25.03.2019 - 17:29 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Komplex mit Klettverschluss

Die Speckgürtel um die großen bayerischen Städte werden immer größer. Doch Schorsch Scheberl alias Wolfgang Krebs sagt der Landflucht den Kampf an: "Geh zu, bleib da!" heißt es am 4. April in Neunburg.

Ob Söder, Seehofer, Stoiber oder Beckstein: Keine CSU-Größe ist vor den Parodien von Wolfgang Krebs sicher. Das Bild zeigt ihn bei einem Auftritt in Amberg.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Wolfgang Krebs haucht am 4. April um 20 Uhr in der Schwarzachtalhalle gleich einer ganzen Reihe von Figuren Leben ein. Der 52-Jährige ist berühmt für seine Imitation hochrangiger Politiker, aber auch die erfolglose Allgäuer Schlager-Kanone Meggy Montana und der schlitzohrigen Schlawiner Schorsch Scheberl kommen durch ihn zu Wort. Für Oberpfalz-Medien plaudert er aus dem Nähkästchen des politischen Kabaretts.

ONETZ: Günther Beckstein, Edmund Stoiber, Horst Seehofer und Markus Söder - kaum ein Ministerpräsident, den sie nicht parodieren. Wie intensiv studieren Sie ihre Opfer?

Krebs: Sehr intensiv, aber ich sehe sie gar nicht so sehr als Opfer. Ich achte dabei auf alles Mögliche. Da fällt mir dann auf, dass der Söder immer seine Hose hochzieht oder mit beiden Händen das Gleiche macht. Der Söder ist überhaupt eine interessante Figur, weil er ein sehr machtbewusster Mensch ist.

ONETZ: In welche Rolle schlüpfen Sie am liebsten?

Zur Zeit ist das der Herr Aiwanger. Neulich hat er zu mir gesagt: "Das ist ganz großartig, dass Sie mich parodieren. Dann werde ich vielleicht auch einmal bayerischer Ministerpräsident."

ONETZ: Was reizt Sie an ihm?

Es ist nicht mein oberstes Ziel, mich über seinen Dialekt lustig zu machen. Ich will ihn nicht vorführen, das greift zu kurz. Lieber will ich mich an der Art abarbeiten, wie er Interviews führt: Er spricht die Sprache des Volkes. Er sagt da so Sachen wie dass man pro Baugrundstück weniger Fläche vergeben sollte. Ein Riesenschmarrn, das gibt ja nur eine Verdichtung der Bebauung.

ONETZ: Woher nehmen Sie Ihre Ideen für so ein Programm wie "Geh zu, bleib da", bei dem es viel um das Verhältnis von Stadt und Land geht?

Das ist etwas, was mich persönlich bewegt. Große Städte wie München finde ich unmenschlich. Ich glaube, dass es kein großer Vorteil ist, wenn man so verdichtet zusammenleben muss. Das Leben auf dem Land oder in Kleinstädten finde ich schöner.

ONETZ: Wie schaffen Sie es, den rasanten Rollenwechsel und all die komplizierten Versprecher zu beherrschen?

Reine Übungssache, das ist nicht anders als bei einem Zauberer. Beim Kostümwechsel gibt es den ganz einfachen Trick mit den Klettverschlüssen, und ich habe eine sehr gute Maskenbildnerin, die mir die Perücken liefert.

ONETZ: Und wieso stolpern Sie nicht über Zungenbrecher wie den Ortsnamen Untergams...?

Untergamskobenzeißgrubengernhaferlverdimmering? Das ist wirklich seltsam, aber ich kann mir komplizierte Dinge viel besser merken als einfache, weil das für mich eine Herausforderung ist und Spaß macht.

ONETZ: Gibt es da auch mal üble Pannen?

Klar kann es mal vorkommen, dass man das Kostüm vertauscht. Aber das haben Sie irgendwann mal im Griff, wenn Sie ständig auf der Bühne stehen. Da fällt mir ein: Einmal bin ich in einem Wirtshaussaal als Angela Merkel aufgetreten. Da kam plötzlich so ein kleiner weißer Hund auf mich zu und pinkelt ans Rednerpult. Das war so unglaublich lustig, dass ich auch lachen musste.

ONETZ: Worauf können sich die Neunburger am 4. April gefasst machen?

Es wird auf jeden Fall ein sehr lustiger Abend, auch wenn es politisches Kabarett ist. Vielleicht ist auch das ein oder andere lokale Ereignis mit drin, da schau ich mal in der Zeitung oder frage vorher den Hausmeister. Manchmal muss man da vorsichtig sein, wenn man die Hintergründe nicht kennt.

ONETZ: Wie viele Charakter kommen denn bei dem Auftritt im fiktiven Wirtshaus "Zur toten Hose" zu Wort? Haben Sie nachgezählt?

Nachgezählt habe ich nicht, aber es werden so an die 20 sein.

ONETZ: Woran misst man als Kabarettist den Erfolg?

Das merkt man, wenn die Veranstaltung rum ist und das Publikum applaudiert. Und wenn einen die Leute hinterher noch mögen, wenn man von der Bühne geht.

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