnet werden. Einzigartig ist, dass sich im Keller ein Erdstall befindet, der besichtigt werden kann. Außerdem sind im ganzen Haus archäologische Dokumentationen und Präsentationen zu Erdställen zu finden. In den Schießl-Hof zieht auch der Arbeitskreis für Erdstallforschung mit ein.

Schwieriger Start

Im Jahr 2010 regte Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Probst an, das unter Denkmalschutz stehende Ruhland-Anwesen (Hausname "Schießl") in der Fronauer Straße 5, einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Vier Jahre später bestand für den Markt die Möglichkeit, das seit 1999 leerstehende Anwesen zu kaufen. Karl-Heinz und Helga Probst erarbeiteten ein erstes Konzept für den ortsbildprägenden Hof in der Ortsmitte. Es war ein Glücksfall, dass der Arbeitskreis für Erdstallforschung mit ins Boot geholt werden konnte. Der Verein war auf der Suche nach neuen Räumen für Lager, Archiv und Bibliothek. Umfangreiche und zum Teil auch schwierige Gespräche und Verhandlungen zur Revitalisierung des Anwesens, für die Nutzung und Förderung begannen.

Zuschüsse sprudeln

Der Einsatz von Bürgermeister Markus Dauch und der Verwaltung war enorm und am Ende mit Erfolg gekrönt. Der Umbau des Anwesens zum Erdstallforschungszentrum wurde von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Freistaat Bayern kofinanziert. Die Maßnahme mit einem Kostenvolumen von rund drei Millionen Euro dient der nachhaltigen Entwicklung des funktionalen Raums. Weitere Fördergeber waren der Entschädigungsfonds, die Bayerische Landesstiftung, der Bezirk Oberpfalz und der Landkreis Schwandorf.

Eine archäologische Dokumentation oder Präsentation von Erdställen gibt es in ganz Bayern und Deutschland bisher nicht. Auch gibt es in Bayern keinen Erdstall, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Der "Schießl-Hof" vereint somit zwei einzigartige Möglichkeiten. Erstmals wird ein echter Erdstall als zentrales Exponat für Publikum zugänglich sein und erstmals werden dauerhaft die zahlreichen Theorien, die in den letzten Jahrzehnten zu den Erdställen entstanden sind, wissenschaftlich fundiert und zugleich publikumswirksam präsentiert.

Die Besucher erfahren in der interaktiven Dauerausstellung alles über die Erdställe, die rätselhaften unterirdischen Anlagen aus dem Mittelalter. Im Untergeschoss können Interessierte sogar einen originalen Erdstall sehen oder einen virtuellen Rundgang durch einen Erdstall unternehmen. In der gemütlich eingerichteten Stube werden an einer Medienstation Märchen und Sagen über die Schrazeln aus der Oberpfalz erzählt. In dem authentischen historischen Ambiente des Schießl-Hofes hat ein Teil des Kramerladens von Anna Probst (Schreiner Nanne) ein neues Zuhause gefunden und dient künftig als Museumskasse. Der Schießl-Hof ist ein lebendiges Museum. Hier gibt es künftig an den Sonntagen von Ostern bis zum Feiertag 3. Oktober nach dem Ausstellungsbesuch auch Kaffee und Kuchen. Der ehemalige Stall aus dem Jahr 1872 mit böhmischen Gewölbe und der idyllische Innenhof können für kulturelle Veranstaltungen und Märkte genutzt werden. Weitere Informationen: www.schiessl-hof.de

Programm:

Eröffnungswochenende

Freitag, 4. Oktober

Offizielle Einweihung für geladene Gäste mit Bernd Sibler, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst.

Samstag, 5. Oktober

Fachtagung des Arbeitskreises für Erdstallforschung.

Sonntag, 6. Oktober

"Tag der offenen Tür" für alle Interessierten von 9.30 Uhr bis 18 Uhr mit musikalischem Weißwurst-Frühschoppen, Kaffee und Kuchen. Ab 14 Uhr bietet Birgit Symader Führungen an.

In der gemütlich eingerichteten Stube werden Märchen und Sagen über die Schrazeln erzählt.
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