19.06.2020 - 10:38 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Erstes Signal für Öffnung des Neunburger Freibades

Im Etat der Stadt Neunburg sollen 150 000 Euro zum Defizit-Ausgleich eingeplant werden, wenn das Erlebnisbad heuer trotz der Pandemie öffnet. Das hat der Hauptausschuss mit einer hauchdünnen Mehrheit von 6:5 Stimmen beschlossen.

Bleiben die Becken im Neunburger Erlebnisbad heuer leer oder führt doch ein Weg zum Schwimmspaß hin? Ein Beschluss im Hauptausschuss sieht im Haushalt 150 000 Euro als Defizit-Ausgleich bei einer Öffnung des Bades vor.
von Helga ProbstProfil

Stadträtin und Familienbeauftragte Verena Binder macht sich für eine Öffnung des Freibades stark. Bei der Vorberatung des Haushalts für 2020 im Hauptausschuss hat sie am Donnerstag den Antrag gestellt, 150 000 Euro zum Defizit-Ausgleich der Mehrausgaben an die Freizeit GmbH einzuplanen. Willi Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Freizeit GmbH, ging in seiner schriftlichen Stellungnahme eher von 250 000 Euro zusätzlichen Kosten zu dem jährlichen Defizit beim Freibad aus.

Binder führte viele Gründe an, warum es so wichtig sei, das Bad aufzumachen. Als familienfreundliche Stadt gehöre es dazu, den Bürgern für die Freizeit ein attraktives Programm zu bieten. Da der Urlaub 2020 wegen Corona zu Hause stattfinde, sehe sie den Defizit-Ausgleich auch als Investition in den Tourismus. „Schwimmen gehört zu den gesündesten Sportarten“, sagte Binder. Auch die Sicherheit im Freibad sei höher als an Seen und Gewässern, und die Ansteckungsgefahr laut Untersuchungen gering, da Chlor das Coronavirus abtöte.

Die Stadträtin appellierte, dass die Stadt in finanzieller Hinsicht dem Vorbild von Bund und Ländern folgen solle. Hier würden Milliardenhilfen ausgeschüttet und Schulden gemacht, um die Auswirkungen der Krise auf die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Auch Neunburg sollte für die Öffnung des Freibades einmalig ein erhöhtes Defizit in Kauf nehmen. Ihre Vorschläge zur Finanzierung der 150 000 Euro – unter anderem die Verschiebung eines "Neunburger Immobilienportals" um ein Jahr – konnten von der Verwaltung zum Teil nicht bestätigt werden, da einige der angeführten Projekte bereits am Laufen sind.

Bericht über die Petition zur Öffnung des Neunburger Erlebnisbades

Neunburg vorm Wald

Stadtwerke-Chef Willi Meier sah das größte Problem bei einer Öffnung des Bades darin, enormes Zusatzpersonal stellen zu müssen. „Wir brauchen Security am Eingang um die Abstände und die Maskenpflicht zu überwachen“, führte er in seiner schriftlichen Stellungnahme aus. Es müssten Zugangsdaten erfasst und die Regeln an den Becken überwacht werden. Die Toiletten und Umkleidekabinen müssten geschlossen sein, es könnte nur mit den kalten Durchlaufduschen geduscht werden, und es brauche ein Konzept für den Parkplatz. Zwei Reinigungskräfte würden benötigt, die ständig reinigen und desinfizieren.

Wenn das Bad dagegen nicht geöffnet wird, könnten Energie und Betriebskosten gespart werden. Außerdem könne das Badpersonal auch außerhalb der Freizeit GmbH eingesetzt werden. Bei einer Öffnung ging der Leiter von 250 000 Euro zusätzlicher Kosten aus. Die Freizeit GmbH habe zudem massive wirtschaftliche Probleme durch die aktuellen Beschränkungen und die Stadt könnte als alleiniger Gesellschafter in die Bedrängnis kommen, nicht nur das zusätzliche Freibaddefizit übernehmen zu müssen.

Die zehn Ausschussmitglieder und Bürgermeister Martin Birner waren hin- und hergerissen zwischen einer Öffnung und der weiteren Schließung des Bades. Auf der einen Seite standen Gesundheit und Freizeitspaß, als Gegenargument wurden die hohen Ausgaben angeführt. „Wir müssen auf die Bremse treten“, sagte Martin Scharf (Freie Wähler). „Wir können uns kein Defizit von insgesamt 400 000 Euro für das Freibad bei einem Schuldenstand von 4,7 Millionen Euro leisten“, war seine Meinung. Es gebe viele Möglichkeiten für Aktivitäten in der Natur.

Mit knappen 6:5 Stimmen wurden die 150 000 Euro als Defizit-Ausgleich angenommen. Die endgültig Entscheidung fällt der Stadtrat in der Haushaltssitzung am 2. Juli. Die Ausschussmitglieder, die mit Nein stimmten, betonten, dass sie eine Öffnung mittragen würden, wenn weitere Lockerungen kommen und das Wetter mitspielt. CSU-Stadtrat Maximilian Lang hatte sich die Mühe gemacht und mehrere Kinder befragt, ob sie unter den momentanen Auflagen gerne ins Freibad gehen würden. Unter den herrschenden Beschränkungen eher nicht, sei da die Antwort gewesen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.