08.07.2018 - 18:20 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Bürgerentscheid soll Natur erhalten

In Neukirchen formt sich Widerstand gegen die geplante Photovoltaikanlage vor der Osterhöhle. Die Bürgerinitiative gegen den Solarpark Schönlind lädt zur Diskussion.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen den Solarpark bei Schönlind (von links nach rechts): Uwe Markert, Hans Deyerl, Michael Förster, Helmut Hartmann und Waldschänkenwirtin Agnes Lasota.
von Wolfgang RuppertProfil

Helmut Hartmann, Hans Deyerl und Michael Förster ist es wichtig, zu betonen, dass die keine Gegner von regenerativen Energien sind. Sie sind sich allerdings einig, dass für den Bau einer Freiflächen-Photovoltaikanlage an der Osterhöhle der falsche Ort gewählt wurde. Mit ihrer Bürgerinitiative wollen sie etwas gegen den Bau unternehmen. Am 29. Juli soll ein Bürgerentscheid stattfinden. Zu einem offenen Diskussionsabend luden sie am Donnerstagabend in die Waldschänke bei der Osterhöhle ein. Sie bemängelten, dass kein Mitglied des Gemeinderats vor Ort war.

Im Voraus habe es keine vorbereitenden Informationen für die Bürger gegeben. Weder durch die Gemeinde noch durch den Investor, behauptete Helmut Hartmann. "Immerhin geht es hier nicht um die Genehmigung eines Carports - das würde ja sicherlich niemanden stören. Eine solche Anlage in Schönlind, die stört auf jeden Fall", führte er weiter aus. "Bei so einer Sache sollte die Information, die ja ein Grundprinzip unserer Demokratie ist, selbstverständlich sein." Immer würde von mündigen Bürgern gesprochen. Die Möglichkeit zu umfassender Information hätte durchaus bestanden. In diesem Fall aber hätte sie entweder ganz gefehlt oder sei zu spät angekommen, kritisierte Hartmann weiter. "Es hätte gar nicht so weit kommen müssen, dass die Gemeinde derart gespalten wird, eine öffentliche Informationsveranstaltung hätte viel dazu beitragen können, nicht den Eindruck von Heimlichtuerei entstehen zu lassen", sagte er. Michael Förster beteuerte, der Bürgerentscheid sei nun ein notwendiges "demokratisches Korrektiv" und ein Ausdruck "gelebter Demokratie".

Auch im Bereich Tourismus könne Neukirchen einen erheblichen Imageschaden davontragen: "Landrat Reisinger wirbt für die landschaftliche Schönheit unserer Region. Und wir? Wir bauen uns da unten eine Freiflächen-Photovoltaikanlage hin", bemängelte Helmut Hartmann. Die Osterhöhle sei die touristische Attraktion in Neukirchen und deshalb auch überregional bekannt. Er fügte hinzu: "Wir sprechen immer von dahoam is dahoam, davon, wie wichtig uns die Heimat ist. Hier aber zerschlagen wir ganz einfach unser Tafelsilber. Wir wollen Verantwortung für all die übernehmen, die hier gerne vorbeikommen, selbst aber nicht abstimmen können."

Dass der geplante Bau die Gemüter spaltet, davon zeuge auch die Abstimmung im Gemeinderat. Er stimmte mit sieben zu sechs Stimmen für die geplante Anlage. "Im Bahngleisdreieck wird auch gerade eine solche Anlage gebaut. Das ist eine gute Alternative, das stört uns auch nicht", sagte Hans Deyerl. Der Platz vor der Osterhöhle aber sei "für die öffentliche Wahrnehmung stark prägend" und würde den Gesamteindruck "sehr beeinträchtigen".

Auch störe es die Bürgerinitiative, dass bei anderen und "geeigneteren Flächen" die Chance nicht genutzt wurde, Photovoltaiktechnologie zu verbauen. Zum Beispiel, so Hartmann, am neuen Feuerwehrhaus der Gemeinde.

Wir sprechen immer von dahoam is dahoam, davon, wie wichtig uns die Heimat ist. Hier aber zerschlagen wir ganz einfach unser Tafelsilber. Wir wollen Verantwortung für all die übernehmen, die hier gerne vorbei kommen, selbst aber nicht abstimmen können.

Helmut Hartmann

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