02.02.2020 - 16:30 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Landwirtschaft braucht verlässliche Politik

86 Prozent der Fläche des Landkreises Amberg-Sulzbach werden land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Die Landwirte wären also die wichtigsten Partner für Umwelt- und Naturschutz - wenn sie nicht allzu oft als Gegner gesehen würden.

Christian Sperber (erste Reihe, Vierter von rechts), Landwirt und Biogasanlagen-Betreiber, freute sich über das große Interesse der Besucher, unter ihnen der FDP-Landtagsabgeordnete Christoph Skutella (erste Reihe, Dritter von links).
von Autor GACProfil
Das Herzstück des Biogaskraftwerks: Dieser Gasmotor mit maximal 135 PS erzeugt aus dem Biogas Strom für 150 Haushalte.

Eine große Schar von Interessenten gewannen die FDP/FWS-Kreisräte Hans-Jürgen Reitzenstein, Martin Pöllath und Hans Pickel für die Besichtigung des Hofes von Landwirt und Biogas-Kraftwerksbetreiber Christian Sperber in Lockenricht. Unter ihnen war auch der FDP-Landtagsabgeordnete Christoph Skutella, Mitglied des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz des Bayerischen Landtages und Sprecher der FDP-Fraktion für diese Fachbereiche.

Pöllath stellte fest, das Thema Landwirtschaft werde in Zukunft im Kreistag immer wichtiger. Der Klimawandel beeinträchtige auch die Landwirtschaft, beispielsweise durch zunehmende Trockenheit, und daher sei es fatal, dass die Politik Stadt- und Landbewohner in Gegensatz gebracht habe. Ein Miteinander sei notwendig: "Umweltschutz und Landwirtschaft brauchen liberale Lösungen".

Der Hausherr erläuterte die Funktion der Biogasanlage: Aus dem Stall, in dem 150 Milchkühe stehen, läuft die Gülle in einen Sammelbehälter, aus dem sie in den Fermenter gepumpt wird. Dort wandeln spezielle Bakterien alle Kohlenstoffverbindungen in Methan um.

Dieses Biogas wird gespeichert, nach Bedarf von einem Motor mit angeschlossenem Generator verbrannt und so in Strom verwandelt. "Der Speicher ist eine Art Bio-Batterie", erläuterte Sperber, "denn da können wir überschüssiges Gas zwischenspeichern und später zu Strom machen."

Von den 30 Biogasanlagen im Landkreis werden nur zwei fast ausschließlich mit Gülle betrieben, eine davon ist die in Lockenricht. Lediglich Mist, Grünschnitt und Maisabfälle, die für die Fütterung nicht mehr geeignet sind, gibt Sperber in kleinen Mengen zu.

Stabiler mit Gülle

Mit Gülle läuft die Anlage stabiler als mit Mais oder Getreide, die fermentierte Gülle stinkt kaum noch und kann von den Pflanzen viel besser aufgenommen werden, so dass sogar Kunstdünger eingespart wird.

Warum machen das also nicht alle Viehhalter? Ein Problem sei die Unsicherheit über die rechtlichen Vorschriften, die sich ständig ändern. "Keiner weiß mehr, was genehmigungsfähig ist", sagt der Landwirt: "Wir würden ja mitgehen, wenn die Politik uns endlich sagen würde, wohin!"

Hier hakte Skutella ein: "Unser Ziel im Landtag ist eine verlässliche Politik." Dazu gehöre auch, dass man den Bauern keine falschen Hoffnungen mache.

Täglich bewährt

Ein Aussetzen der Düngeverordnung sei keine Option, wenn das zu Strafzahlungen von 800 000 Euro pro Tag führe. Ein faires Miteinander und lösungsorientierte Diskussionen seien nötig statt Schikanen gegen die Landwirtschaft.

Sperber stimmte zu und stellte fest, dass die Bauern trotz unterschiedlicher Auffassungen beispielsweise über Bio-Landwirtschaft gut zusammenarbeiteten. Reitzenstein fügte hinzu: "Unsere Landwirte bewähren sich täglich als Erhalter und Gestalter unserer Kulturlandschaft." Es wäre aber auch erforderlich, dass die Verbraucher die regionalen Angebote und die hohe Qualität heimischer Produkte mehr schätzten.

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