27.06.2021 - 11:48 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Strauße in der Landwirtschaft: Die langen Hälse vom Blechhof

Landwirte sind heute voller Ideen, wenn es darum geht, neue Erwerbszweige zu erschließen. Ein Beispiel dafür findet sich in Blechhof. Auf dem Weiler gibt es nach wie vor Kühe im Stall, die Weiden aber teilen sie sich mit exotischen Vögeln.

Mit großen Augen im kleinen Kopf schaut sich die Straußenhenne um auf ihrer Oberpfälzer Weide.
von Helga KammProfil

Wer unterwegs ist auf der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Röckenricht und Holnstein, der stutzt. Was da die Weiden rund um den Weiler Blechhof bevölkert, sind einerseits, wie schon seit Zeiten, die Rinder. Ein großer Teil des Wiesengeländes gehört aber ganz anderen Tieren: exotischen Zweibeinern im Federkleid, den Straußen.

2012 haben Hans und Theresia Kohl vom Blechhof wie viele andere Bauern nach einem zusätzlichen Standbein zur Viehhaltung gesucht. „Der Geflügelberater vom Landwirtschaftsamt hat uns den Tipp gegeben, es mit Straußen zu versuchen“, erzählt Theresia Kohl. Sie haben ein paar Betriebe dieser Art besichtigt, Sohn Matthias hat einen Straußenhaltungskurs in der Nähe von Ulm erfolgreich abgeschlossen, die ersten Strauße wurden vom Züchter in Schwaighof erstanden.

„Mit drei erwachsenen Vögeln und acht Küken haben wir angefangen“, erinnert Matthias. Daraus sind aktuell 17 Tiere geworden. Jeweils fünf bis sechs Hennen leben in Gruppen mit einem Hahn. Dann gibt es noch die „Youngsters“, deren Geschlecht noch nicht erkennbar ist. „Wenns klein san, schauns alle gleich aus“, erklärt seine Mutter Theresia, „erst nach einem Jahr wird das Gefieder der Hennen braun, das des Hahnes schwarz“.

Rund 1000 Euro

Der Kauf der Tiere – rund tausend Euro für einen erwachsen Vogel, etwa hundert Euro für ein Küken – war aber nicht die einzige Investition für die Bauern-Familie. Die Strauße sollten unter artgerechten Bedingungen gehalten werden, also wurde in Eigenregie ein geräumiger Stall gebaut, den die Tiere nach Lust und Laune betreten und verlassen können. „Lediglich am Abend wollen wir sie unterm Dach haben“, erklärt Matthias Kohl und nennt auch den Grund: den Wolf. Fuchs und Habicht waren schon immer die Feinde der Nutztiere auf dem Bauernhof, der Wolf sei eine Nummer größer. Es habe bisher keinen Wolf-Angriff gegeben auf dem Blechhof, sagt der junge Bauer, „aber gsehn ham man scho“.

Bei Tag mit Blick auf die Weide tritt diese Gefahr in den Hintergrund. Die großen Vögel mit den langen Hälsen und kleinen Köpfen kommen gelaufen, wenn Matthias oder seine Mutter sie rufen. „Schmusetiere sind sie nicht“, sagt Theresia, und so sehen sie auch nicht aus, trotz ihres schönen Gefieders. Afrikanische Blauhals-Strauße sind mit die größten Vögel der Erde. Sie bringen etwa 100 bis 120 Kilo auf die Waage und werden zwei bis zweieinhalb Meter groß. Sie haben auch keine Namen bekommen wie die anderen Tiere auf dem Hof. Laut Theresia sind sie zwar gezähmt, „man kann sie anlangen, aber eigentlich mögen sie es nicht“. Auf der Weide in Blechhof fühlen sich die Exoten sichtlich wohl, nehmen gelegentlich ein Bad in einem Wasserloch und rennen, so schnell sie ihre langen Beine und großen Füße tragen in den Stall, wenn dort das Füttern beginnt.

Warum Strauße? Sie sind robust und widerstandsfähig, vertragen im Winter bis zu 20 Minusgrade, können 60, 70 Jahre alt werden. Sie ernähren sich im Sommer auf der Weide, werden abends mit Getreideschrot in den Stall gelockt und erhalten im Winter Grassilage wie die Rinder im Stall nebenan. Vorsicht geboten sei nur in den ersten Lebensmonaten der Küken, die in jedem Jahr dazu gekauft werden, sagt Matthias Kohl . „Sie dürfen nur ganz kurzes Gras fressen, weil sonst ihre Mägen verstopfen“. Eine andere Besonderheit beachtet die „Straußen-Mama“ Theresia: „Die Vögel müssen kleine Steine fressen für ihre Verdauung, also haben wir immer ein Angebot an Kieselsteinen im Stall“.

Inhalt von 25 Hühnereiern

Theresia Kohl ist vor allem zuständig für die Vermarktung von Straußeneiern und -fleisch. Zehn bis 15 Eier legt eine Straußen-Henne in der Zeit von März bis August in leicht unterschiedlichen Farben und Strukturen der Schale. Der Inhalt eines Straußeneis entspricht ungefähr 25 Hühnereiern. Der Geschmack, so Theresia, sei ähnlich, „das Ei aber viel gesünder mit mehr Inhaltsstoffen und weniger Cholesterin“. Die meisten Kunden der Bäuerin sind geübt im Öffnen der großen Eier. Für die anderen und die Besucher des Hofes hält Theresia eine schriftliche Anleitung bereit, die beginnt mit den Worten: „Man nehme eine Bohrmaschine oder einen Akkuschrauber...“

Das Straußen-Fleisch sei dunkel, bewege sich im Geschmack zwischen Rind und Wild, beschreibt die Bäuerin. Besonders Straußensteaks seien sehr gefragt bei den Stammkunden wie auch bei der Laufkundschaft. Auf dem Blechhof werden die Strauße, um einen stressigen Lebend-Transport zu vermeiden, getötet, dann aber einem EU-zertifiziertem Schlachthaus übergeben.

Ein Bauernhof im Amberg-Sulzbacher Land. Eine Familie, die zusammenhilft, um das Erbe erhalten und weiterführen zu können. Junge Leute wie Matthias und seine Frau Elke, die neben dem Beruf ihren Hof und die Tiere lieben und aufgeschlossen sind für neue Ideen. Dazu Tiere, die eigentlich daheim sind in fernen Ländern und anderen Kontinenten, aber auch hier leben können – das alles zeigt, dass der Staat zwar immer Unterstützer sein kann, dass es vor allem aber auf die Menschen selber ankommt, die ihr Leben und ihre bäuerliche Zukunft in die Hand nehmen.

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Hintergrund:

Strauße am Blechhof

  • Haltung seit 2012
  • Aktuell 17 Tiere
  • Gewicht: 100 bis 120 Kilo
  • Größe: 2 bis 2,5 Meter
  • Mögliches Alter: 60 bis 70 Jahre
  • Produkte: Eier und Fleisch

"Schmusetiere sind sie nicht. Man kann sie anlangen, aber eigentlich mögen sie es nicht."



Theresia Kohl über ihre Strauße

Theresia Kohl über ihre Strauße

 

 

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