20.06.2018 - 18:13 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Die Besucher werden überrascht sein"

Der neue "Hussenkrieg" nimmt Gestalt an. Regisseur Cornelius Gohlke sieht das Ensemble für den Proben-Endspurt gut vorbereitet. Die Arbeiten an der Neuinszenierung sind für alle Darsteller eine Herausforderung - auch für die vierbeinigen.

Beim Festpiel "Vom Hussenkrieg" beginnt am Wochenende die finale Probenphase vor der Premiere. In dieser Szene empfängt das neue Pfalzgrafenpaar (sitzend, Michael Hellmuth und Silke Biegerl) den Rat der Stadt zum Kriegsrat.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

(mp) Seit Mitte Mai laufen im Burghof die szenischen Vorbereitungen für den 36. Festspielsommer. Gegenüber Oberpfalzmedien lassen Regisseur Gohlke und Helmut Mardanow, Vorsitzender des Festspielvereins, den bisherigen Probenverlauf Revue passieren. "Dadurch, dass wir im März schon bei Einzelproben mit den markanten Sprechrollen gearbeitet haben, sind wir schon ziemlich weit", sagt der Regisseur und würdigt die hohe Einsatzbereitschaft der Mitwirkenden. "Sie bringen auch viele eigene Ideen mit ein. Das spricht dafür, dass es sehr geübte Amateure sind."

Dass das Ensemble für die Neuinszenierung auf einem guten Weg ist, sieht auch Vorsitzender Helmut Mardanow - "auch wenn der Ablauf an einigen Stellen noch etwas hakt". Für die überarbeitete "Hussenkrieg"-Fassung seien schließlich viele Passagen gestrichen oder geändert worden. Vor allem für Ensemble-Mitglieder, die ihren Text und ihre Rolle seit vielen Jahren gewohnt waren, sei die Umstellung nicht immer einfach.

Das "Durchbrechen der Bühnen-Routine" nennt das Cornelius Gohlke. Auf dem Weg zur neuen Inszenierung sei mit jenen Darstellern, deren bisherige Sprechpassagen "markante Striche" erhalten haben, einiges geprobt worden, "damit nicht die alten Texte wieder rauskommen." Es sei nicht ganz einfach gewesen, das Gewohnte zu durchbrechen - "das geht bis hin zu den Pferden", beschreibt der Regisseur. Denn auch den vierbeinigen Mitwirkenden verordnet die Regie-Fassung "neue Laufwege", an die sich die Tiere gewöhnen müssen.

In der Rollenarbeit lagen die Schwerpunkte unter anderem beim neuen Pfalzgrafenpaar, das heuer von Michael Hellmuth und Silke Biegerl verkörpert wird. Eine markante Änderung ist die Aufteilung des Erzähler-Textes von einem auf insgesamt sechs Darsteller. "Jeder von ihnen muss sich kurze Textfragmente merken und diese nahtlos anfügen. Dabei müssen sie sich fast ins Wort fallen", beschreibt der Regisseur. Erweitert wurde die Szenerie um ein Streitgespräch der "hussitischen Eltern" Jana Drabkova und Tibor Alesik um den Sinn des Religionskrieges.

"Ich glaube, dass es gelungen ist, das Tempo durch einen Rhythmuswechsel anzuziehen", so Gohlke. Dazu gehört auch eine neue Choreografie der Schlacht, die nun in mehrere Bilder und Ebenen aufgeteilt ist. Unter anderem unternehmen die hussitischen Streiter heuer erstmals einen Ausfall.

"Überraschend gut" (Gohlke) machen sich die neuen Darsteller. "Sie haben sich ins Ensemble integriert und sind mit vollem Einsatz dabei", hat Vorsitzender Mardanow beobachtet. Positiv überrascht hat den Regisseur auch die gute Selbsteinschätzung jener Mitwirkenden, die sich selbst für Rollen angeboten haben. Vor allem junge Darsteller hätten sich ihren Text im Vorfeld selbst erarbeitet. Das neue Pfalzgrafenpaar ermögliche darstellerisch einiges an neuen Nuancen.

In den finalen vier Proben bis zur Premiere am 30. Juni wird unter anderem am richtigen Timing innerhalb der insgesamt 16 Szenen gearbeitet. "Auch geht es darum, verdeckte Fehlerquellen aufzuspüren", so Gohlke, der beispielsweise an vergessene oder falsch aufgebaute Requisiten oder verpasste Musikeinspielungen denkt. "Einiges passieren" werde noch bei der Lichttechnik: Die kammerspielartigen Szenen würden künftig räumlich geleuchtet, zusätzlich soll Rampenlicht von der Bühnenfront die Augen der Darsteller für das Publikum besser zur Geltung bringen. Die Szenerie sei insgesamt etwas heller und "theatralischer" geworden.

Helmut Mardanow erinnert an seine "Regie-Anweisung" an Cornelius Gohlke aus dem Vorjahr, "das gleiche Stück, aber ganz anders" zu inszenieren. Mit Blick auf den bisherigen Probenverlauf glaube er, dass dies gelingen wird: "Die Besucher werden mit neuen Szenen und Figuren überrascht werden."

Voll des Lobes ist der Regisseur über die Arbeitsbedingungen in Neunburg: Auf die Organisationsstruktur des Festspielvereins könne er sich sehr verlassen, "das ist professionell zu nennen". In den vergangenen 36 Jahren sei da einiges gewachsen. Beispielsweise nennt er die Abteilungen für Licht, Kostüme und Maske, "ich hab nicht damit gerechnet, dass die einzelnen Gewerke, wie es im Theater heißt, hier so strukturiert sind". Er erwähnt besonders den Einsatz der Technik-Crew, die jüngst bereit war, bis 3 Uhr morgens die Bühne einzuleuchten. Dankbar sei er auch für das separate Reittraining, bei dem die Kämpfe hoch zu Ross bereits im Vorfeld geübt wurden.







Info:

Termine und Eintrittskarten

Aufführungen: Premiere am Samstag, 30. Juni; weitere Aufführungen: 7., 20. 21. und 27. Juli sowie 3. und 4. August; Beginn ist um 20.45 Uhr.

Eintrittskarten: Vorverkaufsstellen sind in Neunburg die Buchhandlung am Tor, Telefon 09672/91133, das Büro- und Pressezentrum, Telefon 09672/5229, und der Geschenkeladen "Mimamo", Telefon 09672/924602, oder in Oberviechtach das Reisebüro Koller, Telefon 09671/3007900. Der Preis für Erwachsene beträgt 16 Euro, für Kinder/Jugendliche bis 17 Jahre 10 Euro. An der Abendkasse (ab 19.30 Uhr geöffnet) werden 2 Euro Aufschlag verlangt.

Weitere Auskünfte erteilt die Tourist-Information unter Telefon 09672/9208421.

Weitere Informationen: www.facebook.com/hussenkrieg


Der neue Regisseur Cornelius Gohlke (links) beim Proben mit den "hussitischen Eltern" Jana Drabkova und Tibor Alesik.

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