25.07.2019 - 15:43 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Getrübter Abschied von der Schule

Abschlussfahrt gestrichen, eine Abschlussfeier mit Fragezeichen und schlechte Noten: Das hat bei einem Vater, dessen Sohn die Mittelschule Neunburg besucht hat, das Fass voll gemacht. Er wendet sich an die Medien.

Ärger an der Mittelschule Neunburg: Der Vater eines Schülers empört sich über die Art und Weise, wie das Schulleben einer neunten Klasse hier zu Ende ging: ohne Abschlussfahrt, aus seiner Sicht auch noch beinahe ohne Feier und mit einem schlechten Noten-Durchschnitt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Bei der Abschlussfeier vor einer Woche in Neunburg, da war alles Friede, Freude, Eierkuchen", empört sich Klaus Dirscherl aus Thanstein, "das regt mich heute noch auf". Dabei hatte die Familie wenige Tage vor dem Festakt erfahren, dass angeblich die gesamte Klasse 9a ihr Zeugnis nicht bei der Feier in der Turnhalle entgegennehmen sollte, sondern im Klassenzimmer. Nur durch Intervention seiner Frau habe man die Schulleitung schließlich umgestimmt, die 9a doch noch einzuladen. Außerdem sei dieser Klasse eine Abschlussfahrt verwehrt worden.

"Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich selbst diese Klassenfahrt organisiert, da ich finde, dass eine Abschlussfahrt am Ende der Schullaufbahn dazugehört", erklärt der Vater, der sich für das jüngste seiner vier Kinder einen anderen Umgang mit diesem Ende eines Lebensabschnitts gewünscht hätte. "Ich finde es unglaublich, dass, wenn eine Lehrkraft mit einigen Schülern nicht zurecht kommt, dann die ganze Klasse darunter leiden muss."

Auffällig findet der Diplom-Ingenieur mit Ausbildung als Entwicklungs- und Lerntherapeut auch den Noten-Durchschnitt in der Klasse: Während in der Parallelklasse seinen Berechnungen zufolge 13,33 Prozent der Schüler den Quali nicht bestanden haben, waren es in der Klasse seines Sohnes 47,06 Prozent. "Alles deutet darauf hin, dass hier eine für eine Abschlussklasse (zwei Jahre) nicht geeignete Lehrkraft eingesetzt wurde", folgert er.

Für Schulleiterin Irene Träxler kommen diese Vorwürfe aus heiterem Himmel: Die Anschuldigungen seien haltlos. Äußerst verwunderlich sei auch die Tatsache, dass nie jemand deshalb an sie herangetreten sei und man den Sachverhalt nun über die Presse klären wolle. Gegenüber Oberpfalz-Medien stellt sie klar, dass die 9a faktisch sehr wohl zur Abschlussfeier eingeladen war. Was die Abschlussfahrt betrifft, so falle diese des Öfteren aus, und dieser Ausflug sei auch keineswegs zwingend. Es liege bei der Klassleitung, ob sie die Verantwortung dafür übernehmen wolle. Auch dass die Noten in den beiden neunten Klassen so unterschiedlich ausgefallen sind, findet sie nicht erstaunlich. "Ein Jahrgang ist besser, einer schlechter", konstatiert sie und fügt hinzu: "Man hält immer zu seinen Kindern, aber die Lehrer sind nicht an allem schuld".

Unterstützung bekommt Träxler vom Schulamt, wo Dirscherl Details zu den Noten in der Klasse erfahren wollte, was aus Datenschutzgründen abgelehnt wurde. "Es gibt keine Beschwerde von anderen Elternteilen, uns liegt nichts vor", erklärt Schulrat Jürgen Bomertl. Er macht keinen Hehl daraus, dass er es nicht gut findet, wenn sich hier jemand an die Presse wendet, ohne das Gespräch mit der Schulleitung zu suchen. "Das Entscheidende ist, dass alle Schüler zur Abschlussfeier eingeladen wurden", stellt er klar. Egal ob es da vorher Diskussionen oder Differenzen gab, jeder habe teilnehmen können. "Wenn einige Schüler es vorgezogen haben, nicht an der Feier teilzunehmen und sich das Zeugnis im Sekretariat aushändigen zu lassen, so steht ihnen das auch zu." Für die Schule gebe es jedenfalls keine Verpflichtung, eine Abschlussfeier zu organisieren - genauso wenig wie eine Klassenfahrt. Letzteres sei eine "absolut freiwillige Angelegenheit". Bomertl zeigte Verständnis dafür, dass so eine Fahrt ausfällt, wenn keine Vertrauensbasis da ist, das sei auch kein Sonderfall. "Es gibt eben unzuverlässige Schüler, für die man eine 24-Stunden-Beaufsichtigung bräuchte", bedauert er.

Gar nicht nachvollziehen kann der Schulrat die Kritik am schlechten Noten-Durchschnitt: "Ich kenne keine Klasse, wo die Notenverteilung gleich gewesen wäre, die Leistungsfähigkeit differiert nun mal". Und während für Dirscherl bei der Abschlussklasse 9a heuer "das Kind schon in den Brunnen gefallen" ist und er mit seiner Kritik Schaden von zukünftigen Absolventen abwenden will, sieht Schulrat Bomertl die ganze Aufregung eher der "Instagram- und Facebook-Gesellschaft" geschuldet.

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