28.02.2020 - 16:50 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Mehr Zukunft fürs "Leben am Land"

Von Picknickplatz bis Flyer: Die Kommunen der ILE Schwarzach-Regen können über das Regionalbudget einen satten Zuschuss absahnen. Bürger haben die Möglichkeit, bis 31. März Kleinprojekte zu melden. Die Bürgermeister schmieden weitere Pläne.

ILE-Managerin Tanja Weinberger koordiniert den interkommunalen Zusammenschluss in der Geschäftsstelle im Neunburger Rathaus.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Im Jahr 2015 haben sich zehn Kommunen aus den Landkreisen Schwandorf und Cham unter dem Titel ILE "Schwarzach-Regen" zu einer Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, mit dem Ziel gemeinsam eine zukunftsorientierte und lebenswerte Region zu gestalten. Dem Zusammenschluss gehören die Stadt Neunburg vorm Wald sowie die Gemeinden Bodenwöhr, Dieterskirchen, Thanstein, Pemfling, Pösing und die Märkte Bruck, Neukirchen-Balbini, Schwarzhofen und Stamsried an. Das Konzept wurde im November 2017 freigegeben, "danach haben wir zum Arbeiten angefangen", erklärt Neunburgs Bürgermeister Martin Birner beim Pressegespräch. Anwesend ist auch Regionalmanagerin Tanja Weinberger, die seit September 2019 ihr Büro in der ILE-Geschäftsstelle im Neunburger Rathaus bezogen hat. "Es war ein guter Start. Die Zusammenarbeit der Kommunen ist sehr harmonisch", erklärt Birner. Er berichtet von einem zweitägigen ILE-Seminar im Januar 2020. Hier wurden von allen zehn Kommunen noch einmal die Ziele fixiert und das Verständnis dafür betont, die Projekte anderer mitzutragen.

"Einsparpotenziale können erschlossen, Kräfte gebündelt und somit letztendlich Vorteile aus Synergieeffekten genutzt werden", bekräftigt Martin Birner. Erste Erfolge sind sichtbar: Die Mitgliedskommunen haben die Möglichkeit, Kleinprojekte (mit Gesamtkosten von 500 bis maximal 20 000 Euro) über das neue Förderinstrumentarium Regionalbudget anzumelden. Der Fördersatz beträgt bis zu 80 Prozent (maximal 10 000 Euro). Folgende Maßnahmen sind förderfähig: Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements, Begleitung von Veränderungsprozessen, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Verbesserung der Lebensverhältnisse, Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen, Sicherung und Verbesserung der Grundversorgung der ländlichen Bevölkerung. Die Umsetzung muss bis 20. September 2020 erfolgen. Neben den Kommunen sind Vereine, Verbände und Privatpersonen aufgerufen, bis 31. März bei der ILE Schwarzach-Regen Anfragen für Kleinprojekte einzureichen. Die Auswahl trifft ein Entscheidungsgremium, das sich aus Vertretern regionaler Akteure zusammensetzt.

Wegenetz ausbauen

Die Bürgermeister der zehn Kommunen legten beim Seminar noch weitere Schwerpunkte für 2020 fest. Die Grundlage dafür bildet ein maßgeschneidertes Zukunftskonzept für die ILE Schwarzach-Regen mit sechs Handlungsfeldern im integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK). Bürgermeister Martin Birner weist darauf hin, dass die Mitgliedskommunen dank der interkommunalen Kooperation schon bisher die Möglichkeit hatten, bei Projekten der Dorferneuerung und Flurneuordnung einen Förderbonus (10 Prozent) in Anspruch zu nehmen.

Um sich Fördermittel für einen späteren Ausbau des ländlichen Wegenetzes zu sichern, will die ILE ein Kernwegenetz-Konzept in Auftrag geben. Nähere Informationen zum Verfahrensablauf der Konzepterstellung gibt es voraussichtlich in der nächsten Beteiligten-Versammlung am 30. März 2020 durch einen Vertreter vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz. Landwirtschaftliche Maschinen werden schwerer, Wege weisen teilweise erhebliche Schäden auf, ein verändertes Freizeitbedürfnis verschiedener Nutzergruppen ist wahrzunehmen. Dies sind nur einige Punkte die verdeutlichen, dass die Ertüchtigung und Ergänzung des ländlichen Wegenetzes notwendig ist.

Besonders wichtig ist dem Neunburger Bürgermeister die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum, als ein wichtiges Element der Daseinsvorsorge: "Die Herausforderungen im Gesundheitswesen durch den demografischen Wandel und den zunehmendem Fachkräftemangel im Pflegesektor sind nur einige Aspekte, welche die ILE Schwarzach-Regen dazu veranlasst hat, sich für eine Stärkung der Gesundheitsversorgung in der Region einzusetzen."

Dialog mit Ärzten führen

Bereits im Februar 2018 erfolgte der Projektstart für die Konzepterstellung "Nachhaltige Sicherung der haus- und fachärztlichen Versorgung" durch eine Rechtsanwaltskanzlei. Der Abschluss ist für Juni 2020 geplant. "Wir müssen innovative Ansätze im Gesundheitsbereich entwickeln", betont Martin Birner. "Aber dazu müssen wir mit diesem Konzept erst die Ist-Situation erfassen, um dann rechtzeitig eingreifen zu können, wenn es darum geht, die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen." Er setzt auf den Dialog mit den Ärzten und freut sich, dass ein Arzt für das Gesundheitszentrum Neunburg gefunden werden konnte. Dazu passt ein weiterer Schwerpunkt in 2020: "WIR! Wandel durch Innovation in der Region." So nennt sich ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die ILE Schwarzach-Regen hat sich im Januar für die neunmonatige Konzeptphase beworben. Ziel ist die Realisierung einer sektorübergreifenden digitalisierten Gesundheitsvorsorge in der Region mit der Entwicklung von neuen innovativen Ansätzen im Gesundheitsbereich.

"Wir wollen Vorreiter bei der Digitalisierung im medizinischen Bereich sein", sagt Martin Birner und ergänzt: "Alle Bürgermeisterkollegen der ILE sind dafür." Die Konzeptphase wäre ein Baustein, um die zukünftige Vernetzung und den Austausch der medizinischen Dienstleister überregional zu fördern. Die Zukunft (digitale Patientenakte, Telemedizin, Praxismodelle) habe schon begonnen.

Wir wollen Vorreiter bei der Digitalisierung im medizinischen Bereich sein.

Bürgermeister Martin Birner

Bürgermeister Martin Birner

Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) Schwarzach-Regen:

Diese zwölf Gemeinden in den Landkreisen Schwandorf und Cham bilden eine „ILE“: Stadt Neunburg vorm Wald, die Gemeinden Bodenwöhr, Dieterskirchen, Thanstein, Pemfling, Pösing und die Märkte Bruck, Neukirchen-Balbini, Schwarzhofen und Stamsried.

Sechs Handlungsfelder

Siedlung und Landschaft; Landwirtschaft und Energie; Wirtschaft, Gewerbe und Nahversorgung; Naherholung und Tourismus; Kultur, Soziales und Demografie; Kommunale Zusammenarbeit.

„Ärztliche Versorgung“

Die Konzepterstellung „Nachhaltige Sicherung der haus- und fachärztlichen Versorgung in der ILE-Region“ läuft seit Februar 2018. Eine Zwischenbilanz erfolgte Mitte 2019, der voraussichtliche Abschluss ist für Juni 2020 geplant. Im Herbst ist ein Runder Tisch mit den Bürgermeistern und Ärzten sowie dem Präventionsberater der Kassenärztlichen Vereinigung geplant.

Öffentlichkeitsarbeit

Aufbau einer Homepage; Entwicklung von Logos; Pressearbeit.

Smartes Gesundheitsnetzwerk:

„WIR – Wandel durch Innovation in der Region“ ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Projektidee: „Smartes Gesundheitsnetzwerk Schwarzach-Regen“. Partner ist das Gesundheitszentrum Ostoberpfalz in Neunburg und das Fraunhofer ILS. Die Projektskizze wurde am 31. Januar 2020 als Bewerbung für die neunmonatige Konzeptphase eingereicht. Es geht um Bausteine für die zukünftige Vernetzung und Austausch im medizinischen Bereich, wie die „digitale Patientenakte“.

Kernwegenetz-Konzept

Ziel: Ertüchtigung und Ergänzung eines zukunftsgerechten, gemeindeübergreifenden ländlichen Wegenetzes; Lückenschluss von gemeindlichen Verbindungsstraßen. Grundlage zur langfristigen Sicherung von Fördermitteln für den späteren Wegeausbau. Jede Kommune entscheidet in Abstimmung mit dem Amt für Ländliche Entwicklung alleine, ob und wann ein Weg ausgebaut wird.

Regionalbudget

Fördertopf zur Stärkung der regionalen Identität. Die ILE kann pro Jahr 100 000 Euro anmelden (Zuschuss 90 Prozent; maximal 90 000 Euro). Kleinprojekte innerhalb der ILE (500 bis 20 000 Euro) werden mit einem Fördersatz bis zu 80 Prozent (maximal 10 000 Euro) gefördert. Für das Jahr 2020 können Kommunen, Vereine, Verbände, Privatpersonen und Personengesellschaften bis 31. März eine Förderanfrage bei der ILE-Geschäftsstelle im Neunburger Rathaus (E-Mail: tanja.weinberger[at]neunburg[dot]de; Telefon 09672/9208-445) stellen. (ptr)

 

 

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