Neunburg vorm Wald
25.10.2019 - 16:39 Uhr

Mini-Kreisverkehr in der Kritik

Kein Zweifel: Ein Kreisverkehr ist leistungsfähig. Aber er verschlingt viel Platz und könnte zu unerwünschten Abkürzungen verführen. Trotzdem will ihn der Neunburger Stadtrat im neuen Sondergebiet als Option nicht missen.

Dieses Brachland soll bald Platz bieten für Einzelhandel und Wohnen. Und beides soll sich weder beim Parken noch bei der Zufahrt in die Quere kommen. Bild: bl
Dieses Brachland soll bald Platz bieten für Einzelhandel und Wohnen. Und beides soll sich weder beim Parken noch bei der Zufahrt in die Quere kommen.

Der Stadtrat hatte bereits im Juli die Aufstellung eines Bebauungsplans „Alte Gärtnerei – Stadtmarkt“ beschlossen. Vorgesehen ist ein Sondergebiet mit großflächigem Einzelhandel und Wohnen. Weil das 1,6 Hektar große Areal bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche war, ist parallel dazu eine Änderung des Flächennutzungsplans erforderlich. Es folgte eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, und auch Behörden hatten Gelegenheit zur Stellungnahme. In der Sitzung vom 19. September ging es dann um die Abwägungen zu den Stellungnahmen. Vier Punkte wurden dabei zurückgestellt und standen nun bei der Sitzung am Donnerstagabend zur Prüfung auf der Tagesordnung. Vieldiskutiert war dabei vor allem die Verkehrsanbindung.

Bereits im September wurde beschlossen, dass der Vorhabenträger insbesondere einen Kreisverkehr im Bereich der Bürgermeister-Sarg-Straße/Aschenbrennerstraße und Hofzell prüfen soll. Außerdem war anvisiert, den Liefer- und Kundenverkehr über die Neukirchner Straße anzubinden, der Teil Wohnen sollte über die Aschenbrennerstraße erschlossen werden. „Die beiden Teile dürfen ausschließlich über eine fußläufige Anbindung miteinander verbunden werden“, so die Vorgabe. Im Visier hatte man dabei die Verkehrsbelastung.

Nur Mini-Kreisel

Auf Basis der "Verkehrsnachfrageprognose Wohnen" hatte man täglich 360 Fahrzeuge pro Werktag kalkuliert, 25 bis 30 Fahrten in Spitzenstunden. "Nur mit 15 zusätzlichen Fahrten in der Spitzenstunde" wurde für die Zufahrt über die Aschenbrenner Straße zur Neukirchner Straße gerechnet, der Knotenpunkt werde deshalb auch weiterhin leistungsfähig sein, so die Folgerung. Zwei Alternativen - Linksabbiegespur und Kreisverkehr - hatten die Planer nun zu prüfen. Das Ergebnis präsentierte Horst Pressler von der Planungsgemeinschaft Pressler & Geiler "Geoversum" nun in der Sitzung. "Für einen normalen Kreisel braucht man 26 Meter, hier wäre aber nur Platz da für einen Mini-Kreisel, dessen Mittelinsel dann überfahrbar ist", erläuterte der Fachmann und wies auf den Nachteil hin: Die Leistungsfähigkeit der Staatsstraße werde dadurch vermindert.

Durchaus leistungsfähig und ausreichend sei hingegen eine Linksabbiegespur, dazu müsse die Straße lediglich auf einer Länge von 18 Metern aufgeweitet werden. Weitere Nachteile eines Kreisels: die problematische Anbindung der Privatgrundstücke, und ein unerwünschter "Schleichverkehr" (Abkürzung über die Bürgermeister-Sarg-Straße zur Aschenbrennerstraße).

Im Stadtrat entspann sich daraufhin eine Debatte über die Zahl der Fahrzeuge und potenzielle Staus auf der Neukirchner Straße. "Wenn das Zentrum voll einschlägt, dann sollten wir uns an der oberen Prognose orientieren", gab CSU-Stadtrat Klaus Zeiser zu bedenken und sprach sich dafür aus, für den geplanten Realisierungswettbewerb die Option "Kreisverkehr" weiterhin offen zu halten. "Optional tut uns das nicht weh", meinte Martin Scharf für die Freien Wähler.

Stau absehbar?

Auch CSU-Fraktionssprecher Alexander Trinkmann fand die Argumente gegen den Kreisel nicht nachvollziehbar. Ohne diese Möglichkeit sei er "felsenfest überzeugt" davon, dass sich der Verkehr auf der Neukirchner Straße stauen wird. Einstimmig votierte der Stadtrat schließlich dafür, im Auslobungstext für die Erschließungsplanung auch die Option "Kreisverkehr" vorzusehen. Außerdem soll auf eine bauliche Trennung der Anbindung von Handel und Wohnen geachtet werden.

Ebenfalls einstimmig wurden Pläne zu den Geschossen angepasst: So wurde eine gestufte Bauweise bei maximal vier Geschossen im Innenbereich erwirkt. Bei drei weiteren Abwägungen ging es ebenfalls um die Verkehrsanbindung, die Anpassungen deckten sich dabei mit den Vorschlägen zur Stellungsnahme des Bauamts. "Die Änderungen sind in die Planung einzuarbeiten", hieß es nach Kenntnisnahme der Positionen. Fortsetzung folgt, und zwar nach dem Realisierungswettbewerb.

Der Stadtrat liebäugelt mit einem Kreisel, um den Verkehr im Bereich Bürgermeister-Sarg-Straße/Aschenbrennerstraße und Hofzell in den Griff zu bekommen. Allerdings würde schon die kleine Variante viel Platz verschlingen. Bild: bl
Der Stadtrat liebäugelt mit einem Kreisel, um den Verkehr im Bereich Bürgermeister-Sarg-Straße/Aschenbrennerstraße und Hofzell in den Griff zu bekommen. Allerdings würde schon die kleine Variante viel Platz verschlingen.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.