20.01.2019 - 09:43 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Leben im Alter selbst gestalten

Die "Seniorenwohnanlage" hat mit der Gründung einer Bürgergenossenschaft eine weitere Hürde überwunden. Ziel der Genossenschaft ist der Bau von 20 Wohnungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter, die seniorengerecht und bezahlbar sind.

Für die geplante Seniorenwohnanlage stellt die Stadt dieses Grundstück an der Ufertalstraße in Sichtweite zum Marienheim (hinten, linke Bildhälfte), zur Verfügung.

Am Freitagnachmittag fand eine gemeinsame Aufsichtsrats- und Vorstandssitzung statt, bei der weitere Weichen gestellt wurden. Auf die Entstehungsgeschichte eingehend, führte Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Martin Birner aus, das das große Bürgerinteresse und das Ergebnis einer Befragungsaktion letztendlich die Basis für die weiteren Planungen ist.

Großes Interesse

Danach sehen 63 Prozent der Teilnehmer einen kurzfristigen Bedarf an einer seniorengerechten Wohnanlage und 50 Prozent würden sich auch finanziell mit einbringen wollen, egal ob in Form von Eigentum und/oder Genossenschaftsanteilen. Die überwiegende Mehrheit favorisiert einen Standort in der Nähe des Marienheims. Deshalb stellt die Stadt ihr Grundstück in der Ufertalstraße unweit des Marienheims zur Verfügung und beteiligt sich auch an der Bürger-Genossenschaft.

Auf dem knapp 4000 Quadratmeter großen Grundstück sollen nach derzeitigem Sachstand insgesamt 20 altersgerechte und barrierefreie Wohnungen in der Größenordnung zwischen 40 und 60 Quadratmeter als Ein- bis Dreizimmer-Apartments entstehen. Hinzu kommen die entsprechenden Gemeinschaftseinrichtungen. Das Genossenschaftsmodell bietet nach Auffassung der Initiatoren beste Voraussetzungen für einen genussvollen Ruhestand mit einer Wohnform, die so sicher wie Eigentum und so flexibel wie Miete ist. Wegen dem lebenslangen Wohnrecht brauche man kein eigenes Immobilieneigentum mehr und sei zudem in der genossenschaftlichen Wohnanlage sozial nicht allein gelassen. Birner nutzte die Sitzung auch als Gelegenheit, sich bei den neun Gründungsmitgliedern und bei Vorstand und Aufsichtsrat (siehe Info-Kasten) zu bedanken, insbesondere für die Bereitschaft, sich nach dem Motto "von Bürgern für Bürger" ehrenamtlich in die Pflicht nehmen zu lassen.

Markus Sowa-Deml, der vor drei Jahren in München bereits eine Wohnungsbaugenossenschaft mitgegründet und dort auch als Vorstand tätig ist, umriss die Grundsätze der Genossenschaftssatzung, nach der die Mitglieder zugleich Anteilseigner am Wohnungsunternehmen und Bewohner sind. Man kann aber auch bei einer entsprechenden Rendite Anteile quasi als Geldanlage einbringen, ohne selbst Bewohner zu sein.

Als nächster Schritt, bevor die Genossenschaft eingetragen wird, steht noch die Gründungsprüfung durch den Verband der bayerischen Wohnungswirtschaft an, der bereits bei der Gründung unterstützte und in Zukunft auch die wirtschaftliche Prüfung übernehmen wird. Zeitgleich bereitet die Genossenschaft laut Markus Sowa-Demlauch den Planungswettbewerb für das Bauprojekt vor. Es wird ab Ende Februar ein kleiner Architektenwettbewerb mit etwa acht Teilnehmern ausgelobt, der bis Mai läuft. Wichtig sei es, bei den Planungen an all die Maßnahmen zu denken, die für ein selbstbestimmtes leben im Alter notwendig sind. Dazu gehörten selbstverständlich barrierefreie Zugänge zu allen Bereichen des Hauses und des Gartens, aber auch Gemeinschaftseinrichtungen und genügend Platz zum Abstellen von Mobilitätshilfen und Vieles mehr.

Planungswettbewerb

Marianne Deml gab bekannt, dass das Ergebnis des Architektenwettbewerbs und das siegreiche Projekt bei einer Aktionswoche des Bayerischen Sozialministeriums unter dem Motto "Zu Hause daheim - für ein selbstbestimmtes Leben im Alter" vom 17. bis 26. Mai ausgestellt wird. Dadurch erwarte man sich auch bayernweite Wahrnehmung. Bis dahin werde auch die Genossenschaft offiziell eingetragen sein und die Genossenschaft kann Interessenten für eine Wohnung als weitere Mitglieder aufnehmen. Der weitere Zeitplan: Nach dem Planungswettbewerb erwartet man für Herbst 2019 die Baugenehmigung, so dass im Frühjahr 2020 mit dem Bau begonnen werden kann. Die Fertigstellung wird für den Herbst 2021 angepeilt.

Aufsichtsrat und Vorstand der neu gegründeten Genossenschaft „9Bürger eG“ setzen sich zusammen aus (von rechts) Bürgermeister Martin Birner, Markus Sowa-Deml, Marianne Deml, Andreas Thammer, Alois Wild und Andreas Hartl.
Genossenschaft gegründet:

Zum Bau einer seniorengerechten Wohnanlage wurde eine Genossenschaft „9Bürger eG (i.G.)“ gegründet. Dem Aufsichtsrat gehören an: Bürgermeister Martin Birner (Vorsitzender), Steuerberater Andreas Hartl, Landschaftsarchitekt Andreas Thammer. Für den Vorstand sind gewählt: Architekt und Projektmanager Markus Sowa-Deml, Alois Wild (Senior IC-Consult i.R.), Staatssekretärin a. D. und Stadträtin Marianne Deml. Außer den sechs genannten Personen gehören noch Wilhelm Nirschl sowie Helga und Walter Greck zu den neun Gründungsmitgliedern. Ins Leben gerufen wurde das Projekt mit einem Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 13. Februar 2017, dem am 6. April 2017 der entsprechende Stadtratsbeschluss folgte. Schon die erste Informationsversammlung mit der Teilnahme von über 120 Bürgern zeigte das große Interesse an diesem Vorhaben. Nach vielen Konzeptüberlegungen, Beratungsterminen und weiteren Info-Veranstaltungen folgte schließlich eine Bürgerbefragung und die Entscheidung für die Rechtsform der Genossenschaft. (kö)

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