28.11.2019 - 18:32 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Den Boden nicht mit Füßen treten

Beim internationalen Bodentag in Neunburg treffen sieben Referenten auf rund 500 Zuhörer. Ihr Ziel: Mehr Sensibilisierung und Aufklärung. Pflanzen, Tiere und Menschen sind auf einen gesunden Boden angewiesen.

Bei der Pressekonferenz freuen sich Josef Schönhammer (von links) und Franz Rösl über die international renommierten Referenten Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ursula Hudson, Felix Prinz zu Löwenstein und Franz Ehrnsperger. Ihr gemeinsamer Appell: „Ohne gesunden Boden ist alles krank.“
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Der Teilnehmerkreis in der voll besetzten Schwarzachtalhalle ist bunt: Landwirte sitzen mit Hochschullehrern am Tisch, Ökobauern diskutieren mit Tierärzten. Die Tagung der Interessensgemeinschaft (IG) gesunder Boden findet zum zweiten Mal in der Pfalzgrafenstadt statt. "Die Lage ist ideal", sagt Pressesprecher Josef Schönhammer. Und Vorsitzender Franz Rösl lobt die zwei Köche im Restaurant "Esszimmer".

Regionales Mittagessen

Die Pressekonferenz ist während der Mittagspause angesetzt. "Alles von gesunden Böden und verpackungsfrei von unseren Mitgliedern geliefert", sagt Schönhammer und deutet auf Gemüse aus der Region. Das Kalbfleisch für das Gulasch stammt aus Wernberg-Köblitz. Das Thema beim 4. internationalen Bodentag lautet: "Gesunder Boden - gesunde Lebensmittel." Der Vorsitzende betont: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht das Kostbarste, nämlich unsere Böden, mit Füßen treten." Rösl macht sich für gesunde, humusreiche Böden stark, um damit zu hochwertigen Pflanzen, gesunden Tieren und nährstoffreichen Lebensmitteln zu kommen: "Wir verstehen uns als Plattform, um altes und neues Wissen zu sammeln." Der Vorsitzende freut sich auf einen inhaltsstarken Tag mit vielen Denkanstößen. Er wird nicht enttäuscht: Die Wissenschaftler und Praktiker auf der Referentenliste sprechen von 9 bis 18 Uhr Themen an, die sich direkt und indirekt mit dem Boden beschäftigen. Neben der Vermeidung von Nährstoffverlusten und der Förderung der Bodenbiologie steht der Aufbau von Humus im Vordergrund.

Viele warten auf den Vortrag des Klima- und Umweltwissenschaftlers Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker. Er setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein und referiert zu: "Umwelt in Not - politische Aufgaben." Als Grundproblem bezeichnet er den Bevölkerungszuwachs. Die Ernährungs- und Gesundheitssituation der Menschen habe sich durch neue Technologien zwar verbessert, aber "ökologisch hat die Entwicklung ein Desaster angerichtet". Er fordert eine "regenerative Denke, die Nachhaltigkeit wirklich ernst nimmt." Und er warnt davor, dass "uns unsere Enkel als Umweltvernichter beschimpfen." Begleitet wird von Weizsäcker von Dr. Franz Ehrnsperger. Der Ex-Lammsbräu-Chef leitet die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser und berichtet von Richtlinien, wie Wasser gesund bleibt.

Schaden gering halten

Die gesamte Landwirtschaft im Blick hat Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Bundesvorsitzender des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft: "Das Prinzip des ökologischen Landbaus ist wichtig, um den Schaden so gering wie möglich zu halten." Er betont: "Landwirte müssen erkennen, dass die Esser ihre Kunden sind." Rund zwei Drittel der Anwesenden sind Landwirte und bewirtschaften überwiegend konventionelle Betriebe. Doch die Referenten wollen sie nicht kritisieren, sondern mitnehmen auf einen gemeinsamen Weg. "Wir sind eine großartige Gemeinschaft von Menschen, die sich um den Boden kümmern, um auf Dauer gesunde Lebensmittel essen zu können", bekräftigt Franz Rösl. "Die Esser" sind dann auch das Thema von Dr. Ursula Hudson, der Bundesvorsitzenden von Slow Food. Ihr Anliegen sind ursprüngliche und regionale Lebensmittel. Sie ist dann auch die Laudatorin für die drei Boden-Botschafter 2019, die Landwirte Michael Simml (Landkreis Cham), Franz Kriechenbauer (Neustadt/WN) und Manfred Gilch (Landkreis Roth).

Wissen weitergeben: Das Interesse am Büchertisch ist groß.
Interessensgemeinschaft gesunder Boden:

Ziele der Arbeitsgruppen

Vereinsstruktur

Die Interessensgemeinschaft Boden (IG Boden) mit Sitz in Regensburg wurde 2019 von Franz Rösl, Inhaber eines Tontagebau- und Erdenwerks, gegründet. Die Mitglieder kommen aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Tschechien und sind u. a. Landwirte, Unternehmen, Tierärzte und Wasserzweckverbände.

Das Ziel

Durch ein überregionales Netzwerk von Praktikern findet ein Wissensaustausch mit dem Ziel statt, gesunde und humusreiche Böden aufzubauen, die hochwertige Pflanzen und Lebensmittel hervorbringen. Die Plattform ist offen vom Bauer bis zum Hochschullehrer.

Arbeitsgruppen

Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen, wie zum Beispiel: Leitlinien; Konzept gesunder Boden; Öffentlichkeitsarbeit; Programm und Themen; Wissensvermittlung; Bodenaufbau in der Praxis, Wasserschutz. Der "Boden-Entdeckungspfad "Mensch trifft Boden" wird 2020 in Regensburg eröffnet. Der C02-Ausstoß der Veranstaltung wird durch eine Pflanzaktion von Obstbäumen kompensiert. Weitere Infos: www.ig-gesunder-boden.de

Ökologisch hat die Entwicklung ein Desaster angerichtet.

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

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