Die Neunburger Stadtwerke haben als Stromversorger schon vor Jahren große Teile des Stromnetzes in der Stadt übernommen. Als der Konzessionsvertrag mit der OBAG auslief, wurde ein neues Konzept mit einer Minderheits-Beteiligung des großen Versorgers gefunden, um das Netz komplett zu übernehmen.
Die Stadtwerke sind also der richtige Ansprechpartner, wenn es um das Ansinnen geht, dass Kommunen oder Zweckverbände die Stromversorgungsnetze wieder unter ihre Fittiche bringen wollen. Geschäftsführer Willi Meier stellte sich am Freitag den Fragen einer rund 20-köpfigen Delegation der Grünen, die Landtags-Fraktionschef Ludwig Hartmann und Landrats-Kandidat Rudi Sommer anführten.
In Hartmanns Heimat Landsberg am Lech hat die Kommune die Stromnetze im Jahr 2011 übernommen. Er kennt die Lage also aus Erfahrung. "Wertschöpfung in der Region behalten", so Hartmann, ist der Hintergrund, warum die Grünen die Übernahme als Gebot sehen. Es gelte, in den jeweiligen Gremien zumindest die Debatte dazu anzustoßen. Willi Meier ist dahingehend eher pessimistisch. "Die Tendenz zur Rekommunalisierung nehme ich zur Kenntnis. Aber mir fehlt der Glaube, dass das umsetzbar ist", sagte Meier. Grund: "Weil es die Regulierung auch nicht will." Ziel der Regulierung seien möglichst niedrige Netzentgelte. Hier sehen Meier und Bürgermeister Martin Birner (CSU) eine Gefahr für kleine Versorger wie die Stadtwerke: Wenn die Regulierung 2024 strenger wird. "Das wäre eine Katastrophe für uns. Da müssen wir schon jetzt dagegen kämpfen," sagte Birner, "dann werden Kleine wie wir irgendwann geschluckt". Die Schraube der Netzentgelte könne nicht beliebig nach unten gedreht werden. Das stimmte Hartmann zu: "Sie sollen und müssen ja auch das Netz fit machen für mehr Erneuerbare, für E-Autos, und, und, und."
Mindestens fünf Jahre Vorlaufzeit solle sich eine Kommune geben, wenn sie daran denke, Stromnetze zu übernehmen, sagte Meier. Und: Das koste viel Geld und große Anstrengungen. Eine "Hausnummer", ab welcher Größe sich die Übernahme für eine Kommune oder einen Zusammenschluss lohnen könnte, könne er nicht geben. "Das hängt von zu vielen Faktoren ab", etwa von der Zahl der Großabnehmer oder der Größe des Versorgungsgebiets. Denn: Wird das Stromnetz übernommen, muss es physikalisch komplett von den übergeordneten Netzen entkoppelt werden. Das bedeutet: Es braucht ein Umspannwerk (das war in Neunburg schon vorhanden) und es müssen eventuell Leitungen neu verlegt werden.
Noch eines wurde bei der Gesprächsrunde mit den rund 20 Vertretern der Grünen klar: Wenn es an den Geldbeutel geht, spielen Ökologie oder Lokalpatriotismus kaum mehr eine Rolle. Dann muss das Angebot stimmen. "Wir hatten auch schon ein Ökostrom-Angebot", sagte Meier. Mangels Nachfrage wurde es eingestellt. Projektentwickler Stefan Paulus von "Wust Wind und Sonne" stieß ins gleiche Horn. "Da haben wir die gleiche verlogene Debatte wie bei Lebensmitteln. Jeder will das beste, aber gekauft wird das billigste". Paulus begleitete die Delegation anschließend zum Windrad in Penting.













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