18.06.2020 - 16:08 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Neunburger starten Petition für Freibad-Öffnung

Für Freibad-Fans ist es ein Schlag ins Gesicht: Ausgerechnet wenn wegen Corona "Urlaub daheim" angesagt ist, sollen die Schwimmbecken in Neunburg leer bleiben. Eine Petition will jetzt bewirken, dass der Hahn doch noch aufgedreht wird.

Bleibt diese Oase heuer ungenutzt? Eine Gruppe Neunburger Bürger hat eine Petition initiiert, damit das Freibad trotz eines absehbaren, enormen Defizits heuer noch öffnet.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Freibad in Neunburg bleibt bis auf weiteres zu: Diese Meldung der Stadtwerke Neunburg vorm Wald Freizeit GmbH vom 10. Juni stößt nun auf Protest. Fünf Bürger haben gemeinsam eine Petition initiiert und schon nach einem Tag rund 200 Unterschriften gesammelt, so der Stand am Donnerstagmorgen. Jetzt liegt es an der Stadt, ob sie für den "Urlaub daheim" den Geldhahn aufdreht, um für nicht unbeträchtliche Summen einen limitierten Badespaß zu ermöglichen.

Für die Freizeit GmbH war der Fall nach der Kosten-Kalkulation ziemlich klar: "Die Auflagen vermiesen den Spaß und treiben die Kosten in die Höhe", so das Fazit einer Pressemitteilung angesichts der durch Corona bedingten Auflagen. Im Klartext hieß es da: "Erheblich weniger Badegäste bei erheblich mehr Betriebsaufwand führen zu einem erheblichen Verlustanstieg und verhindern wirklichen Badespaß." Die Geschäftsführung legte Zahlen vor: So hatte die GmbH im vergangenen Jahr den Freibadbetrieb bei rund 40.000 Besuchern mit 220.000 Euro bezuschusst. Für die aktuelle Saison sei mit maximal 4800 Besuchern zu rechnen, da die Höchstzahl der Besucher, die sich im Bad aufhalten dürfen, stark beschränkt ist. Man rechne deshalb mit einem Defizit von 360.000 Euro. Nicht viel besser sehe es aus, wenn das Bad die Besucherzahl über gestaffelte Schwimmzeiten verdreifacht. Das würde eine Online-Registrierung und feste Buchungen erfordern, wofür man auch erst investieren müsse.

Aus kaufmännischer Sicht können wir gar nicht anders entscheiden.

Willi Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Neunburg Freizeit GmbH, zur Freibad-Schließung

Willi Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Neunburg Freizeit GmbH, zur Freibad-Schließung

Macht das Bad erst gar nicht auf, fällt ein Defizit in Höhe von 150.000 Euro an, aber das wäre dann nicht einmal die Hälfte der durch die Pandemie bedingten Kosten. Außerdem gibt es grundsätzliche Zweifel daran, wie viel Badespaß noch übrig bleibt, wenn Rutschen, Kinderplanschbecken sowie Sport- und Spielangebote nicht infrage kommen. "Aus kaufmännischer Sicht können wir gar nicht anders entscheiden", rechtfertigt der Geschäftsführer der Stadtwerke und Freizeit GmbH, Willi Meier, die Schließung. Anders sehen das die Initiatoren der Petition. Die Schließung sei das falsche Signal, wird da argumentiert. "Wir wollen keine Freibadöffnung um jeden Preis. Aber es darf nicht eine rein finanzielle Entscheidung sein", argumentieren die Initiatoren Jonas Rösch, Ursula Zimmermann, Simone Krämer, Christiane Steininger und Alois Ebenschwanger.

Gerade wenn die bayerische Staatsregierung "Urlaub daheim" propagiert, darf doch das Freibad nicht zu bleiben.

Ursula Zimmermann

"Wir können die Entscheidung der Freizeit GmbH nachvollziehen, aber wir sind der Meinung, dass hier die Stadt in die Bresche springen sollte", erklärt Ursula Zimmermann auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Gerade wenn die bayerische Staatsregierung "Urlaub daheim" propagiere, dürfe doch das Freibad nicht zu bleiben. Die 46-Jährige hat dabei vor allem Familien mit kleinen Kindern im Blick, für die wegen der Sicherheit das Baden im See keine Option darstellt. Und sie denkt auch an Senioren, die beim Schwimmen lieber den Beckenrand in der Nähe wissen möchten. "In Cham ist sogar die Wasserrutsche geöffnet", weiß Zimmermann. Den Initiatoren der Petition ist auch nicht entgangen, dass vergleichbare Bäder in Wackersdorf, Hirschau oder Illschwang aufmachen, auch Oberviechtach und Schwandorf wollen diesen Schritt wagen.

Zu der Weichenstellung bei weiteren Freibädern im Landkreis:

Schwandorf

"Für Familien waren die letzten Monate äußerst kräftezehrend", appellieren die Initiatoren an die Stadt, ausgerechnet sie müssten nun den Preis für die Schließung zahlen. Und noch ein Punkt wird dabei in der Pressemitteilung aufgeführt: "Schwimmbäder sind Teil der elementaren öffentlichen Daseinsvorsorge", heißt es da, insbesondere für Kinder sei das Erlernen des Schwimmens essentiell. Im Freibad könne das in einem geschützten Rahmen erfolgen – gerade angesichts der in den vergangenen Jahren besorgniserregend gestiegenen Zahl der Badetoten in Bayern. Bereits jetzt seien nur 60 Prozent der Zehnjährigen sichere Schwimmer. Nicht zuletzt sei das Bad als gesellschaftlicher Anlaufpunkt für alle Schichten nicht zu ersetzen. Ein Sommer ohne Freibad: Für die Neunburger Gruppe ist das schlicht nicht vorstellbar. Ihre Forderung geht nun an die Adresse der Stadt: Sie soll im Corona-Sommer 2020 die entstehenden Mehrkosten für eine Freibad-Öffnung übernehmen. "Wir gehen auch von weiteren Lockerungen aus", meint Zimmermann.

"Es sieht nicht so aus, als käme von der Politik das Signal, dass Auflagen wegfallen", zeigt sich der Geschäftsführer der Freizeit GmbH etwas weniger optimistisch, der bei der Kostenrechnung nicht nur das Freibad, sondern auch das Hallenbad und die Schwarzachtalhalle sowie diverse Miet- und Pachtausfälle sieht. "Wir reden hier von sechsstelligen Zahlen, was die Freizeit GmbH betrifft", warnt Meier und verweist auf die Stadt, die als Gesellschafter der GmbH letztlich in der Verantwortung steht. "Wir würden auch nichts lieber tun als aufmachen, das Bad ist zu schade, um brach zu liegen", bedauert er aus Sicht des Wirtschaftsunternehmens, das sich nun auf Kommunalpolitik trifft. "Irgendeiner muss die Zeche zahlen, und man wird erst hinterher wissen, was richtig war."

Hier geht's zur Online-Petition

Die Petition findet sich im Internet auf dem Portal www.openpetition.de. Unterschriften werden auch in den Neunburger Geschäften Intersport Meier und Bioladen „Radieserl“ sowie im Reha-Zentrum Schmid-Döpfer im Ärztehaus gesammelt.

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