15.06.2018 - 16:34 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Erste Hilfe gegen Algenplage

Glitschig, grün und sogar giftig sind die Algen, die Badegästen manchmal den Eixendorfer Stausee vermiesen. Ein Gutachten hat ganz klar die Ursache ausgemacht. Schnell und einfach lässt sich der "Übeltäter" aber nicht eliminieren.

Vor allem das letzte Kapitel im Gutachten von Francis Foeckler (links) interessiert die Bürgermeister Ludwig Reger (Zweiter von links) und Martin Birner sowie Manuel Schlegel vom Wasserwirtschaftsamt (rechts). Es enthält Vorschläge, für "Erste-Hilfe-Maßnahmen" gegen Blaualgen und Lösungsansätze für eine langfristige See-Restaurierung.
von Monika Bugl Kontakt Profil

(bl) Auf 220 Seiten hat das Büro Ökon (Gesellschaft für Landschaftsökologie, Gewässerbiologie und Umweltplanung MbH) für die Bürgermeister von Neunburg und Rötz zusammengefasst, welche Faktoren für die die Blaualgenblüte verantwortlich sind. Direkt am Eixendorfer Stausee wurde das Gutachten nun bei einem Pressetermin am Freitag übergeben.

Im Auftrag des Wasserwirtschaftsamtes Weiden haben die Fachleute das Stausee-Wasser zwei Jahre lang genau unter die Lupe genommen und dabei auch intensiv die Temperatur im See gemessen, die bei der Vermehrung der Algen eine Rolle spielt. "An sechs verschiedenen Stellen, stündlich und in verschiedenen Tiefen, mit einer Datenmenge und Genauigkeit, die mit Manpower Millionen gekostet hätte", berichtet Dr. Francis Foeckler, Sachverständiger für Gewässerökologie.

Sein Befund: Der See ist stark durchmischt, vor allem durch den Zufluss der Schwarzach. Rein rechnerisch bleibt das Wasser der Schwarzach 27 Tage im See, bevor es wieder abfließt. Das sorgt zwar für Sauerstoff im See, negativ ist aber die Fracht, die der Fluss im Gepäck hat: Phosphor. Der Stickstoff, ein wertvolles Düngemittel, bindet sich an die Feinteile im Boden und landet über oberflächlichen Abfluss auch dort, wo seine wachstumsfördernde Wirkung nicht erwünscht ist. "Deshalb ist hier die ganze Oberpfalz gefragt", verdeutlicht Manuel Schlegel vom Wasserwirtschaftsamt das große Umfeld, das für einen sauberen See eine Rolle spielt.

In den vergangenen 40 Jahren seien so über die Düngung in der Landwirtschaft genügend Nährstoffe im See gelandet, "etwa 12 Tonnen Phosphor pro Jahr gehen rein in den See, 10 fließen wieder raus, 2 bleiben dann im Boden oder werden über Biomasse gebunden". "Und ohne Durchmischung wäre es noch viel schlimmer, dann hätten wir nur noch eine Brühe", gibt Diplom-Biologe Foeckler zu bedenken.


Kein Wundermittel

Was tun, um diesen See zu restaurieren? "Es gibt keine schnelle Lösung, aber flankierende Maßnahmen", so die nüchterne Bilanz von Baurat Schlegel, der sich in diesem Punkt mit Foeckler einig ist. Ein Vorschlag zielt auf eine dynamischere Bewirtschaftung des Wasserspeichers mit häufiger Pegeländerung, denn Blaualgen lieben ruhige Gewässer. Röhricht-Zonen könnten den Algen Konkurrenz machen. Und zunächst sei es auch sinnvoll, sich die fünf bis sechs kleineren Zuflüsse am See anzuschauen und die Landwirte mit ins Boot zu holen. Auch Tauchwände kommen in Frage: Sie sollen Kleinkrebsen als eine Art Insel dienen, wo sie vor Fischen sicher sind und jede Menge Algen vertilgen können. Theoretisch könnte man sogar eine Anlage bauen, um Phosphor zu entfernen (siehe Hintergrund).

Was nun umgesetzt wird, soll in einer Dialog-Runde unter Federführung der Regierung erörtert werden, denn eines wurde auf jeden Fall deutlich: Maßnahmen im See alleine reichen nicht aus. "Das schaffen wir nur im Miteinander", zeigt sich Bürgermeister Martin Birner überzeugt. Ähnlich sieht das sein Rötzer Kollege, Ludwig Reger, der auf kleine Schritte setzt: "Da muss man nicht gleich mit dem Tomahawk daherkommen, wir sollten gemeinsam und nicht gegeneinander vorgehen." Der nächste Termin dazu steht bereits fest: Am 29. Juni wird der Dialog im Panorama-Hotel in Gütenland fortgesetzt.

Experimente wagen

"Da bekommt jeder sein Hausaufgaben-Heftchen", scherzt Schlegel. Letztendlich müsse man auch mal ein Experiment wagen, schlägt Birner vor und verweist auf Maßnahmen, mit denen die Stadt gegen Blaualgen im Stadtparksee erfolgreich war: Spundwände haben dort die Strömung so gelenkt, dass es den Algen ungemütlich wurde. "Das hat tatsächlich geholfen."

Info:

Lästiger Rohstoff

Um Phosphor zu eliminieren, könnte man am See auch eine Anlage installieren, die Wasser aus dem See pumpt, es reinigt und wieder zurückfließen lässt. "Das ist allerdings aufwendig und kostspielig", weiß Fachmann Francis Foeckler. Andererseits: "In 10 bis 20 Jahren gibt es eine Phosphor-Verknappung, und wir werfen es einfach weg, analysiert er. Aus dieser Situation könne sich aber auch ein Pilotprojekt entwickeln", so seine Überlegung. "Vielleicht können wir hier ein Forschungsprojekt daraus machen", schlägt Neunburgs Bürgermeister Martin Birner vor, der dabei auch die Fördermittel im Blick hat. (bl)

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