09.04.2019 - 14:10 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Konstruktion mit Mängeln

Die Liste der Mängel ist lang. Baufehler vor über 100 Jahren sind schuld, dass das Leichenhaus auf dem Neunburger Friedhof nun ganz schön teuer kommt. Immerhin gibt es ein Lösung für statische Probleme.

Das Leichenhaus auf dem Neunburger Friedhof ist sanierungsbedürftig. Ob und wann diese Baustelle in Angriff genommen wird, hängt nun auch von einem anvisierten Verabschiedungsraum ab.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Ergebnis der statischen Untersuchung des Neunburger Leichenhauses war am Donnerstag Thema im Stadtrat. Dass hier eine Sanierung fällig ist, war schon länger klar. Zuletzt hatte sich im November der Bauausschuss mit dem Gebäude befasst, dass in der Zeit von 1911 bis 1913 erstellt wurde. Die letzte umfangreiche Sanierung fand von 1989 bis 1992 statt, und zwar mit einem Kostenaufwand von rund 200 000 Mark. Seitdem gab es immer mal wieder punktuelle Reparaturen.

Der Bauausschuss hatte sich bei einer Ortsbesichtigung vom Sanierungsbedarf überzeugt. Fazit: Die Räumlichkeiten sind nicht mehr zeitgemäß, eine Ertüchtigung des Gebäudes und vor allem des Inventars ist unabdingbar. 2017 folgte ein Sanierungsvorschlag mit geschätzten Kosten in Höhe von 150 000 Euro. Doch nach einem Termin mit dem Landesamt für Denkmalpflege ist auch bald klar geworden, dass die Schäden auf eine Mischung aus baulichen Unzulänglichkeiten und Feuchtigkeitseinwirkung zurückzuführen sind. Die Verwaltung hatte daraufhin eine statische Untersuchung angefordert.

Statiker Anton Landgraf nahm das Gebäude mit seinen dominanten Säulen im Stil des Klassizismus unter die Lupe und stieß bald auf die Ursache der Risse, die immer wieder an den Wänden der Leichenhalle auftauchen. Schuld sei die durchaus zeittypische Walmdach-Konstruktion. Schubkräfte würden hier immer wieder auf die Außenwände drücken, daher rühren seiner Ansicht nach auch die Hauptschäden. Der Diplom-Ingenieur bezog sich dabei auf einen ähnlichen Fall im Rathaus von Nittenau. Auch Fäulnisschäden gebe es zu beklagen, über die Preußische Kappendecke steige Feuchtigkeit auf. Sein Maßnahmenkatalog: Abnahme der gesamten Dacheindeckung, Instandsetzung der instabilen Dachkonstruktion, Neueindeckung und anschließende Sanierung der Wände, Decken und Fundamente. Kostenpunkt: 353 000 Euro. 65 000 Euro könnte es dafür an Fördermitteln geben. "Da bleibt einiges an uns hängen", resümierte bei der Stadtratssitzung Bürgermeister Martin Birner. "Meiner Ansicht nach lohnt es sich", meinte der Statiker, die Halle sei dann langfristig gesichert und die Zuschüsse könnten "schon noch etwas steigen".

Erst nach Abschluss der Maßnahme soll das Leichenhaus mit der Sanierung eine Aufwertung erfahren, dann steht noch die technische, gestalterische Aufwertung nach aktuellen Ansprüchen bevor. Als weiterer Aspekt ist nämlich ein Verabschiedungsraum ins Spiel gekommen. "Immer mehr Angehörige verspüren das Bedürfnis, vor der eigentlichen Trauerfeier ganz individuell und in gebührender Zeit vom Verstorbenen Abschied zu nehmen", so eine Feststellung der Verwaltung. Der bestehende Aussegnungsraum sei dazu nur bedingt geeignet.

Vorstellbar ist für Kirche und Stadt für diesen Zweck die Friedhofskapelle. Dies war dann auch der Grund, warum eine endgültige Entscheidung im Stadtrat vorerst zurückgestellt wurde. Die Sanierung soll nun vorbehaltlich der Mittelbereitstellung erfolgen. Außerdem will man zunächst die Machbarkeit eines Verabschiedungsraums und die damit verbundenen Kosten ermitteln.

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